09 März 2017

Skitour Olymp - von Poseidon zu Zeus

Skitouren direkt am Meer haben ihren ganz speziellen Reiz. Wir waren auf dem Olymp, dem höchsten Berg Griechenlands, und stellten fest, dass die letzten "Stufen" auf diesen fantastischen Götterthron recht anspruchsvoll sind. Die Kombination aus steiler Skitour und Kultur ist perfekt...

Skitouren direkt am Meer haben ihren ganz speziellen Reiz und so sind wir kurz entschlossen, nach Norwegen 2014, zu unserer zweiten Skitourenreise aufgebrochen. Anstatt zu den Fjorden in den hohen Norden zog es uns in diesem Jahr in den schon grünen Süden - nach Griechenland. Der höchste Punkt Griechenlands wurde anvisiert, über den Ostrücken wollten wir den 2918 m hohen Gipfel des Olymps erreichen und 5 Tage waren für dieses Unternehmen angesetzt.

Von München aus starten wir direkt nach Thessaloniki und nach zwei Stunden Direktflug war das Reiseziel auch schon erreicht. Schon beim Anflug auf den Zielflughafen sieht man östlich der Stadt den oben weiß angezuckerten Gebirgszug mit den diversen Olympgipfeln, von denen der Mount Mytikas (auch Mitikas) die höchste Erhebung Griechenlands ist. Direkt vom Flughafen fahren wir mit dem Auto auf der Autobahn zu unserem Ausgangspunkt, dem Ort Litochoro, an der Ostseite des Gebirgszuges.

Der Mytikas-Gipfel ist von der Ostseite am einfachsten zu erreichen - drei Schutzhütten ermöglichen je nach Jahreszeit (Öffnungszeit) eine individuelle Planung. Bei uns hat nur das Refuge Petrostrouga (auch ca. 1920 m) geöffnet und so müssen wir die Gipfelbesteigung von dort aus ins Auge fassen. Wir steigen zu der auf einem Kamm gelegenen Hütte auf und machen am ersten Tag noch eine kleine Erkundungstour auf den Mount Skourta (2476 m), da man von dort den Weiterweg zum Plateau der Musen und dem Olymp gut einsehen kann.

Die Nacht verbringen wir auf der etwas spartanischen Petrostrouga Hütte. W-Lan und USB-Lademöglichkeiten funktionieren sofort, um die nötige Wärme in der Hütte müssen wir uns aber selbst kümmern (Ofen anheizen). Am Abend sprechen wir zum Glück noch die finalen Meter zum Hauptgipfel mit dem Hüttenwirt durch, denn wir selbst hätten die falsche Gipfel-Rinne angepeilt. Am Abend lassen wir den Tag am Ofen bei einem Glas Rotwein gemütlich ausklingen.

Der Besuch bei Zeus - Gipfeltag

Um ca. 7:30 brechen wir von der Petrostrouga Hütte auf und folgen dem schon vom Vortag bekannten Weg hinauf auf den Mount Skourta. Von dort halten wir uns immer auf dem breiten, auf kurzen Passagen aber auch schmalen Kamm und erreichen am Ende über einen Steilhang das sog. Plateau der Musen. Wow, jetzt könnte der Kontrast nicht besser sein – vorne das flache weiße Plateau und hinten die schroffen Ostwände der höchsten Olympus Gipfel. Unsere Gruppe hat sich aufgrund der langen Wegstecke auseinandergezogen wie ein Nudelteig - während die letzten gerade das Plateau betreten, sind die ersten schon fast mit  einem der Zusatzgipfel, dem Profitis Ilias (2781 m) fertig und nehmen vor der kurzen Zusammenkunft bei der Hütte auch noch den Touba (2786 m) Gipfel mit.

Nach einer kurzen Kaffeepause bei der Giosos Apostolidis Hütte fahren wir gemeinsam in die Senke ab, um dann links der Ostwände auf dem Grat hinauf zum Wandfuß zu steigen. Noch unterhalb des großen Steinmanns lassen wir die Skier stehen und queren waagrecht nach links in den steilen Hang. Die dritte Rinne mit den Mytikas (Türmen) ist unser Ziel.

Steiles Finale zum Thron der Götter

Die Rinne ist anfangs kurz steil, legt sich dann etwas zurück und wird kurz vor dem Gipfel wieder etwas steiler. Die 45° bis 50° steile Rinne - ähnlich steil wie der Mittelteil der berühmten Palavicini Rinne am Großglockner –  muss mit Pickel und Steigeisen bewältigt werden. Nach 200 Höhenmetern ist der Spuck aber vorbei und man steht bei einer kleinen Griechenlandfahne auf dem Hauptgipfel des Olymps – καλημέρα Zeus!

Nach kurzem Rundumblick von der spitzen, 2918 Meter hohen Erhebung machen wir uns auch gleich wieder an den Abstieg. In der südostseitig ausgerichteten Rinne und am steilen Hang darunter wird der Schnee immer aufgeweichter und wir wollen diese potentielle Gefahrenzonen möglichst schnell verlassen. Bei den Skiern unterhalb des großen Steinmannes angekommen beginnt der angenehme Teil des Tages und wir starten mit der Skiabfahrt, die zwei kurzen Gegenanstiege (auf dem Plateau der Musen und vor dem Mount Skourta) sind schnell erledigt und so schwingen wir weiter hinunter ins Tal.

