Alle Piolet d'Or 2004 Kandidaten auf dem Podium - Foto: G. Malfer
04 März 2005

Piolet d’Or 2004 - die Gewinner

Das russische Team gewinnt den prestigeträchtigen "Alpin-Oscar" für die Durchsteigung der Jannu Nordwand. Steve House erhält den Zuschauerpreis für seine Solobesteigung des K7.

Unterschiedliche Begehungsstile

Wer hat die beste bergsteigerische Leistung erbracht? Welche Tour war 2004 die alpinistisch herausragenste? Welcher Besteigungsstil ist der wertvollste? Mit diesen Fragen beschäftigt sich alljährlich eine hochkarätige Jury, wenn es darum geht den begehrten Alpin-Oscar, Piolet d’Or (einen goldenen Eispickel) zu vergeben.

Dieses Jahr war die Entscheidung besonders schwierig, da Begehungsstile im Alpinismus immer unterschiedlicher werden und sich das Maß der Dinge nicht mehr eindeutig ermitteln lässt. Die Piolet d’Or Verleihung 2004 stand ganz im Zeichen dieser Problematik. So war es dann auch für viele unverständlich, dass die Russen mit ihrer bei vielen Bergsteigern bereits verpönten Materialschlacht, mit der sie die Jannu Nordwand – womöglich eines der letzten offenen alpinen Probleme – niederrangen, den Preis gewannen und nicht Steve House mit seinem einsamen Solotripp durch die SW Wand des K7, zu dem er bereits davor viermal angesetzt hat.

Ein Gewinn für das Bergsteigen

Ob die Entscheidung für die Russen richtig oder falsch war wird sicher noch ausgiebig diskutiert werden. Genau so, wie man über die Frage, ob die Erstbegehung der Zinnen Direttissima durch Dietrich Hasse, Lothar Brandler u. Gef. im Jahr 1958 (VI/A2) oder die erste Free Solo Begehung der Route durch Alexander Huber 2002 die bessere Leistung war, auch wochenlang diskutieren kann. Was bleibt ist sicher die Erkenntnis, dass die jährliche Verleihung des Piolet d’Ors neben der Ehrung eines formellen Gewinners eine einmalige Möglichkeit ist, sich mit den Fragen über den besten Stil und die unterschiedlichen Spielarten des Alpinismus kritisch auseinanderzusetzen.

Besteigungen für den PIOLET D'OR 2004

$Gewinner des Jury Piolet d’Or 2004

JANNU 7710m – Nordwand

Russische Direktlinie – April/Mai 2004.

Schwierigkeit: 6b/A3+, M6

Wandhöhe: 2100m

Dauer: 50 Tage inkl. Basecamptage

Bergsteiger: 11 Bergsteiger, Expeditionsleiter Alexander Odintsov

Genauere Infos: Jannu, 7710m - North Face

$Gewinner des Publikumspreises

K7 6.934m – SW Wand– Neue Route

2. Besteigung des K7- 24/25 Juli 2004

Schwierigkeit: 5.10, ice 80°, M6+, A2

Dauer: 41 Stunden vom Base Camp zum Gipfel und zurück

Bergsteiger: Steve House solo.

Fotos zu Steve House Solobegehung: Portfolio K7

$Weitere Nominierte

FITZ ROY 3440m – NO Wand

Linea di Eleganza – Februar 2004

Schwierigkeit: VI, 6c/A3, M7

Wandhöhe: 1450m.

Dauer: 8 Tage und 6 Biwacnächte

Bergsteiger: Elio Orlandi - Luca Fava - Horacio Codo

ACONCAGUA 6960m – Südwand

Johan's Route - Dezember 2003

Schwierigkeit: 6b/A2, ice 100°, M6 –

Wandhöhe: 2500m

Dauer: 6 in der Wand – im Alpinstil

Bergsteiger: Thomaz Humar und Ales Kozelj

Mehr Infos: Aconcagua's peak along a new route

MOOSE’S TOOTH 3150m – Ostwand - Arctic Rage

Versuch 22/23 März und erfolgreicher Durchstieg 31. März - 3. April 2004

Schwierigkeit: VI, A2, WI 6+

Wandhöhe: 1500m – im Alpinstil

Kevin Mahoney - Ben Gilmore

Mehr Infos: MOOSE’S TOOTH - Arctic Rage

SHISHA PANGMA 8046m – Südwand

Route Lafaille und Scott-MacIntyre-Baxter-Jones – 14. November bis 13. Dezember 2004.

Schwierigkeit: VII, Eis 80°, Mixed 55°.

Dauer: 5 Tage mit 2 Nächte über 7100m.

Bergsteiger: Jean Christophe Lafaille, solo, without oxygen.

Die Jury PIOLET D'OR 2004

Krzysztof Wielicki, bereits 14 8000er bestiegen, Juryvorsitz

Leslie Fucsko Präsident GHM

Guy Chaumereuil, Gründer des Piolet d’Or Awards

Valeri Babanov and Yuri Koshelenko, Gewinner des Piolet d’or 03

Stéphane Benoist, nominiert für den Piolet d’Or 2003, GHM

Yvette Vaucher GHM

Herausgeber des Montagnes Magazine

Mehr auf www.planetmountain.com

Alle Piolet d'Or 2004 Kandidaten auf dem Podium - Foto: G. Malfer
Von links: Alexander Odintsov, Steve House, Jean Christophe Lafaille, Kevin Mahoney und Ben Gilmore  - Foto: G. Malfer
Alexander Odintsov Leiter des russischen Teams -  - Foto: G. Malfer
Die "Sieger-Route" durch die Jannu Nordwand.
Piolet d’Or - eine der höchsten Auszeichnungen für anspruchsvolle Routen
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