18 April 2015

In memoriam Edi Koblmüller

Edi, der Bergsteiger - Edi, der Unternehmer - Edi, der Mensch. Ein Nachruf von Walter Laserer.

In memoriam Edi Koblmüller
 

Unter noch nicht näher bekannten Umständen ist Edi vor einigen Tagen am Kasbek (5.047m) im georgischen Teil des Kaukasus erfroren. Die Berichte deuten darauf hin, dass er bis zuletzt offenbar einer Teilnehmerin in einem tobenden Schneesturm bei gestanden ist.

Wir haben völlig unerwartet einen Freund, Bergkameraden, Unternehmer und geschätzten Kollegen verloren. Edi war erfolgreicher Bergsteiger, Unternehmer und Bergführer, der das Leben vieler Menschen berührte.

Edi, der Bergsteiger: Im Jahr 1978 wurden Edi und Alois Furtner durch ihre gemeinsam durchgeführte Erstdurchsteigung der Cho Oyu (8.188 m) Südwand im reinen Alpinstil schlagartig international bekannt. Sie machten nur ein Materialdepot in der Wand, und waren ganz auf sich alleine gestellt. Diese Tour zu dieser Zeit (1978) gilt auch heute noch als absolute top Leistung – wohlgemerkt auch nach internationalem Standard. Edi und Alois bewegten sich damit auf Augenhöhe etwa mit Reinhold Messner oder etwa Chris Bonington und Doug Scott.

Ein weiterer Meilenstein, den Edi und seine Partner 1981 im Karakorum setzen konnten, war die meines Wissens erste Winterexpedition zu einem hohen Siebentausender, dem Batura 1   (7.785m). Wann man bedenkt, dass noch nicht mal heute, über 30 Jahre später, alle 8.000er im Winter bestiegen sind, so kann man diese Leistung nicht hoch genug einschätzen.

Neben diesen beiden herausragenden Expeditionen führte Edi noch unzählige Expeditionen (davon fünf 8.000er und sieben 7.000er), viele davon als Bergführer und Expeditionsleiter, mit grossem Erfolg durch.
 

Edi, der Unternehmer: 1978 gründete Edi die damals kleine und „bunte“ Alpinschule „Die Bergspechte“. Flexibel und fröhlich war das Motto der ersten Jahre. Als sehr junger Bergführer durfte auch ich damals bei den Bergspechten meine Erfahrungen sammeln. Das Unternehmen wuchs durch Edis Geschick rasch und entwickelte sich zu einem großem Outdoor Reisebüro, wo man Bergreisen und –besteigungen in aller Welt buchen konnte. Edi war damit wiederum ein Pionier der ersten Stunde. Vor 30 oder 40 Jahren war es noch keineswegs so selbstverständlich wie heute, einen großen, richtig hohen Berg, sieben- oder gar achttausend Meter hoch, bei einer Agentur mit Bergführer zu buchen. Strategisch ging die Richtung dann mit vollem Erfolg vom Alpinschulbetrieb in den Alpen immer mehr zu Trekkingreisen, vor allem in Afrika, und Expeditionen.

Noch im Februar dieses Jahres habe ich Edi mit Gästen in den Abruzzen getroffen. Die Wetterverhältnisse waren schwierig, und obwohl ich mit einer eigenen Gruppe unterwegs war, konnten wir uns austauschen und so sehr professionell zusammenarbeiten. Beide konnten wir für unsere Gruppen so eine optimale Woche durchführen.

Ein Detail am Rande: Ich habe mich mit Edi damals auch über die herrschenden Lawinenbedingungen ausgetauscht. Er hatte vor allem die Sicherheit seiner Gruppen im Auge und daher auf ein geplantes Ziel verzichtet, da es ihm als zu gefährlich erschien. Für mich ein Indiz für sehr umsichtiges professionelles Verhalten, das von Sorgfalt und Sicherheitsdenken für seine Gruppe geprägt war.

Aufgrund verschiedener Entwicklungen verkaufte Edi sein Outdoor Unternehmen 2014 an Hauser Exkursionen in Deutschland und war dann noch in beratender Funktion und als Bergführer tätig. Dabei bewies Edi auch viel Verantwortungsgefühl für seine Mitarbeiter. Er hat mir noch im Februar erzählt, wie wichtig es ihm sei, dass die Mitarbeiter weiter beschäftigt werden und der Name Bergspechte  möglichst erhalten bleiben solle.

Edi, der Mensch: Mit Edi ist ein innovativer und sicher auch einer der erfahrensten Bergführer überhaupt von uns gegangen. Viele Bergführer in Österreich haben bei ihm ihre Lehrjahre verbracht und vom Wissen, das er an sie weitergab, noch Jahre danach gezehrt. Er hinterlässt in unserer Gemeinschaft eine grosse Lücke. Obwohl von Schicksalsschlägen gebeutelt, ging er weiterhin seiner Leidenschaft dem Bergsteigen und Bergführen nach und gab die Freude am Bergsteigen auch an seine zahlreichen Gäste weiter. In einem Interview mit dem Kurier sagte Edi vor einigen Jahren, er wolle lieber am Berg sterben, als mit 85 in einem Pflegeheim dahin zu vegetieren. Genau dies ist nun eingetreten. Obwohl er in seinen Bergen bei dem, was er am liebsten tat, gestorben ist, wird er uns sehr fehlen. 

Alpin Journal - bloc von Walter Laserer

Edi Koblmüller beim Eisfallklettern
Edi Koblmüller am Dhaulagiri (8167 m), Nepal, 1996
Edi Koblmüller im Lager 3 bei der Besteigung des Broad Peak (8047 m), Pakistan, 1999
Edi Koblmüller am Gipfel des Cho Oyu (8201 m), nach der Erstbesteigung der Südost-Wand, Tibet, 1978
Die Cho Oyu-Südostwand (Erstbesteigung 1978)
Edi Koblmüller: Eine Bergsteigerlegende
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