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23 August 2015

Maltatal Kletterführer

Soeben ist der lange erwartete Maltatal Kletterführer von Autor Gerhard Schaar erschienen. Grund genug, um Gerhard einige Infos sonnigsten Tal südlich des Alpen Hauptkamms zu entlocken.

Das Tal an der wetterbegünstigten Südseite der Kärntner Hohen Tauern gilt ja schon lange als „Geheimtipp“.  

Im ersten umfassenden Gebietsführer präsentiert sich das Gebiet mit stolzer Brust aber sensibel zugleich und katapultiert sich schnurstracks mitten unter die Top Kletterdestinationen in Österreich.   

Bergsteigen.com hat den Haupterschließer und Autor Gerhard Schaar um Rede und Antwort gebeten.

Bergsteigen.com: Jahrelang wurde der Kletterführer angekündigt, nun kommt er tatsächlich heraus. Frustriert oder glücklich?

Gerhard: Ganz klar glücklich, dass ich gemeinsam mit dem Panico Team das Projekt erfolgreich umsetzen konnte. Aber wenn ich nicht von Grund auf ein Optimist wäre, wäre ich ziemlich sicher gar nicht an diesem Punkt angelangt. Denn den Frust gab es natürlich auch. Nachdem in den letzten zwei Jahren im Maltatal aber eine Zugangsfrage nach der anderen lösen ließ, stand einer Umsetzung nichts mehr im Weg.

Bergsteigen.com: Und was darf man sich erwarten?

Gerhard: Das Maltatal hat sich in den letzten Jahren still und heimlich zu einer Destination für Jedermann entwickelt. Denn einerseits sind vor allem entlang der Malta-Hochalmstrasse viele Gebiete mit sehr leichten Routen entstanden und ein neues leichtes Bouldergebiet. Andererseits wuchs auch die Anzahl von sehr leichten Mehrseillängenrouten auf großer Seehöhe, sodass man nun auch im Sommer sehr gute Möglichkeiten vorfindet. Ja und zu guter Letzt sind wir bei unseren alpinen Möglichkeiten auf den 3000ern der Region auf den Geschmack gekommen, die erleben gerade eine Hochblüte. Nimmt man das High End Gebiet „Kolosseum“ und die vielen anderen coolen Massive dazu dann macht das eine richtig gute Kletterdestination.

Alles in Allem gibt es über 300 Sportkletterrouten und 80 Mehrseillängenrouten in 17 Massiven, 11 ausgewählte Alpinrouten und über 150 Boulderprobleme. Man findet nun von 800m bis 3350m Klettermöglichkeiten vor, von der 3er Platte bis zum 11er Überhang, vom 2m hohen Boulderblock bis zur 400m Wand, vom Winter Bouldergebiet bis zum Sommer Plaisir Paradies gibt es 365 Tage Kletterspass.

Bergsteigen.com: Klingt nach viel Angebot, aber halten die Gebiete auch einem hohen Qualitätsanspruch stand?

Gerhard: Das ist natürlich immer relativ subjektiv, aber wenn ich meine Kletterfreunde - die auch schon viel gesehen haben - als Indikatoren heranziehe, finden Sie es alle ziemlich klasse hier. Viele Massive sind landschaftlich sehr schön gelegen, neben Wasserfällen, in der Malta Schlucht oder in alpinem Ambiente. Und wirklich fast alle Gebiete haben auch richtig tollen Fels.

Etwas dass ich selber gar nicht bemerkt habe, aber worauf mich alle hinweisen, ist die Tatsache dass das Maltatal neben einer weltbekannten Boulderdestination und einem sehr guten Sportklettergebiet so etwas wie „Mini-Westalpen“ sind. Es ist ja im Alpen Adria Raum tatsächlich das erste große Urgesteins Gebiet wenn man nach Westen fährt. Hier hat es gleich geile Platten wie im Val di Mello oder am Grimselpass. Auf der Westseite der Hochalmspitze wartet Granit Abenteuerkletterei vom Feinsten und wir haben auch richtig coole Grate. Das verleiht dem Maltatal eine ganz neue Dimension, und die Qualität stimmt sicher auch.

Bergsteigen.com: Was bedeutet eigentlich der Alpintourismus für Euer Tal, Ihr seid ja auch eine Top Eiskletterdestination. Leben die Betriebe bei Euch gut von den Kletterern?

Gerhard: Leider ist das Verhältnis bei uns zum Klettersport extrem ambivalent. Man darf nicht vergessen dass wir eine inneralpine und im Grunde konservative Region sind. Hier braucht alles ein vielfaches an Geduld, Zeit und Überzeugungsarbeit.

Ich wohne ja nicht mehr im Maltatal sondern in Innsbruck. In Tirol geht man mit dem Thema komplett anders um. Dort packt man das Thema aktiv an und heftet es sich stolz als Einmaligkeitsmerkmal auf die touristischen Fahnen was auch sehr gut funktioniert.

