Tourenblatt aus einem Routenbuch einer Schutzhütte
29 September 2010

Rote Karte für Kletterrouten mit Nazinamen

Der Dachverband der alpinen Vereine in Österreich (VAVÖ) spricht sich vehement gegen Benennungen von Kletterrouten aus, die nationalsozialistisch oder neonazistisch motiviert sind....

Ausgehend von einem Bericht auf bergsteigen.at über Kletterrouten mit Nazinamen in Schweden haben wir mit Unterstützung unserer Leser entdeckt, dass es auch in Österreich viele Kletterrouten gibt, deren Name mit dem NS Regime in Verbindung gebracht werden kann (mehr dazu hier).

Alpine Vereine auf Distanz

Nun haben auch die Alpinen Vereine über ihren Dachverband VAVÖ reagiert und sich in aller Deutlichkeit klar distanziert, dass solche Routenbenennungen nicht von ihnen stammen sondern von deren Erstbegehern. „Die alpinen Vereine distanzieren sich von allen Routenbezeichnungen, die in der Wahrnehmung auch nur im geringsten einen Zusammenhang mit den vom Naziregime und seinen Befürwortern kreierten und verwendeten Namen, Wörtern und Symbolen herstellen könnten.“

Appell an Herausgeber von Kletter-Büchern

Der VAVÖ appelliert an Namensgeber derartiger Routenbezeichnungen, diese unverzüglich zu ändern. Der offizielle Appell des VAVÖ richtet sich im besonderen Maße auch an die Herausgeber und Verleger von Kletterführern, derartige Namen nicht zu publizieren; sollten diese von Erstbegehern vorgeschlagen werden.

"Erfreulicherweise hat sich bei einem Namensgeber in der Umgebung von Wien nun Einsicht breit gemacht. Das ist erfreulich", sagt Bundesgeschäftsführer Reinhard Dayer von Österreichs Naturfreunden. Sein Team und er haben sich nach Bekanntwerden der Affäre in Schweden und nach eigenen Recherchen über die Lage in Österreich sehr genau mit dem Thema befasst. Führende Vertreter der anderen alpinen Vereine unterstützten die Naturfreunde dabei.

Führer werden vom Markt genommen

Für Unruhe bei Beobachtern sorgt auch die Tatsache, dass braunstichige Routenbezeichnungen mittlerweile auch ihre Wege in seriöse Druckwerke und internationale Tourismus-Literatur gefunden haben. Händler und Vereine wollen nun reagieren - zum Beispiel von Intersport Eybl bis zum Karten- und Buchhändler Freytag & Berndt.

"Wir waren uns der Situation nicht bewusst. Nach der Überprüfung erwägen wir, diese Unterwanderung zu unterbinden, indem wir die Publikationen aus dem Sortiment nehmen“, sagte Freytag & Berndt-Geschäftsführer Christian Halbwachs dem Wiener Bezirksblatt ( Aktueller Bericht im Bezirksblatt Wien (PDF).

Die AV-Sektion Austria hat den Verkauf der betroffenen Führerwerke bereits eingestellt.

Der betroffene Führerautor und Namensgeber will die einschlägigen Routennamen in Restauflagen der Führer schwärzen und künftig umbenennen.

Das Thema wurde am 28.9.2010 in der ZIB 2 öffentlich gemacht mehr

Quelle: bergrettung.at

ps: Wir haben die Namen der betroffenen Touren auf bergsteigen.at bereits geändert.

Tourenblatt aus einem Routenbuch einer Schutzhütte
Großartige Touren mit zweifelhaften Namen auf der Hohen Wand


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