Simon Gietl in Räuber Hotzenplotz (c) Matteo Mucellin
14 Januar 2019

Räuber Hotzenplotz

Die Südtiroler Simon Gietl und Patrick Seiwald eröffnen eine schwierige und lohnende Mixed Route im Reintal

Diese befindet sich in der Nähe des klassischen Wasserfall "Kofler zwischen den Wänden" und wurde ohne Verwendung von Bohrhaken eröffnet.

„Bereits 2009 hatte ich diese schöne Eis-Fels Linie das erste Mal gesehen. Zusammen mit Patrick Seiwald versuchte ich, möglichst einer logischen und natürlichen Linie zu folgen. Unsere Absicht war es, die Route mittels klassischer Absicherung zu eröffnen. Die ersten reinen Eisseillängen machten uns keine größeren Probleme. In der dritten Seillänge wurde es allmählich delikater. Heikle Eispassagen wechselten mit kniffligen Felsabschnitten. Dennoch gelang es uns auch in dieser Seillänge, unserem Vorsatz treu zu bleiben. Beinahe wie im Bilderbuch lösten sich alle Schwierigkeiten auf. ​ Als wir aber beide am Stand waren, wurde uns schnell klar, daß der schwierigste Teil noch vor uns liegt. Ein steiler Überhang sollte das große Finale sein. ​Obwohl eine stumpfe und anstrengende Verschneidung den logischen Weiterweg vorgab, war es dennoch ein anspruchsvolles Unterfangen. Die geschlossene Felsbeschaffenheit verlangte ein gutes Auge, da es nicht offensichtliche Möglichkeiten gab, sichere Felshaken zu schlagen. ​ Einige Meter vor dem Ende des abdrängenden Überhangs, neigte sich nicht nur der Tag dem Ende zu, sondern auch unsere Kräfte waren bereits erschöpft. Wir beschlossen abzuseilen und das Beenden der Route auf ein anderes Mal zu verschieben.

Simon Gietl in Räuber Hotzenplotz (c) Matteo Mucellin
Simon Gietl in Räuber Hotzenplotz (c) Matteo Mucellin
Simon Gietl in Räuber Hotzenplotz (c) Matteo Mucellin
Simon Gietl in Räuber Hotzenplotz (c) Matteo Mucellin
Patrick Seiwald  und Simon Gietl nach der Erstbegehung von Räuber Hotzenplotz (c) Simon Gietl
Patrick Seiwald in Räuber Hotzenplotz (c) Simon Gietl

Acht Jahre später

Dieses "andere Mal" verzögerte sich allerdings fast acht Jahre.​ In dieser langen Pause fuhren wir unzählige Male an der Wandflucht vorbei und jedes Mal streiften unsere Blicke entlang der Linie, die wir 2009 begonnen hatten. Aber die Linie hatte sich nie wieder so augenscheinlich logisch und kletterbar gebildet wie im Jahr des ersten Versuches. ​Nach der Erstbegehung "Utopia" sah ich, dass auch jetzt unsere angefangene Erstbegehung wieder steht und so nützten wir am 22.12.2018 unsere Chance sofort aus. Das lange Warten hatte sich gelohnt. Die Linie wies beste Bedingungen auf und wir konnten unser Projekt  aus dem tiefen Dornröschenschlaf wecken und vollenden. ​

Am 26.12 standen wir noch einmal am Einstieg, um die gesamte Tour "rotpunkt" zu klettern. Vier Stunden später konnten wir uns glücklich und zufrieden die Hände reichen und später auf die Tour anstoßen.

Es hätte kein besseres Jahresende geben können. ​Bei dieser Gelegenheit möchten wir allen ein schönes neues Jahr wünschen:-)​ ​ Die neue Route befindet sich 500 Meter links vom bekannten Kofler-Wasserfall.​“

Text: Simon Gietl / www.simongietl.it

Räuber Hotzenplotz

Schwierigkeit: M9 Wi5​+

Material: Serie Friends bis 1 & Eisschrauben, alle geschlagenen Haken wurden belassen, es wurden keine Bohrhaken verwendet.​

Zustieg: Über die Forststraße in 15 Min. zum Einstieg (von der Staße gut sichtbar)​

Abstieg: Abseilen

Routeninfo + Topo findet ihr hier

Thomas Bubendorfer und Max Sparber gelang die erste Wiederholung.

Das Feedback von Thomas:  

"Sehr schöne Eisseillängen mit zwei spannenden Stellen (Glasuren). Die letzten sechs Meter der Route, ein waagrechter, vereister Riss im Dach, sind so schwierig, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie viel Kraft man hier für eine Rotpunktbegehung haben muss. Aus unserer Sicht mindestens einen Grad schwieriger als zum Beispiel der „Spitzbart“ im Pragser Tal. Hut ab, Simon!“

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