Im Maltatal beginnt dieses Thema erst sehr langsam zu greifen, die Sanierung des größten Klettergartens im Tal im heurigen Frühjahr ist ein positives Zeichen. Aber von einer systematischen und strategischen Ausrichtung des Tourismus auf das Thema kann leider keine Rede sein. Es gilt abzuwarten ob der Kletterführer hier etwas verändern kann oder nicht. Für einige wenige Betriebe, die z.B. am ÖAV Projektes „Bergsteigerdörfer Österreich“ teilnehmen sind die (Eis)Kletterer bereits eine wichtige Zielgruppe, welche vor allem die sonst tote Wintersaison beleben bzw. in der Zwischensaison die Betten füllen.

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Bergsteigen.com: Was bedeutet der Kletterführer für dich persönlich? Du repräsentierst das Felsklettern im Maltatal wie kein anderer und der Kletterführer ist ja so etwas wie dein „Baby“.

Gerhard: Für mich persönlich schließt sich tatsächlich ein immens großer Kreis, nur so viel. Bitte um Euer Verständnis wenn ich es bei diesem Kommentar bleiben lasse, denn es ist ein sehr persönliches Ereignis das ich für mich im Stillen geschehen lassen möchte. Viel wichtiger ist es mir aber einmal mit aller Deutlichkeit festzuhalten, dass es viele Erschließer im Maltatal gibt. Uns allen ist die selbe Liebe zu unserer Heimat, dem Maltatal oder einfach dem Klettern gemein. Da gibt es keinerlei Unterschiede! Ob Sie Franz Karger heißen, der die Entwicklung gemeinsam mit Alois Krenn und Rudl Purat eingeleitet hat, oder Markus Pucher, Markus Steiner, Elias Umundum, Robert Winkler usw. heißen. Ohne den Einsatz eines jeden Einzelnen würden wir dieses Gespräch nicht führen. Und beim Bouldern war ich ja fast nur in der Pionierzeit bis etwa 2000 als Erschließer tätig. Später waren es vor allem Robert Zaghloul, Mike Lanzner, Andi Glantschnig, Mario Schautz, Eli Umundum sowie Mario Strasser usw. die erschlossen haben. Viele von Ihnen waren mit Ihrem Detailwissen eine enorme Hilfe beim Zusammenstellen des Kletterführers.

Ja und von der Bekanntheit her hat das Maltatal immer ganz enorm von den zu ihrer Zeit schwierigsten Boulder Erstbegehungen profitiert. Zuerst von Klem Loskot´s Masterpieces und dann natürlich von Nalle Hukkataival und dem Sitzstart von Bügeleisen 8c/+. Ein Kletterführer lebt von solchen Highlights. Zusammenfassend betrachtet ist es für mich einfach schön einen großen Beitrag geleistet zu haben, so wie andere auch.

Bergsteigen.com: Den neuen Maltatal Kletterführer kann man ja bei uns im Shop bestellen, man bekommt ihn aber auch im Maltatal zu kaufen, korrekt?

Gerhard: Ja, gegenüber dem Klettergarten Kreuzwand kann man vom Mai – Oktober (Mo. – So.) den Kletterführer kaufen. Das ganze Jahr über, denn durch die Bouldersaison geht es im Maltatal ja 365 durch quasi.

Bergsteigen.com: Als DER Gebietskenner muss natürlich abschließend die Frage kommen, was man im Maltatal geklettert haben muss? Was sind deine Lieblingsrouten?

Gerhard: Oje, ich habe befürchtet dass diese Frage kommt. Lass mich mal kurz nachdenken? Also beim Alpinklettern ist die Westseite der Hochalmspitze top, der Kristallweg 6b. Dann die schönste plattige Mehrseillängenroute die ich überhaupt je geklettert bin ist die „Fake Dike“ 6a+ an den Bock Platten. Im Langkar muss man „Wolkenlos“ geklettert haben. Die schönste wandige Mehrseillängenroute im Maltatal ist vielleicht „Don Quichotte“ 7a+ an der Lackenkopfwand oder „Das Gelbe Geheimnis“ 7b beim Fallbach. Und beim Sportklettern, uii ist das schwer, da gibt es so vieles, in jedem Fall stechen da die Gebiete Kolosseum, Rote Wand, Schleierwasserfall und der Sektor Sektor Sex Point an der kreuzwand heraus. Meine persönliche Lieblingsroute von allen ist aber „Crossing the Jordan“  8a/b am Hochsteg, die finde ich wirklich irgendwie einmalig. Location, Stimmung, Fels, Charakter der Route, Schwierigkeit,.....

Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei deinen Projekten!

Alle Infos zum neuen Führer findet ihr hier.

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