Am 7. August 1925 gelang Emil Solleder und Gustav Lettenbauer von der Münchner Alpenvereinssektion „Hochempor“ die erste Durchsteigung der damals noch undurchstiegenen Wand. Mit nur zwölf Haken und der damaligen Ausrüstung bewältigten sie die rund 1100 Meter hohe, ausgesprochen schwierige und brüchige Wand in nur 15 Stunden Kletterzeit – ohne Biwak. Dabei eröffneten sie zugleich den VI. Schwierigkeitsgrad in den Dolomiten.
Auch heute hat die Route nichts von ihrer Wildheit verloren. Trotz moderner Ausrüstung, präziser Wettervorhersagen und deutlich besserer Information bleibt die Kletterei vom ersten bis zum letzten Meter anspruchsvoll. Die enorme Wandhöhe, die Brüchigkeit und die anspruchsvolle Routenfindung machen die Durchsteigung zu einem eindrucksvollen alpinen Unternehmen.
Erstbegehung: Gustav Lettenbauer und Emil Solleder am 7. August 1925
Kletterlänge/Schwierigkeit: 1100 m, 6-
Widerholungen:
- 1. Wiederholung: Willi Reiner und Leo Rittler, 5.–6. September 1928
- 1. Alleinbegehung: Cesare Maestri, 4. September 1952
- 1. Winterbegehung: Toni Hiebeler, Ignazio Piussi und Giorgio Redaelli, 28. Februar–7. März 1963
- 1. Winter-Solo und 3. Winterbegehung: Marco Anghileri „Butch“, 14.–18. Jänner 2000
- 1. Winterbegehung an einem Tag und 4. Winterbegehung: Alex Pivirotto und Ferruccio „Ferox“ Svaluto Moreolo, 1. Februar 2016
Begehungsbericht von Daniel Ladurner:
Die Solleder Lettenbauer durch die Nordwestwand der Civetta zählt zu den großen und geschichtsträchtigen Abenteuerrouten der Dolomiten.
Am 7. August 1925 gelang Emil Solleder und Gustav Lettenbauer die erste Durchsteigung der über 1.000 Meter hohen Wand. Eine für die damalige Zeit herausragende alpinistische Leistung und ein Meilenstein in der Entwicklung des Kletterns im VI. Grad.
Am 8. August 2024 konnten wir die Route bei guten Verhältnissen klettern. Mit rund 1.100 Metern Wandhöhe, einer nicht immer offensichtlichen Wegfindung und der teilweise selbstständigen Absicherung ist die Tour auch heute noch ein echtes alpines Abenteuer. Die einzelnen Kletterstellen sind dabei nicht unbedingt extrem schwierig. Die Herausforderung liegt vielmehr in der Länge, Orientierung, Absicherung und im Gesamtcharakter der Route.
Der berühmte Wasserfallkamin war wie so oft nass und sorgte für eine zusätzliche alpine Note. Gerade solche Passagen machen den besonderen Reiz der Tour aus. Man bewegt sich über viele Seillängen durch eine gewaltige Wand und muss seinen Weg immer wieder selbst finden.
Für mich gehört die Solleder Lettenbauer deshalb zu den besten und eindrucksvollsten Abenteuerrouten der Dolomiten. Eine Tour, bei der nicht der reine Schwierigkeitsgrad im Vordergrund steht, sondern das große Gesamterlebnis und das Bewusstsein, auf einer Linie unterwegs zu sein, die bereits vor fast 100 Jahren Alpingeschichte geschrieben hat.
Daniel Ladurner

Solleder Lettenbauer - Civetta Nordwestwand (c) Daniel Ladurner


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