08 April 2016

Hochgolling - Nordwand

Michael Kräftner (Strabag Alpin Team) klettert zusammen mit Christian Holzer durch die gewaltige Nordwand des Hochgolling ...

"Unglaublich, dass es in Österreich so eine Nordwand gibt, die keinen Vergleich mit einer Westalpenwand zu scheuen braucht! Und noch unglaublicher, dass ich bis dato keine Ahnung davon hatte …" Michael Kräftner

Im hintersten Gollingwinkel gibt es eine Nordwand, die mit ihren 1200 Höhenmetern in kombiniertem Gelände den Vergleich mit einer Westalpenwand nicht zu scheuen braucht - die Hochgolling Nordwand! Wohl wissend, dass dort oben tiefster Winter herrscht und die Begehung der Wand somit zu einer großen Herausforderung werden kann, versuchte Strabag Alpin Team Athlet Michl Kräftner zusammen mit Christian Holzer, den er erst kurz zuvor beim Eisklettern kennen lernte, sein Glück.

Den zweistündigen Zustieg vom Riesachfall im Untertal zum Einstieg legten die beiden mit Skiern zurück, wobei sie einen ersten Eindruck der Kondition ihres Kletterpartners erhielten - auch nicht ganz unwichtig bei einem Vorhaben dieser Art. Da die Verhältnisse in der Wand von unten schwer auszumachen waren, stiegen sie von links über eine verschneite Rampe in die Wand ein. Schon diese ersten Meter, in denen das Spuren ziemlich anstrengend war, gaben ihnen einen ersten Eindruck davon, was sie in der Wand erwarten könnte.

Die Nordwand des Hochgolling. Foto: Strabag Alpinteam
Beim Zustieg. Foto: Strabag Alpinteam
Der Weg zur Einstiegsrampe. Foto: Strabag Alpinteam
Auf der Einstiegsrampe. Foto: Strabag Alpinteam
Schee- und Eismix in der Wand. Foto: Strabag Alpinteam
Blick hinunter. Foto: Strabag Alpinteam
An einem Standplatz. Foto: Strabag Alpinteam
In der Hochgolling Nordwand. Foto: Strabag Alpinteam
Im oberen Wandteil. Foto: Strabag Alpinteam
Auf dem Gipfel. Foto: Strabag Alpinteam

Den sogenannten Eisschlauch, die erste Schlüsselstelle der Route erreichten sie zwar über einen leichten Eisfall (WI 4), aber insgesamt hatte es diese Seillänge doch in sich: dünnste Eisglasuren auf haltlosen Felsplatten, gepaart mit einer abdrängenden Verschneidung, einer griesigen Schneeauflage und fast keinen Sicherungsmöglichkeiten ließen sie diese Länge mit M 6-7 bewerten. Am laufenden Seil spulten sie die kommenden Längen ab und immer wieder, wenn sie glaubten, auf eine Rinne mit festen Schnee zu treffen, wurden sie enttäuscht: kirchdachsteil mit einer oft grundlos dicken Schneegriesauflage auf felsigem Untergrund ließ ihr Tempo in den Keller gehen und trotzdem gingen sie etwa zwei Drittel der Wand am laufenden Seil. Nur wenn es gut ging (und das war echt selten der Fall), konnte Michl Kräftner einen passablen Stand zur Sicherung basteln.

Nach zehnstündiger Wühlerei und Schinderei war es dann Michl Kräftner, der als Seilerster beim letzten Tageslicht aus der Wand ausstieg. Nachdem auch Christian Holzer die letzten Meter hinter sich brachte, machten sich die beiden sofort an den Abstieg, bei dem Christian Holzer, der die Abstiegsroute bereits kannte, die Führung übernahm. Nach drei Stunden, wobei sie etwa zwei Stunden davon im Monschein abkletterten, erreichten sie wieder ihr Skidepot am Fuß der Wand, wo sie sich zu einer grandiosen Tour beglückwünschen konnten.

Infos & Fotos: Michael Kräftner (Strabag Alpinteam)

Informationen zur Tour: Hochgolling - Nordwand

Webtipp: Strabag Alpin Team



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