Schilder richtig lesen, will auch gelernt sein
20 Juli 2020

Tipps für Einsteiger am Berg

Fit werden fürs Bergwandern und den ersten Klettersteig

Die Berge üben auf die Menschen schon immer eine besondere Faszination und Anziehungskraft aus und bieten die Möglichkeit für vielfältige Aktivitäten. Wer in eines der spannenden Hobbies einsteigen möchte – egal ob Bergwandern, -steigen, Klettern oder verschiedene Wintersportdisziplinen – sollte sich umfassend informieren. Wichtig ist zudem, fit zu werden für die besonderen körperlichen Herausforderungen in den Bergen. Wir zeigen, worauf es dabei ankommt und welche Ausrüstung am Anfang sinnvoll ist.

Bergwandern will gelernt sein

Wandern – das ist nicht nur einfach Gehen, sondern eine Kombination aus Bewegung, Rhythmus, Kraftverteilung und Ausdauer. Bergwandern unterscheidet sich in einigen Punkten vom „normalen“ Wandern:

  • Das Alpine Gelände ist seltener umfassend befestigt, es muss mit besonders schmalen Wegen oder Hindernissen wie Geröll, größere Steine und Steilstufen gerechnet werden. Somit ist eine hohe Trittsicherheit erforderlich.
  • Dies betrifft häufig auch die Sicherung selbst offizieller Pfade. In den Bergen herrscht die raue Natur. Somit verlaufen einige Wege entlang von tiefer Schluchten– ohne dass dabei ein sicherndes Seil vorhanden wäre. Für bestimmte Touren ist es also auch zwingend notwendig, schwindelfrei zu sein.
  • Nicht immer sind im alpinen Gelände die Wegverläufe einer Tour klar ersichtlich. Somit müssen Bergwanderer sich unter Umständen selbst orientieren und den richtigen Pfad finden können.
  • Einige Wegabschnitte weisen besonders „widrige“ Passagen  auf und sind dort ohne weiteres Equipment wie etwa Sicherungsseile oder Steigeisen nicht zu überwinden.
  • Schlussendlich kommt noch hinzu, dass auch die Höhenunterschiede je nach Tour extrem sein können und die etwas dünnere Luft in den Bergen die körperliche Leistungsfähigkeit zusätzlich herausfordert.

Wer bisher also beim normalen Wandern recht sicher unterwegs ist, sollte seine Fitness und sein technisches Können Schritt für Schritt erweitern und die Route genauer vorab planen. Dies betrifft etwa eine differenzierte, den Gegebenheiten angepasste Gehtechnik sowie die Trittsicherheit oder die allgemeine Ausdauer.

Bergwandern „trainieren“

Wie bei allen Disziplinen ist es sinnvoll, nach und nach den Schwierigkeitsgrad zu steigern. In den Bergen kann es fatal enden, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. Auch bei leichten Tourenhttps://www.bergsteigen.com/tourenbei leichten Touren wird es nicht langweilig werden und vor allem die Länge sollte dabei beachtet werden. Hier lässt sich ebenfalls nach und nach die Dauer und Schwierigkeit steigern – passend zur individuellen Fitness und Ausdauer. Zu den verschiedenen Touren finden sich in der Regel ausführliche Beschreibungen zum Schwierigkeitsgrad, der benötigten Zeit sowie zu weiteren Faktoren.

So kann gezielt eine Strecke mit bestimmten Eigenschaften gewählt werden, um gezielt spezielle Punkte zu trainieren. An Steigungen lassen sich manche Übungen am besten praktizieren:

  • Das seitliche Steigen über Kreuz an nassen Grashängen ist für manche Einsteiger schon eine Herausforderung.
  • Einfacher sind Trittübungen auf Steinen, Springen und Stehen. So lassen sich Balance, Trittsicherheit und die allgemeine Koordination verbessern.  

Der Umgang mit Stöcken ist ein weiterer Punkt, der scheinbar einfach zu bewältigen ist, aber erst nach und nach in Fleisch und Blut übergeht. Die richtigen Bewegungen sind elementar, ebenso wie die Kraftverteilung und die Trittsicherheit, bei denen die Stöcke helfen können.

