29 November 2009

Fordern wir das Unmögliche

Christian Stangl hat den Everest zur Tagestour reduziert, die Seven Summits in knapp 59 Stunden und die höchsten Gipfel der Anden in Serie bestiegen. Jetzt liegt sein erstes Buch auf dem Tisch

 

+ Interview und GEWINNERN von 10 Büchern!

Seine Rekorde sieht er weniger als eine Frage der Zeit, sondern vielmehr des Stils: keine Fremdhilfe, keine Lagertaktik, kein Sauerstoff.

Der Skyrunner aus dem Gesäuse hat den Begriff des Alpinismus neu definiert und damit getreu seinem Motto: „Seien wir realistisch – fordern wir das Unmögliche!“ neue Wege beschritten.

Ernst Kren skizziert mit Gesprächsprotokollen, Originalberichten und Interviews die unglaublichen Aufstiege des Skyrunners.

Skyrunner Christian Stangl im Interview mit bergsteigen.at über sein erstes Buch.

Der Titel „Skyrunner“ des Buches weist auf deine spezielle Form des Bergsteigens hin. Was ist für dich Skyrunning?

Skyrunning ist eine logische Weiterentwicklung des „Höhenbergsteigens“. Beim klassischen „Höhenbergsteigen“ ist einfach nur das Erreichen des Gipfels das Ziel. Keiner fragt, wie man dort hingekommen ist, Hauptsache man war am Gipfel. Bei meinem Sport geht’s aber hauptsächlich um das Wie: Nonstop vom Basislager zum Gipfel und retour, kein künstlicher Sauerstoff, keine Depots, keine Hochlager, keine Sherpas.

Warum hast Du hauptsächlich einen dokumentarischen Stil – aufgezeichnet von deinem Co-Autor und Freund Ernst Kren - mit Interviews und Berichten gewählt?

Ich finde das wesentlich interessanter und spannender. Ich lese viele Bergbücher. Die meisten sind Nacherzählungen von Touren. Ich suche in Bergbüchern und auch allen anderen Büchern die „Quintessenz“ oder die „Botschaft“ der jeweiligen Akteure oder Schriftsteller. Was treibt sie genau an, und was kann ich daraus lernen? Mein Buch ist eine Mischung aus Sachbuch, Lehrbuch – Training - und auch zum Teil klassischem Alpinbuch. Viele wussten ja bis dato nicht, dass mich die großen Bigwalls im Karakorum - z.B. Latok II Westwand - erstmals zum Bergsteigen ins Karakorum lockten. Ich sehe das Buch als Anregung für junge motivierte Bergsteiger, die vielleicht mal etwas sportlicher in den Bergen unterwegs sein wollen. Ich habe schließlich auch sehr viele konkrete Projekte aufgelistet, die bis dato immer noch ungelöst sind.

Das Buch besticht durch exzellente und authentische Fotos. Die kommen von Dir?

Viele, ja. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Schon lustig: Die meisten der Fotos sind mit einer 299-Euro Kompaktkamera mit Selbstauslöser gemacht. Ich kann ja nicht ein Kamerateam vorausschicken, die mich dann ablichten am Gipfel.

In dem Buch steht der „sportliche“ Aspekt des Bergsteigens im Vordergrund? Was bedeutet Bergsteigen für Dich?

Bergsteigen ist ein Allgemeinbegriff: Man steigt auf die Berge. Skyrunning ist Sport. Nicht zu verwechseln mit Bergsteigen. Ich gehe privat auch Bergsteigen: klettern, wandern, Skitouren, eisklettern etc. Das ist schön und gefällt mir auch nach 30 Jahren noch.

Skyrunning ist eine Idee von mir. Ich hab die physischen und mentalen Voraussetzungen dafür. Und es ist mein Job. Eine leistungsorientierte Disziplin des Höhenbergsteigens. Gerade das Besteigen hoher Berge braucht neue Impulse. Mehr oder weniger – eher mehr – sind alle Berge bestiegen. An diesem Punkt geht’s für mich nicht weiter. Ich hab keine Lust, das zu machen, was Generationen von Bergsteigern vorher gemacht haben. Also warum nicht den Stil ändern? Ohne Hochlager direkt vom Basislager zum Gipfel. Es ist der „Rotpunktgedanke“ im Höhenbergsteigen. Als sich das Sportklettern vor ca. 30 Jahren vom Alpinklettern abspaltete, war das ein Aufruhr. Unzählige Diskussionen über Sinn und Unsinn. Und heute? Jede größere Stadt hat eine Kletterhalle. Sportklettern ist ein eigenständiger Sport. Skyrunning steht heute da, wo Sportklettern vor 30 Jahren stand.

Man gewinnt den Eindruck, dass die Andenberge Dir besonders am Herzen liegen? Stimmt das? Und warum?

Weil diese Berge für meinen Sport am besten sind. In den Zentralanden fällt extrem wenig Niederschlag. Ideal, um möglichst oft Skyruns zu machen. Würden die Achttausender in der trockenen Puna stehen, wären das die idealen Laufberge. Am K2 sind heuer alle gescheitert – ich auch. Klettertechnisch ist er nicht besonders schwierig. Klimatisch ist er ein Graus: viel Schneefälle, Winde, wochenlanges Warten im Basislager und nur ein kleines Zeitfenster im Sommer für die Besteigung.

