Nur drei Monate liegen zwischen diesen beiden Aufnahmen (Großvenediger).
13 April 2016

Erhöhtes Risiko von Spaltenstürzen bei Skihochtouren

Die Gefahr der Spaltenstürze darf heuer nicht unterschätzt werden. Das haben die tragischen Unglücke Ende Februar in den Zillertaler Alpen und Anfang April am Großvenediger deutlich gezeigt.

Die Gefahr der Spaltenstürze darf heuer nicht unterschätzt werden. Das haben die tragischen Unglücke Ende Februar in den Zillertaler Alpen und Anfang April am Großvenediger deutlich gezeigt. „Bei Ski-Hochtouren, deren Saison jetzt erst richtig beginnt, ist deshalb besondere Vorsicht geboten“, erklärt Karl Gabl, der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit und der Salzburger Gletscherforscher Heinz Slupetzky weist auf drei konkrete Gefahren hin:

Erstens ist die Schneedecke auf den heimischen Gletschern für diese Jahreszeit eher unterdurchschnittlich. Durch die starke Windverfrachtung sind die Spalten meist zugeweht und die Schneebrücken sind nicht stabil, d.h. vielfach zu dünn. Bei jenen Spalten, die im Winter schon zugeweht waren, war die Schwimmschneebildung durch die kalte Luft der Spalten besonders stark. Daher können Schneebrücken über Gletscherspalten, die beim Aufstieg und bei der Abfahrt, ohne es zu erkennen, von Alpinisten gequert werden, besonders unsicher sein.

Zweitens hat sich die Situation in den Nährgebieten der Gletscher geändert. In den 80er- und 90er- Jahren lagen Firnschichten aus mehreren Jahren über den Spalten, so dass diese viele und vor allem sehr tragfähige Überdeckungen hatten. In den letzten Jahrzehnten sind große Teile der Nährgebiete auf den Alpengletschern abgeschmolzen wodurch die Spalten im Herbst offen sind und später nur noch mit dem wenig tragfähigen Schnee des laufenden Winters überdeckt werden. Dadurch sind die Schneebrücken schwächer als bei einer verfestigten Firnbrücke und die Tragfähigkeit ist stark vermindert.

Drittens lässt die starke Abschmelzung bis in große Höhen instabilen Altschnee entstehen und während der Nacht friet der Schnee an der Oberfläche kaum noch.

Die Seil- und Spaltenbergetechnik sollte bei auch bei Skihochtouren beherrscht werden (Foto:  Peter Veider)
Nur drei Monate liegen zwischen diesen beiden Aufnahmen (Großvenediger).
Blick aus einer Gletscherspalte (Foto: Peter Veider)
Eine Bergungsübung der Bergrettung mit dem Dreibein (Foto:  Peter Veider)
Gruppe angeseilt auf dem Oberen Keesboden, kurz vor dem Gipfel des Großvenedigers.
Beim Fahren am Seil muss man sich den anderen Gruppenmitgliedern anpassen - ist nicht ganz einfach....
Die Ausrüstung für Skihochtouren und Spaltenbergerung.

Alle drei Faktoren, so der Gletscherforscher „führen zu einer erhöhten potentiellen Gefahr von Spaltenstürzen“. Slupetzky gibt in diesem Zusammenhang auch zu bedenken, „dass das Jahrzehnte lange Abschmelzen zur Folge hat, dass Spalten zum Vorschein kommen, die bisher nicht zu sehen waren – auch an Stellen, wo man sie nicht vermutet hätte“.

Karl Gabl, Präsident des Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit, Meteorologe und selbst Bergführer, rät daher, am Gletscher immer angeseilt unterwegs zu sein und mahnt: „Ski-Bergsteiger, die in Gletscherregionen unterwegs sind, müssen zu ihrer eigenen Sicherheit und zur Sicherheit anderer unbedingt die Seil- und Spaltenbergetechnik beherrschen."

Notwendige Ausrüstung sollte Mitgeführt werden

Nur wer die komplette Gletscherausrüstung mit dabei hat, kann bei Gefahrenstellen anseilen und ist dann auch in der Lage bei einem möglichen Spaltensturz sinnvoll zu helfen. Da sich die Ausrüstung in den letzten Jahren stark verändert hat, ist das nötige Equipment auch nicht mehr so schwer wie noch vor einigen Jahren. Extrem leichte Seile, spezielle Tourengeher Eispickel und Eisschrauben sowie mini Flaschenzugrollen sind heute in jedem guten Bergsportgeschäft zu bekommen. Die Handhabung kann man lernen, wenn nötigt sucht man sich professionelle Hilfe bei einen Bergführer oder belegt einen Kurs bei einem alpinen Verein - nur wer auf Nummer sicher geht, ist bei dünner Schneeauflage auf Gletschern gefahrlos unterwegs.

Ausrüstung Skihochtour (Quelle: Petzl)

Erforderliche Ausrüstung für die Spaltenbergung
RAD SYSTEM: 3 Verschlusskarabiner, 1 Umlenkrolle mit Rücklaufsperre, 1 TIBLOC
2 Normalkarabiner
2 Eisschrauben
Eine 120 cm-Bandschlinge
1 Kurzprusik
8 Meter 6mm-Reepschnur

Ausrüstung für eine Hochtour
Gurt
Helm
Eispickel
Einfachseil von 30 bis 50 m, die Länge richtet sich nach der Anzahl der Seilschaftsmitglieder
Steigeisen mit Antistollplatten
Stirnlampe

Webtipp: Österreichisches Kuratorium für alpine Sicherheit

Webtipp: Gute Infos zum Anseilen und Spaltenbergerung (Petzl)



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