Wichtig ist aber vor allem das richtige Körpergefühl. Den Körper ganzheitlich einsetzen und die Kraft auf den ganzen Körper effizient verteilen ist ein wichtiges Merkmal, das gerade bei längeren Wanderungen wichtig ist. Schließlich muss jeder Bergwanderer mit seinen Kräften haushalten können, damit das Pensum auch geschafft werden kann.

Tourenplanung at home

Das größte Erfolgsgeheimnis beim Bergwandern liegt jedoch in der richtigen Tourenplanung und –auswahl. Sich vor der Tour über Tourenlänge, Schwierigkeit und mögliche Gefahren auf der Tour zu informieren, ist der absolute Schlüssel zum Erfolg. Kennt man seine geplante Tour, so hat man auch die richtige Ausrüstung dabei, geht frühe genug am Morgen weg und lande am Ende eines großartigen Bergtages wieder sicher im Tal. Bei der Tourenplanung passieren in der Regel die größten Fehler, die zur Bergnot führen. Wichtig ist, sich gleich mehrere Quellen anzusehen, die Zeiten und Schwierigkeiten genau zu vergleichen und mit seinem persönlichen Können abzustimmen.

Die notwendige Ausrüstung

Für den Anfang genügt eine Ausstattung, die auch für Freizeitwanderer taugt. Dazu gehören neben dem Wanderstock eine Regenjacke, zu kälteren Jahreszeiten eine Isolationsjacke, je nach Temperatur eine lange oder kurze Wanderhose bzw. eine Zipp-Off-Wanderhose, festes Schuhwerk, am besten wasserfest, beispielsweise mit Tex-Materialien oder aus hochwertigem Leder plus Wandersocken.

Schuhe

Gerade was das Schuhwerk anbelangt, können Ratgeber zu verschiedenen Punkten Auskunft geben. Wer sich ein hochwertiges Paar zulegen möchte, sollte auf eine perfekte Passgenauigkeit genauso achten, wie auf die passenden Materialien, die sich gut imprägnieren lassen. Mit ausreichender Pflege bleiben Wanderschuhe eine lange Zeit gute Begleiter.

Es sollte klar sein, dass eventuell vorhandene Schuhe für leichteres Gelände nicht zwangsläufig für Bergtouren geeignet sind. Hier kommt es vielmehr auf eine ausreichend profilierte Sohle, sowie einen guten Schutz der Knöchel an.

Hose und Jacke

Auch, wer anfangs nicht gleich eine Wanderhose kaufen will, sollte zumindest darauf achten, dass eine Hose getragen wird, die witterungsbeständig ist und beim Laufen nicht stört. Auch eine gewöhnliche Jacke kann ausreichen, sofern diese nicht gleich beim kleinsten Regen durchweicht und dadurch den Wanderspaß am Anfang trübt. Kleidung aus modernen Funktionsmaterialien leisten gute Dienste.

Wer schon bei den ersten Wanderungen merkt, dass man Lust auf mehr bekommt, kann immer noch geeignetere Kleidung im Outdoor-Handel erwerben.

Solche Stimmungen bietet nur die Bergwelt. Hier im Nationnalpark Gesäuse
Das Wetter muss in den Bergen stets genau beobachtet werden.
Im schwierigen Gelände
Schilder richtig lesen, will auch gelernt sein
Manche Stellen müssen mit Seil gesichert werden
Am Klettersteig
Am Buchsteinhaus im Gesäuse
Sicherer Tritt in jedem Gelände
Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu

Weitere Ausrüstungsgegenstände

Weitere Utensilien für die Ausstattung derjenigen, die nach den ersten Anfängerversuchen weitermachen möchten, sind

  • Wander-T-Shirts zum Wechseln,
  • eine Kappe oder ein Stirnband,
  • eine Sonnenbrille oder für höhere Lagen eine Gletscherbrille,
  • Wanderstöcke, die verstellbar sind sowie
  • ein Wanderrucksack für 20 Liter oder mehr Platzbedarf.

