Pietro Vidi in Drifter’s Escape (9a+/5.15a) Pietro Vidi in Drifter’s Escape (9a+/5.15a)
02 November 2026

Pietro Vidi gelingt erste Wiederholung von Drifter’s Escape (9a+/5.15a) in Squamish

Der Kletterer aus dem Trentino schafft die zweite freie Begehung der schwierigsten Trad-Route der Welt.

Der Kletterer aus dem Trentino schafft die zweite freie Begehung der schwierigsten Trad-Route der Welt – nach rund 15 Sessions und zehn Versuchen im Vorstieg. Für die anspruchsvollen Risspassagen am Stawamus Chief setzt Vidi auf die SCARPA Blackbird.

Scarpa Athlet Pietro Vidi hat mit der ersten Wiederholung von Drifter’s Escape (9a+/5.15a) einen außergewöhnlichen Erfolg im Trad-Klettern erzielt. Die Route gilt als die schwierigste Trad-Route der Welt und verläuft durch die imposante Granitwand des Stawamus Chief, hoch über Squamish in der kanadischen Provinz British Columbia.

Im Juli 2025 gelang dem US-Amerikaner Connor Herson nach zwei Saisons intensiver Arbeit die erste freie Begehung. Seitdem hatte niemand die Route wiederholen können. Nach rund 15 Sessions und zehn Versuchen im Vorstieg gelang nun auch Pietro Vidi der Durchstieg. Ein bedeutender Erfolg für das Trad-Klettern, der zugleich die von Herson vorgeschlagene Schwierigkeit von 9a+ untermauert.

Drifter’s Escape: technische Herausforderung am Stawamus Chief

Bereits 1975 wurde Drifter’s Escape erstmals mit technischen Hilfsmitteln begangen. Heute verlangt die Route nicht nur außergewöhnlich präzise Kletterbewegungen, sondern auch starke Nerven. Denn beim Trad-Klettern platzieren die Kletterer ihre Sicherungen während des Aufstiegs selbst im Fels.

„Die Linie ist wirklich spektakulär. Zwei parallele, leicht überhängende Risse ziehen sich hoch über der Stadt durch die Wand – mit unglaublich guten Griffen“, erzählt Vidi.

Obwohl Pietro bereits einige der schwierigsten Boulder, Trad-Routen und Bigwalls der Welt gemeistert hat, stellte ihn Drifter’s Escape vor eine technische Herausforderung, wie er sie zuvor noch nicht erlebt hatte.

„Die Route ist unglaublich komplex und technisch anspruchsvoll. So etwas habe ich noch nie erlebt. An den Schlüsselstellen muss jeder einzelne Finger an den Zangengriffen und in den Rissen exakt sitzen. Dazu muss man lernen, die Schuhspitzen in winzige Vertiefungen im Fels zu klemmen. Ganz typisch für Squamish: Mit Kraft allein kommt man hier nicht weiter. Man muss sich leicht und flüssig bewegen.“

Den entscheidenden Fortschritt brachten schließlich zwei Entdeckungen: Auf halber Höhe fand Vidi eine Ruheposition, in der er beide Hände vom Fels nehmen konnte. Außerdem entwickelte er für den oberen Abschnitt eine alternative Bewegungsfolge, die besser zu seinem Kletterstil passte. Damit rückte die vollständige Begehung ein großes Stück näher.

15 Sessions zwischen Feinarbeit und Risikomanagement

Mit jeder weiteren Session beschäftigte sich Pietro Vidi intensiver mit der Route. Die Suche nach den richtigen Bewegungen wurde für ihn zunehmend zu einer persönlichen Herausforderung.

„Es war ein ziemlich harter Prozess. Es ist lange her, dass ich so viele Sessions in ein einziges Projekt gesteckt habe. Und wie immer war ich irgendwann völlig besessen davon. Diesmal war es allerdings besonders extrem. Ich hatte das Gefühl, dass mich der Drifter von überall in der Stadt aus beobachtete. Egal, wo ich war – ich sah den Chief mit dieser geschwungenen weißen Felswand vor mir, als würde sie mich anstarren.“

Neben der Suche nach der effizientesten Bewegungsfolge musste Vidi auch entscheiden, wie er seine Kräfte einteilen und gleichzeitig das Risiko kontrollieren konnte. Um Energie zu sparen, wählte er eine Strategie mit weniger Sicherungen als Connor Herson. Das erleichterte zwar die Bewegungsabläufe, machte die ersten Passagen im Vorstieg aber auch deutlich anspruchsvoller für den Kopf.

„Ich habe mich entschieden, weniger Sicherungen zu legen als Connor, um Energie zu sparen. Dadurch konnte ich den ersten Teil effizienter klettern. Gleichzeitig wurde es aber auch ziemlich beängstigend. Einige meiner Versuche im Vorstieg waren deshalb alles andere als entspannt.“

Drei Stürze ganz oben kurz vor dem Ziel

In der letzten Phase des Projekts waren nicht mehr allein die schwierigen Bewegungen entscheidend. Vidi musste auch mit dem wachsenden Druck umgehen und auf die richtigen Bedingungen warten. Die Schlüsselstellen hatte er inzwischen gelöst, doch mehrmals scheiterte der Durchstieg erst unmittelbar vor dem Ziel.

„Schon am zweiten Tag meiner Versuche vom Einstieg aus konnte ich völlig überraschend die letzte schwere Bewegung halten. Doch direkt danach rutschte mir die Hand weg, als ich nach dem Schlussgriff greifen wollte. Von da an wurde der Druck immer größer. Ich war überzeugt, dass ich die Route bald schaffen würde. Stattdessen begann ein Kampf mit den Bedingungen und mit meinem eigenen Kopf.“

Am 13. Oktober war es schließlich so weit: Nach insgesamt 15 Sessions gelang Pietro Vidi der vollständige Durchstieg. Alle Bewegungen, Ruhepositionen und technischen Lösungen, an denen er über Wochen gearbeitet hatte, kamen endlich zusammen.

„Nachdem ich an der letzten schweren Bewegung noch zwei weitere Male gestürzt war, fand ich endlich den richtigen Flow und konnte mich über die Kante auf den abschließenden Felsabsatz hochdrücken.“

Ein weiterer Meilenstein im Trad-Klettern

Mit Drifter’s Escape fügt Pietro Vidi seiner sportlichen Laufbahn einen weiteren außergewöhnlichen Erfolg hinzu. Der Kletterer aus dem Trentino hat bereits in verschiedenen Disziplinen mit Begehungen auf höchstem Schwierigkeitsniveau auf sich aufmerksam gemacht.

Zu seinen bisherigen Erfolgen zählen Tribe in Cadarese sowie Meltdown und Magic Line im Yosemite Valley. 2025 gelang ihm außerdem die zweite freie Begehung von Lurking Fear am El Capitan.

Die erste Wiederholung von Drifter’s Escape unterstreicht einmal mehr die Vielseitigkeit des italienischen Kletterers. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Schritt für die Entwicklung des Trad-Kletterns und festigt 9a+/5.15a als einen der höchsten bisher erreichten Schwierigkeitsgrade dieser Disziplin.

Für die Begehung von Drifter’s Escape entschied sich Pietro Vidi für die SCARPA Blackbird. Die Route verlangt präzises Verklemmen der Schuhspitzen in schmalen Rissen und sicheren Halt auf winzigen Tritten. Entsprechend wichtig ist ein Kletterschuh, der bei beiden Techniken zuverlässig funktioniert.



Quelle: Scarpa

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