Moderner Expeditionsstil
22 März 2005

„On the Rocks" – Stefan Glowacz wird heute 40 Jahre alt

Stefan Glowacz feiert heute seinen 40sten Geburtstag und bringt in seinem ersten Buch einen autobiographischen Zwischenbericht über sein extremes Leben.

Nur ein alter Bergsteiger ist ein guter Bergsteiger

Es ist keine Kunst, ein Extrembergsteiger zu sein. Aber es ist eine Kunst, als Extrembergsteiger alt zu werden. Mit seinem 40. Geburtstagsfest rückt Stefan Glowacz – Sportkletterer, Alpinist, Abenteurer – in die kleine Riege derer auf, die die Evolution des Bergsports über mehrere Jahrzehnte hinweg geprägt haben: Reinhold Messner, Doug Scott, Conrad Anker, Jean-Christoph Lafaille und Kurt Albert. Zur Belohnung macht sich Stefan Glowacz selbst das schönste Geburtstagsgeschenk: Mit einem autobiographischen Zwischenbericht, der sein „Leben an den Fingerspitzen“ Revue passieren lässt.

Stefan Glowacz war gerade 13 Jahre alt, als Reinhold Messner 1978 den Gipfel des Mount Everest ohne die Verwendung von Flaschensauerstoff erreichte. Ein Meilenstein, der das Ende des Eroberungsalpinismus’ markierte. Männer wie Doug Scott, später Conrad Anker und Jean-Christoph Lafaille, schafften es, die extremen Schwierigkeitsgrade des Sportkletterns auf die großen Wände des Himalaya zu übertragen. „Leicht und schnell“: Diese Maxime wurde zum Schlüssel einer für unmöglich gehaltenen Leistungssteigerung.

An der Grenze des Machbaren

Bis heute gehört Stefan Glowacz zu denjenigen, die mit ihren Leistungen die Grenze des Machbaren nach oben verschieben. Er begann seine Karriere als Felskletterer, wurde bald bekannt für seinen schönen und eleganten Kletterstil. Dank seiner Fähigkeiten räumte Stefan Glowacz alle wichtigen Titel im Kletterwettkampfsport ab – und eröffnete viele extrem schwierige Felskletterrouten. Bis ihm das athletische Herumturnen an kurzen Routen und Kunstgriffen zu einseitig wurde – Stefan Glowacz besann sich auf seine Wurzeln als Abenteurer. Die unbekannten, unbestiegenen Berge und Wände der Welt wurden seine Obsession.

Moderner Expeditionsstil

Heute gilt der Vater von Drillingen als wichtiger Protagonist eines modernen Expeditionsstils. Sein Vermögen, extrem schwierige Routen zu klettern, überträgt er – oft zusammen mit Urgestein Kurt Albert – in die entlegensten Winkel dieser Welt. Die kanadischen Bugaboos, die Granitkathedralen von Grönland und Baffin Island, nie bestiegene Gipfel der Antarktis, Afrikas und Südamerikas, das sind heute Stefan Glowacz’ Ziele. Zuletzt war er am Murallón/Patagonien in Argentinien unterwegs. An diesem faszinierenden Berg, der mitten aus der unwirtlichen weißen Wüste des patagonischen Inlandeises wächst, eröffnete der Garmisch-Partenkirchener eine Route im 10. Schwierigkeitsgrad. Unter widrigsten Wetterbedingungen, bei Schneestürmen, in vereisten Rissen. 150 Meter unterhalb des Gipfels mussten er und sein Partner Robert Jasper umkehren. Sie verließen den Berg mit dem festen Ziel, im Herbst 2005 wiederzukommen.

Stefan Glowacz ist – im Geiste des großen englischen Bergsteigers Albert F. Mummery – „by fair means“ unterwegs. Seine Ziele erreicht er ohne Helfer. Er verzichtet anders als viele Himalayabergsteiger auf Köche und Träger, schleppt Nahrung und Ausrüstung an den Wandfuß, harrt Monate in Eishöhlen und Blechverschlägen aus. Stefan Glowacz gehört damit zu einer Generation von Expeditionsbergsteigern (Alexander und Thomas Huber, Robert Jasper, Stephan Siegrist, Ueli Steck), die sich auf andere Art neuen Zielen zuwenden und damit die nächste Dimension des Bergsports erschließen. Sie sind die neuen Entdecker. Fortschritt durch Verzicht – so lautet das Motto ihres alpinistischen Handelns.

On the Rocks – Leben an den Fingerspitzen“

Heute am 22. März 2005 wird Stefan Glowacz 40 Jahre alt. Zu diesem Anlass eröffnet er einem breiten Publikum einen Blick auf sein „Leben an den Fingerspitzen“. Sein autobiografischer Zwischenbericht stellt weniger die Person, sondern ihre Erlebnisse und Abenteuer in den Vordergrund. Freimütig gibt Stefan Glowacz seine Sorgen preis, gesteht Niederlagen ein, stellt Schwierigkeiten des Abenteurerlebens dar: So zerreißt es dem Familienvater jedes Mal das Herz, wenn er monatelang auf Expedition unterwegs ist – und doch kann er nicht von seinem Tun lassen. (Stefan Glowacz mit Ulrich Klenner: „On the Rocks – Leben an den Fingerspitzen“, erscheint am 9. März 2005 im Malik Verlag, München.)

Mehr zu Stefan Glowacz:

Murallon Expedition von Stefan Glowacz und Robert Jasper

Letzte Ausfahrt Titlis, eine Tour im 10ten Grad in den schweizer Alpen.

Die Trilogie und ihre Folgen. Stefan wiederholt als erster 2001 die drei Toprouten der Alpen und zieht Resümee.

Webtipp: www.glowacz.de

Mehr zum Buch: On the Rocks

Stefans Sponsor: Marmot

Moderner Expeditionsstil
Stefan in der Route Silbergeier: Liegt im Rätikon an der 4. Kirchelspitze-Südwand. Die Route ist 200 m hoch, hat 7 Seillängen (eine davon 8b und eine 8b+) (2001). Foto: Klaus Fengler
By fair means
Stefan im steilen Granit des Murallon (2004)
Anmarsch zum Murallon
On the rocks - sein neues Buch
Stefan nach der Begehung von 'End of Silence' (2001). Foto:Klaus Fengler


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