Auch GPS-Geräte oder topografisches Kartenmaterial sowie ein Kompass zur besseren Orientierung sind für fortgeschrittene Bergwanderer und -kletterer sinnvoll. Fernglas und Stirnlampe runden das Equipment ab.

Ausreichend Trinkflüssigkeit und Nahrung sollte sich im Rucksack befinden, bevor man den Gipfel erstürmt. Entsprechende Trinkflaschen, die nicht auslaufen und stabile Brotdosen sind ebenfalls im Fachhandel zu finden. Was die Nahrung angeht: Energiereiche Müsli- oder Energieriegel passen auch noch in die kleinste Brotdose und sind eine willkommene Zwischenmahlzeit.

Für den Fall der Fälle ist es zudem wichtig, für die Erstversorgung bei Verletzungen gerüstet zu sein. Ein Erste-Hilfe-Set und ein Biwaksack sollten daher im Rucksack nicht fehlen.

Klettersteige – nicht ohne Helm und Gurt

Auf einer Vielzahl an Touren in den Bergen treffen Wanderer auf Klettersteige. Sie machen als eigene Disziplin  Ausflüge besonders spannend, stellen aber auch eine neue Herausforderung an Neueinsteiger dar. Wer also bereits über etwas mehr Erfahrung verfügt, kann sich nach etwas Übung und der entsprechenden Einschulung auch erstmals auf die Klettersteige wagen.

Auf den Klettersteigen erwarten den Bergwanderer verschiedene Hilfsmittel wie Leitern an den Felswänden sowie Eisenkrampen und -stifte. Dennoch ist Klettererfahrung hilfreich, vor allem aber ein Gefühl für gefährliche Bereiche, an denen man ohne die richtige Technik leicht abrutschen kann. Daher sind hierfür die oben genannten „Klettersteig Basics“ eine wichtige Voraussetzung und praktikable Übung.

Sicherheit ist das A und O, wozu ein Klettersteigset mit Hüftgurt, Karabiner und Helm gehört. Der Hüftgurt wird um Oberschenkel und Hüfte gelegt, das Klettersteigseit mit den beiden Karabinern am jeweiligen Ende wird in das Drahtseil eingeklickt, damit man bei einem Sturz gehalten wird. Damit der Kletterer bei einem Sturz nicht zu stark gebremst wird, hilft ein Bandfalldämpfer, der aus zusammengenähten Bandschlingen mit einer Sollbruchstelle, die bei einem Sturz aufreißt und diesen entsprechend abbremst.

Diese Hilfsmittel gelten zwar als sicher, jedoch kann ein Sturz schon sehr unsanft ausgehen, vor allem, wenn man mit den Leitern an der Felswand in Berührung kommt. Deshalb sollte man gerade am Anfang keine unnötigen Wagnisse eingehen und erstmal mit leichten Klettersteigen beginnen.

Da man das Klettersteigset während längerer Gehpassagen nicht braucht, sollte man es gut verstauen, zum Beispiel am Klettergurt oder im Brustgurt des Rucksacks fixieren.

Auch hier ist eine realistische Selbsteinschätzung und eine genaue Tourenplanung unbedingt notwendig. Ein Umkehren ist bei Klettersteigen meist nicht möglich. Wie bei den Bergtouren, werden auch die Klettersteige in verschiedene Schwierigkeitsstufen (A bis F) unterteilt – ebenso gibt es Steigerungsmöglichkeiten bei der Länge.

Sinnvoll ist es zudem, sich für die ersten Male bei der Tour einem Bergführer anzuvertrauen. Sie können mit wichtigen Praxistipps weiterhelfen, die man sich ohne fremde Hilfe nicht so leicht aneignen kann.

Fazit

Bergwandern und Klettersteiggehen sind  spannende Hobbys, die allerdings eine Menge Übung und Erfahrung erfordern. Eine gesunde Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, genaue Tourenplanung, sowie die schrittweise Steigerung beim Schwierigkeitsgrad der Touren ermöglichen Interessierten einen guten Einstieg.



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