Solo in Dalai Lama 8+
23 Februar 2005

Solo - das "Warum" und "Wieso"

Herbert Ranggetiner über das "Warum" und "Wieso" bei seinen unzähligen seilfreien Alleingängen in Routen bis 7c.

Klettern ohne Seil, besser bekannt als „free solo“ – seit den Begehungen von Huber Alexander vielen ein Begriff. Jedoch von den meisten nur mit einem Kopfschütteln kommentiert.

Mein „Warum“ und „Wieso“

Meine Beweggründe manchmal auf das schützende Seil zu verzichten, mein „Warum“ und „Wieso“ möchte ich in diesem Bericht offenlegen. Bereits vor 6 Jahren kletterte ich mit „Ziag o“ am Schleier Wasserfall meine erste 7c seilfrei. Die Route war prädestiniert für eine Begehung dieser Art, gute Griffe und Tritte. Am Tag zuvor kletterte ich die Route 10 mal, alles gut ausgecheckt war die Begehung körperlich und psychisch kein Problem.

Wenn bei mir die Idee entsteht eine Route seilfrei zu klettern und diese Idee zum Plan wird, kriege ich das Gefühl ich muss diese Route klettern. Wohlwissend dass dieses „muss“ ein kompletter Schmarrn ist, keiner weiß von diesem Plan, kein Druck, keine Verpflichtungen und doch eine Sache die du erledigen willst. Weil eben im Hinterkopf das genaue Wissen da ist dass du das kannst, sonst wäre diese Idee, dieser Plan doch nie entstanden. Genau dieses körperliche und geistige warmlaufen wird wohl das sein, dass ich brauche um am Tag X bereit zu sein.

Eine Solobegehung ist für mich kein Spiel und hat auch nicht mit viel Glück zu tun. Obwohl, als ich 1999 die Route „High on Emotion 7a+“ in den Lienzer Dolomiten 3 Wochen nach meiner seilfreien Begehung nochmals kletterte, vermisste ich einen Henkel in 25m Höhe, weggebrochen, ein Haarriss, ja, mmhh, das wäre Pech!! Genaue Vorbereitung, klettere nur für dich, versuche niemanden etwas zu beweisen, so lauten meine Grundsätze beim seilfreien Klettern.

20 Routen bis zum Grad 7c verteilt auf 2 Tage seilfrei

Letztes Jahr da war es wieder einmal soweit, einer meiner Pläne der mich schon länger beschäftigte sollte zur Realität werden. In meinem Hausgebiet Falkenstein bei Krimml (Szbg.) kletterte ich alle 20 Routen bis zum Grad 7c verteilt auf 2 Tage seilfrei.

Teilweise zwar nur 10 bis 15m lang, warten aber bereits im Grad 6c Routen die zur Kategorie „kloagriffig und hintafotzig“ gehören. Bei einer Route glaubte ich einen spitzen markanten Stein der genau in Falllinie lag mit einem Stück von Mäusen zerfressenem Schaumstoff entschärfen zu müssen. Aber bereits auf dem Weg zum Felsen folgte mir ein Jäger der mir lautstark sagte „Sondermüll ablagern verboten“. Ok, dann eben ohne Schaumstoff!! Das sich immer wieder aufs neue Konzentrieren war das schwierigste an der ganzen Sache.

Nie war es ein Ziel von mir möglichst schwere Routen seilfrei zu klettern, eine knackige, technisch schwierige Stelle einer Route im 9. Grad und das in 30m Höhe reizt mich da um einiges mehr.

„Stoabeisser 7c“ in Matrei-Osttirol

Genau dieses traf auf die Route „Stoabeisser 7c“ in Matrei-Osttirol zu. Als ich kurz vor der Begehung Heli fragte, du Heli moch ma do a poor Fotos, kam nur ein kurzes „Tuat ma load“. Heli probierte die Route seit einigen Tagen rotpunkt zu klettern und wusste um diese knifflige Stelle in 30m Höhe.

Kurze Zeit später war ich genau an dieser Stelle, der erste Teil lief optimal, kalt, guter Gripp, jetzt gilts. Links die kleine Leiste auf Schulter, rechter Fuß auf die abschüssige Leiste, unter mir Luft, viel Luft, da die Route 15m überhängt. Schlüsselzug, 2 Sekunden lang gespannt sein wie eine Feder, rechte Hand zum Seitgriff, ansteigen, jawohl, konzentrieren, noch 10m, jes. Psychisch meine härteste Route, Schwierigkeitsgrad Nebensache!!

owa obs sein muaß des is a ondere Frog

Ein paar Wochen später saßen Christoph Hainz und ich bei einem Glas Wein und ich erzählte ihm von meinem Vorhaben eine knackige Route in Sand in Taufers (Südtirol) seilfrei zu klettern, da mir diese besonders gut lag. Nach kurzer Zeit setzte Christoph sein typisches Hainz-Grinsen auf und sagte „wonn du de Routn richtig seilfrei kletterst des war gewaltig, owa obs sein muaß des is a ondere Frog“. Danach war 3 Wochen Schlechtwetter und es musste nicht sein, bis heute nicht. Das erstemal, dass ich einen Plan sausen ließ.

Danach kletterte ich noch die 10 Seillängen-Route „Plattenflucht 6+/7-„ in den Lienzer Dolomiten free solo onsight. 30 Minuten zügiges Klettern und es war geschafft, es war ein Traum. Das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben und diese absolute Kompromisslosigkeit ohne wenn und aber, schon interessant, aber seine Grenzen kennen und auch zu sagen nein heute nicht, das ist es.

Spaß haben und am Abend in Ruhe mein Bier trinken

All diese Begehungen haben in der seilfreien Klettergeschichte meiner Meinung nach keinen besonderen Stellenwert. Aber wen interessierts?? Mich jedenfalls nicht. Heute dreht sich alles nur mehr um Nummern, Ranglisten......usw. Ich will einfach nur klettern, Spaß haben und am Abend in Ruhe mein Bier trinken und einen Teller Nudeln, jawohl.

„Ja ich glaube durch seine Leidenschaft lebt der Mensch und durch seine Vernunft existiert er nur“.

Text & Fotos: Herbert Ranggetiner

Berichte von Herbert Ranggetiner

Per sempre 8c+ & De Hoabuachane 8b

Gleich 2 x 8c

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Solo in Dalai Lama 8+
Solobegehung von Dalai Lama 8+ in Krimml
Sand in Taufers
Erstbegehung in Waidring
Spaß, der Grundstein von Leistung
Herbert solo in Survival 7c; Krimml
Solo in Survival 7c; Krimml
Bouldern in Fusch
Roter Turm (Movietime 10+)
Auf dem Gipfel des Roten Turms
Sonnenaufgang nach einem Biwak
Herbert ist kein Müslityp
Sturztraining (Die Route Stoabeisser die ich später solo kletterte)
Osttirol kl. Falkenstein
Herbert Ranggetiner


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