Am Schluss wird die Sache noch einmal spannend, fährt man doch in rasanter Slalomfahrt im teilweise recht welligen und steilen Wald ab - und spätestens als ein Teil meiner Primaloftjacke fehlt merke auch ich, dass Laubbäume keine Kippstangen sind (man lässt den Helm besser auf dem Kopf). Am Ende trotten wir doch etwas gezeichnet zwischen den ersten Frühlingsblumen den Wanderweg zum Parkplatz hinunter und beenden dort die erfolgreiche Olympbesteigung. Die Götter waren uns offenbar wohlgesonnen : -)

Auf dem Plateau der Musen.
Auf dem Mytikas Gipfel (2918 m).
Eines der vielen Graffitis in Thessaloniki.
Unterhalb der Ostwände der höchsten Olympgipfel.
Blick vom Mount Skourta in Richtung Olympgipfel.
Bei der Abfahrt vor der Petrostrouga Hütte.
Blick von der Petrostrouga Hütte hinunter zum Meer.
Sonnenaufgang an der Dimitrios Boundolas Hütte.
Die kleine Christos Kakalos Hütte unterhalb der Ostabrüche des Olymps.
Oben Schnee und unten das Meer
Bei der Abfahrt auf dem Kamm unterhalb des Giosos Passes.
Griechische Schneeketten...
Die Querung zur Gipfelrinne des Mytikas.
Die steile Gipfelrinne hinauf zum Mytikas.
Die Spiesekarte in der Petrostrouga Hütte.
Die Kuppel in der Panagia Dexia Kirche.
Der Eingang einer der Kirchen in Thessaloniki.
Die Thessaloniki Regenschirme vom griechischen Künstler Giorgos Zogolopoulos.
Die Opferkerzen in einer Orthodoxen Kirche.
Die Dächer von Thessaloniki.
Immer wieder kommt man an Ausgrabungen vorbei.
In der sog. Rotunde, seit 326 wird diese als Kirche genutzt und kann als älteste Kirche der Welt gelten.
Der schlichte Altar in der Rotunde.
Die Strandpromenade mit dem Weißen Turm.
Ein antikes Mosaik.
Fischer an der Strandpromenade.
Der bekannte Galerius-Bogen, ein Überbleibsel von den Römern.
Eine der zahlreichen bemalten Hausmauern.
Auf den Straßen herrscht oft ein schönes Farbenspiel.
Im sog. Ladadika Viertel kann man gut ausgehen und essen.
Ouzo mit nettem Häppchen.
Blick zum Olymp Massiv (die Felsen oben rechts sind die höchsten Punkte).

Thessaloniki – Graffiti und griechische Kultur

Nach etwas über einer Stunde erreichen wir Thessaloniki, quartieren uns im Zentrum ein und feiern den Gipfelerfolg in einem der zahlreichen Lokale. Am nächsten Morgen beginnen wir die Stadt zu erkunden – vom Weißen Turm, dem Wahrzeichen der Stadt, bis zu den Zahlreichen Orthodoxen Kirchen wird viel Abwechslung geboten. Die Sehenswürdigkeiten tauchen oft unverhofft inmitten der Hochhäuser auf, man pendelt immer zwischen Kirchen und Ausgrabungen hin und her und irgendwan landet man auf der Promenade und sieht in der Ferne die weißen Spitzen des Olymps am anderen Ende der Meeresbucht in den Himmel ragen.

Der weiße Thron von Zeus, des mächtigsten griechischen Gottes, direkt am blauen Reich von Poseidon – mit Tourenski direkt zum Schauplatz der Titanenkämpfe. Eine Skitourenreise der etwas anderen Art, die man aber jedem versierten Bergsteiger mit gutem Gewissen empfehlen kann.

Infos Olymp – Mount Mytikas:

Anreise: Ausgangspunkt ist Thessaloniki – gut mit dem Flugzeug z.B. von München aus zu erreichen. Mietauto für die Fahrt zum Ausgangspunkt oberhalb von Litochoro von Vorteil.

Skitour: Die Tour hinauf auf den Mytikas (Mitikas) Gipfel ist nur auf den letzten 200 Höhenmetern sehr schwer. Diese steile Rinne kann bei schlechten Verhältnissen (zu viel oder sonnenaufgeweichter Schnee) gefährlich sein. Am besten man spricht mit einem der Hüttenwirte über die Verhältnisse vor Ort.

Neben der Skitourenausrüstung sollten Harscheisen, Pickel und Steigeisen auf jeden Fall mitgenommen werden. Ein Sicherungsseil (inkl. der dazu nötigen Utensilien wie Gurt, Karabiner etc…) für den Notfall hatten wir auch dabei.

Toureninfos mit Übersichten und GPS-Track Skitour Mytikas Olymp

Hütten gibt es drei Stück auf der Ostroute:

Refuge Petrostrouga, 1920 m
Tel.: +306948821513 oder +306977246350

Refuge Giosos Apostolidis
Tel.: +306948043655 oder +306939 777064
Web.: www.apostolidisrefuge.gr

Refuge Christos Kakalos
Tel.: +306937361689

Wetter Olymp: Wetter Olymp

Webseite Bergsteigen am Olymp: www.olympus-climbing.gr

Gutes Video über eine Olymp-Mytikas-Besteigung auf unserer Route: 



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