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23 Januar 2026

Kritik an Alex Honnolds Wolkenkratzer-Free-Solo

In der Nacht von Freitag auf Samstag klettert Alex Honnold für Netflix live free solo auf den 509 Meter hohen Taipei 101. Natürlich nicht ohne Kritik.

Der Aufstieg sorgt zweifellos für großes mediales Aufsehen und ist eine spektakuläre Inszenierung im Red-Bull-Stil. Der Spitzenkletterer Alex Honnold klettert in der Nacht von Freitag auf Samstag (2:00 MEZ) free solo – also allein und ohne Sicherung – den 509 Meter hohen Wolkenkratzer Taipei 101 in Taiwan hinauf, während Netflix die Aktion live überträgt. Mehr zum Skycraper 101 Live Projekt auf Netflix: https://www.netflix.com/tudum/skyscraper-live

Für Honnold war 2017 der Durchbruch, als er als erster Mensch eine Free-Solo-Begehung der rund 900 Meter hohen Granitwand des El Capitan im Yosemite-Nationalpark schaffte. Für die extrem anspruchsvolle Route „Freerider“ (UIAA 9+), die 1995 von Alexander Huber erstbegangen worden war, benötigte er lediglich vier Stunden – ohne Seil oder Sicherung.

Der Dokumentarfilm „Free Solo“, der Honnolds historische Leistung begleitet, wurde 2019 mit einem Oscar ausgezeichnet und erreichte weltweit ein Millionenpublikum in Kinos und über Streaming-Plattformen. Spätestens seitdem zählt Honnold zu den finanziell erfolgreichsten Kletterern der Szene. Rund ein Drittel seiner Einkünfte investiert er in seine eigene Stiftung: Die „Honnold Foundation“ unterstützt weltweit Projekte zur privaten Nutzung von Solarenergie.

Kritik

Der Erstbegeher der Route „Freerider“ am El Capitan, Alexander Huber, meint zu Honnolds Taipei-Aktion:

„Die Besteigung des Taipei 101 wird dem Klettern keine neuen Erkenntnisse liefern, so gesehen ist die Aktion für uns als Kletterer nicht relevant. Aber natürlich wird es über Netflix eine sehr große Reichweite bekommen, und es steht Alex selbstverständlich zu, das zu machen.“

Claudia Paganini, eine österreichische Philosophin und Theologin an der Universität Innsbruck, forscht zur Medienethik und kritisiert Netflix, das bei diesem Projekt bewusst Risiko einsetze, um Aufmerksamkeit, Reichweite und damit auch finanziellen Gewinn zu generieren. Ein ähnliches Konzept verfolge auch Red Bull mit dem Sponsoring gefährlicher Aktivitäten wie Basejumping.

Vorbereitung

Auch bei diesem Projekt überlässt Alex Honnold nichts dem Zufall. Er hat sich zwei Monate speziell vorbereitet und ist die Route am Taipei 101 auch mit Seilsicherung geklettert. Der Taipei 101 liegt vom Schwierigkeitsgrad her in Alex Honnolds Komfortzone und ist daher nicht mit dem El-Cap-Free-Solo zu vergleichen. Alex Honnold sagt zu seiner Aktion:

„Ein super Spaß, aber es wird nicht die eine Besteigung sein, über die ich mich definiere.“

Mr. Spiderman: Alain Robert

Wenn man an Solos auf Wolkenkratzer denkt, landet man sofort beim 63-jährigen Franzosen, der seit Jahrzehnten mit Solo-Building sein Geld verdient, zuvor aber – ähnlich wie Honnold – auch durch extreme Free-Solos am Fels aufgefallen ist. Er stuft den Taipei Tower vom Schwierigkeitsgrad her als mittel ein. Alain Robert ist bereits 2004, allerdings gesichert auf den Taipei geklettert. 

Alex Honnold im Gespräch mit Alain Robert

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