Dryland © Klaus Kranebitter
27 Dezember 2008

Encore – M 12/13

Früher Saisonbeginn im Dryland mit einer Erstbegehung von Albert Leichtfried

In letzter Zeit bekam ich immer wieder Fragen gestellt, was denn im obersten Schwierig-keitsbereich beim Mixedklettern los sei. Der große Boom, an dem eine Erfolgsmeldung die andere ablöste, verebbte sichtlich. Es kam die Frage auf, ob die Protagonisten das Interesse an schweren Mixedrouten verloren haben. Keinesfalls würde ich sagen, denn das Inter-esse ist größer denn je. Doch zur Eröffnung einer neuen Mixedroute im Highend-Bereich, die als solche nur dann zählt, wenn auch Passagen im Eis bewältigt werden, gehört meiner Meinung nach die Lösung mehrerer schwieriger Aufgabestellungen. Das hohe Kletterniveau allein reicht nicht aus um neue, harte Routen zu erschließen. Eine mindestens ebenso große Schwierigkeit stellt das Finden logischer Mixedlinien mit möglichst hohem Eisanteil und noch dazu mit Kletterpassagen, meist in extrem ausladenden Dächern, welche es durch komplexe und athletische Bewegungen erlauben, diese mit den höchsten Schwierigkeitsgraden zu versehen. Ein typisches Beispiel dafür ist die neue Route „Encore“ im Dryland bei Innsbruck. Bereits über fünf Winter lang blieb diese Linie unbemerkt, auch wenn ich bei jedem Besuch im Dryland daran vorbei spazierte.

Leistungsexplosion

Resultierend aus dem immer höher werdenden Trainingsaufwand und des sich jährlich steigerndem Erfahrungsschatz der Spitzenkletterer, steigt das Leistungsniveau im Mixedklettern Jahr für Jahr. Routen, welche vor fünf Jahren das absolute Limit dar-stellten, werden von der Spitze heutzutage zum Aufwärmen geklettert. Diese Leistungsexplo-sion ist auch der Grund, warum ich bei einer Erstbegehung im Bereich um M13 das Finden der Linie als mindestens genau so schwierig betrachte, wie die Begehung selbst.

Unsicherer Sprung

Im heurigen Winter formte sich schon im November das erste Eis im Dryland. Untypisch für dieses Gebiet, das normaler Weise erst ab Mitte Jänner genügend Eis bietet, war heuer bereits Anfang Dezember schon recht viel Eis vorhanden. Motiviert durch den hohen Eisstand verbrachte ich einige Tage mit Benny Purner im Dryland und konnte schließlich am 12. Dezember, nach intensivem Ausbouldern und einigen Versuchen, die Züge meines neuen Projektes zusammenhängen. Die Schlüsselstelle von „Encore“ stellt ein unsicherer Sprung in ein Loch, gefolgt von maximalen Zügen im ersten, der beiden waagrechten Dächer dar. Um die Bewertung von „Encore“ genauer einstufen zu können, wiederholte ich die Routen

„Tension“ M12+ und „Game over“ M13-. Vom Typ her unterscheidet sich „Encore“ von den beiden anderen Routen. Während in „Tension“ und „Game over“ vorwiegend die Ausdauer über den Durchstieg entscheidet, ist es in „Encore“ ein maximaler Sprung und dessen Auflösung.

„Encore“ ist somit nicht einfach zu bewerten, ich stufe die Route jedoch irgendwo im Bereich zwischen den beiden Referenzrouten ein. Es hängt jedoch davon ab, ob einem eher Ausdauerrouten oder maximale Routen liegen.

Frischer Seitenwind

Im Dryland hat sich neben der Begehung von „Encore“ allerdings noch einiges getan. Benny Purner entwickelte sich zu einem absoluten Topkletterer, dies bestätigt er eindrücklich mit der 1. spurfreien Wieder-holung von „Tension“ M12+ am 15. Dezember 2008. Zusätzlich konnte er mit der inter-essanten Linie „Seitenwind“ M9 das Gebiet um eine neue, schöne Route erweitern.

Text: Albert Leichtfried

Bilder: Klaus Kranebitter

Sponsoren Albert Leichtfried

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Tendon

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Webtipps.

www.albertleichtfried.at

GAME OVER – die erste M13 Europas

Tension – neue Toproute im Dryland

Eisklettertrip ins Land der aufgehenden Sonne + Video

Dryland  © Klaus Kranebitter
Sponsoren von Albert Leichtfried
Albert Leichtfried in Encore © Klaus Kranebitter
Albert Leichtfried in Encore © Klaus Kranebitter
Benny Purner in Tension © Klaus Kranebitter
Benny Purner in Seitenwind © Klaus Kranebitter
Benny Purner in Seitenwind © Klaus Kranebitter
Sonne im Dryland © Klaus Kranebitter


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