Du gibst in dem Buch auch einen Einblick in dein Training. Wie wichtig ist Training? Und welche Trainingsphilosophie steckt dahinter?

Mein Training ist leistungssportlich orientiert. Das heißt es gibt eine Jahresplanung und eine Periodisierung. Trainingssteuerung ist der Schlüssel für sportliche Höchstleistung. Und nicht, wie viele denken, die Anzahl der bewältigten Höhenmeter oder die Anzahl der Trainingsstunden pro Tag.

Den Everest hast Du als „Tagestour“ gemacht. Wie wichtig war der Everest für Dich?

Persönlich nicht wichtig. Enorm wichtig aber für die „öffentliche“ Wahrnehmung meiner Leistungen. Ich hätte noch Dutzende weitere 6.000er in den Anden belaufen können, keinen hätte es interessiert. Der „8.000er“ als Tagestour ohne künstlichen Sauerstoff, Depots und Fremdhilfe ist für mich heute Realität. Ich bin echt gespannt, was die nächste Generation leisten wird. Zwei Achttausender innerhalb von 24 Stunden werden ebenso kommen, wie alle 14 Achttausender in zwei Jahren. Warum auch nicht?

Welche weiteren Ziele hast Du Dir gesetzt?

Jetzt fahre ich wieder in die Antarktis, um Tyree und Vinson zu vermessen. Der Hintergrund ist eher ein wissenschaftlicher. Aber es ist auch eine gute Gelegenheit wieder auf meinen Lieblingskontinent zu kommen. Bergsteigen dort ist das Beste, was ich je erleben durfte. Die Landschaft ist grandios, es ist saukalt, obwohl die Sonne im Dezember dort 24 Stunden am Tag scheint - einfach perfekt! Dieses Mal werden wir – mit Thomas Strausz und Ingrid Schittich - im zentralen „Ellsworth Mountains“ Gebiet unterwegs sein. Nicht im eher schon überlaufenen Vinson Basecamp. Erstbegehungen und Neuvermessungen sind unser Ziel, der eine oder andere Skyrun kann auch drin sein.

Kürzlich war zu lesen, Du hältst Bergsteigen mit künstlichem Sauerstoff für „Doping“? Warum?

Ich halte diese Frage eigentlich schon für überflüssig. 1978 bewiesen Peter Habeler und Reinhold Messner, dass selbst der höchste Berg ohne Kunstluft machbar ist. Wer mehr als 30 Jahre später noch immer künstlichen Sauerstoff einatmen muss, um ein wenig mehr Leistung aus seinem Körper rauszuholen - Vergleich: Turbolader beim Auto - hat die Entwicklung in den letzten drei Jahrzehnten komplett verschlafen. Oder eben einfach nichts trainiert!

Von mir aus kann jeder machen was er will. Er/sie kann sich dopen oder auch nicht, aber er/sie sollte die Fairness besitzen, dies dann auch öffentlich zu bekennen. Wenn Leute sich mit künstlichem Sauerstoff, Bergführer und einer Horde helfender Sherpas auf den Berg ziehen lassen, ist das ihre Sache. Wenn sich dann aber gerade diese geführten Bergtouristen als „Extremsportler“ oder „Extrembergsteiger“ medial in Szene setzen, ist das einfach nur peinlich.

Da könnte ich – als mittelmäßiger Felskletterer - auch ebenso gut die „Action Direct“, das Testpiece von Wolfgang Güllich, mit einer ausziehbaren Stehleiter zum „TOP-Klettern“ und mich als den „Shooting Star“ im Sportklettern verkaufen. Die wirklich guten Kletterer würden mich wahrscheinlich lynchen.

Werden weitere Bücher folgen?

Gut möglich. Bücher brauchen Zeit. Da geh ich lieber zum Bergsteigen oder Trainieren. Da sind noch zu viele Pläne in meinem Kopf:-)

Mehr über Christian Stangl unter www.skyrunning.at

Zum Buch

GEWINNER

Je ein Expemplar von Skyrunner, Unglaubliche Aufstiege eines alpinen Protagonisten geht an:

Martin Leibetseder, Feldkirchen

Philipp Huter, St. Johann i. Tirol

Thomas Tatschl, Micheldorf

Hubert Hortschitz, Natschbach

Nico Groger, Bruck an der Mur

Claus Lamm, Lustenau

Michael Robert, München

Christian Sukalia, Klagenfurt

Alexander Althuber, St. Peter-Freienstein

Sebastian Fuchs, Kramsach

bergsteigen.at und der Leykam Buchverlag gratulieren herzlich. Die Bücher bekommt ihr in den nächsten Tagen vom Leykamm Buchverlag per Post.

Das druckfrische Buch
Am Gipfel des Mt. Gardner in der Antarkis 2008
2008 gab's tiefgefrorene Kekse aus den 60iger Jahren in der Antarktis
Christian Stangl im Skyrunstil unterwegs
Stangl am Gipfel des Everest
Die letzten Meter beim Rekord am Kilimanjaro n
Und „eingefroren“ in der Antarktis
Nach 3h 44min am Gipfel des Ojos del Salado 6.893m
Cho Oyu Basislager Blick Richtung Gipfel
Christian nach 34 Tagen und 900km in den Anden
Schagwörter:


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