Albert Leichtfried in "Gorillas im Nebel"; Foto: Hannes_Mair
18 Februar 2010

Gorillas im Nebel M10/WI6

Neues Testpiece im Zillertal: Athletische, affenartige Moves, animalisches Geschrei und dichter Nebel

In bewährter Besetzung hatten Albert Leichtfried und ich bereits am 10. Februar links oberhalb des Gasthauses Karlsteg bei Ginzling eine Mixedlinie eingerichtet. Damals konnten wir im dichten Nebel kaum den Einstieg ausmachen. Bei strahlendem Sonnenschein und perfekten Bedingungen war fünf Tage später die Rotpunkt-Begehung an der Reihe.

Das Erschließen von unten erwies sich als ziemlich spannend, die Szenerie zwischen mächtigen, dunklen Granitwänden und schrägen Eisformationen ist genial. Eine Traumlinie, die zwar Mixed ist, aber trotzdem meist im Eis verläuft. Nach sechs Stunden Schufterei waren die ersten beiden Seillängen eingerichtet. Bei den Rotpunkt-Versuchen lief dann alles wie geschmiert: Trotz sehr kalter Temperaturen gelang mir die erste Länge, eine supertechnische M8+, auf Anhieb. Die Schwierigkeit ist hier eine Reihe unsicherer Hooks in einer Platte. Auch die überhängende Glasur - ja, das gibt’s wirklich! - fordert einiges vom kompletten Eiskletterer.

Die zweite Länge ist für die Unterarme die anspruchsvollste. Doch Albert hat alles im Griff. Mit Schrauben, Cams, Haken und Bolts ist die Länge gut Abzusichern und verlangt an superfragilem Eis und in feinen Rissen vollste Konzentration. Ganz nebenbei hängt das Ganze noch einige Meter über und fertig ist der Pump im Unterarm! Albert kämpft sich mit urwaldartigem Gebrüll über die letzten pumpigen Meter der Seillänge. Auch diese Seillänge gelingt auf Anhieb und wird wohl bei M10 einchecken.

Bereits kurz nach dem ersten Stand erreicht man die Höhe des Zapfens, der über das große Dach herunterhängt. Ab der Dachkante abwärts misst er sicher 20 Meter. Die dritte Länge ist dann wieder meine: mit einem weiten Spreizschritt, ca. 80 Meter Luft unterm Hintern, steigt man auf den Riesenzapfen hinaus. Ehrfürchtig und voller Respekt vor dem Riesen steige ich mit Samtpfoten aufwärts. Als dann auch noch die Sonne dazukommt, ist das Eiskletterglück perfekt. Die Säule erweist sich als knackig, auch kleine Dächer wollen überwunden werden. Wenig später bin ich endlich oben, Albert kommt nach und die Linie ist geschafft. Es folgt eine der spektakulärsten Abseilfahrten meiner Eiskletterkarriere - einfach nur Wahnsinn!

Text: Benedikt Purner

Fotos: Klaus Kranebitter / Hannes Mair

Links:

Albert Leichtfried

Benedikt Purner

Klaus Kranebitter

Alpsolut

Black Diamond - der Sponsor von Albert Leichtfried

AustriAlpin - der Sponsor von Benedikt Purner

Facts: Gorillas im Nebel

Geniale Mixedkletterei mir sehr hohem Eisanteil

120m: 10m WI3, 40m M8+, 30m M10, 40m WI6

Erstbegehung: Albert Leichtfried & Benedikt Purner, 10. Februar 2010, ground up

Erste RP: Albert Leichtfried & Benedikt Purner, 15. Februar 2010

Material: 12 Express, Cams 0,4-3, kurze Schrauben

Zufahrt: Ins Zillertal bis nach Mayrhofen und weiter bis kurz vor Ginzling, nach dem Gasthof Karlsteg zwischen zwei Lawinengalerien parken (wie Nosferatu-Eisfälle)

Zustieg: Gerade hoch zur gut sichtbaren Wand (rechts neben Nosferatu-Eisfällen) ca. 45 min

Abstieg: Abseilen über die Route an Eisuhren (50m Doppelseil)

Achtung: Extrem lawinengefährdeter Zu- und Abstiegsbereich!

Albert Leichtfried in "Gorillas im Nebel"; Foto: Hannes_Mair
Albert Leichtfried in der zweiten Seilllänge von "Gorillas im Nebel"; Foto: Klaus Kranebitter
Benedikt Purner in der ersten Seilllänge von "Gorillas im Nebel"; Foto: Klaus Kranebitter
Benedikt Purner in der ersten Seilllänge von "Gorillas im Nebel"; Foto: Klaus Kranebitter
Übersicht Gorillas im Nebel
Unter der Tour Gorillas im Nebel
Albert Leichtfried in der zweiten Seilllänge von "Gorillas im Nebel"; Foto: Hannes Mair


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