Silvan Schüpdach in seiner Route Tradündition (c) www.vladekzumr.com / Vladek Zumr
19 November 2021

TRADÜNDITION eine Erstbegehung, ein Abenteuer und ein Statement

Silvan Schüpdach klettert die - wahrscheinlich – schwierigste, reine trad Mehrseillängenroute der Schweiz.

Die 8 Seillängen Route TRADÜNDITION in der Westwand des Dündenhorns wurde 2020 von Peter Von Känel und Silvan Schüpbach erstbegangen und am 15.10.2021 von Silvan zum ersten Mal Rotpunkt geklettert. Durch die anhaltenden Schwierigkeiten und weil die Erstbegeher keine Bohrhaken verwendeten, handelt es sich um die - wahrscheinlich – schwierigste, reine trad Mehrseillängenroute der Schweiz. Die Route weist einige fixe Schlaghaken und Peckers auf, ansonsten muss mit Keilen und Friends abgesichert werden.

Die Erstbegehung

Im Frühjahr 2020 waren – aus bekannten Gründen – einsame Orte zum Klettern besonders gefragt. Peter und Silvan stiegen mehrmals die 1500 Höhenmeter von Mitholz (Berner Oberland) zum Dündenhorn auf. Anfangs war die Motivation Kardiotraining und das Erkunden einer einsamen und unberührten Wand. Die beiden Alpinisten merkten sofort, dass die Westwand des Dündenhorns etwas Besonderes ist: eine Wand aus Bestem Fels und ohne bestehenden Kletterrouten findet man heutzutage selten! Nachdem Peter und Silvan eine sehr schöne Route bis 6c erstbegangen hatten, wollten die beiden die Grenzen etwas mehr ausloten: Im zentralen Wandteil suchten sich die beiden eine kompromisslose Linie durch steile, kompakte Wände und einem grossen Überhang. Für die erste Seillänge brauchten die zwei einen ganzen Tag. Am nächsten Klettertag kamen Peter und Silvan bis eine Seillänge unter den Gipfel, wobei im obersten Teil eine nach rechts führende – logische – Risslinie das Erschliessen sehr erleichterte. Beim Abseilen erkannte Silvan das Potential für anhaltendere Schwierigkeiten bei einem direkteren Routenverlauf.

Im Herbst kam Silvan zusammen mit Simon Wahli zurück. Der „gute“ Stil rückte etwas in den Hintergrund: Da die oberen, schweren Seillängen über ein Risssystem leicht zugänglich sind, checkten die beiden die obere Schlüsselseillänge von oben aus. 

In der Folge kam Silvan einige Male zurück, die Route war jedoch oft nass. Erst im September 2021 wurde die Route – mit Hilfe von Simon Wahli, Kaspar Grossniklaus und Lionel Steiner – mit Fixseilen versehen. Silvan nutzte die Fixseile, um gezielt die Seillängen für eine Rotpunkt Begehung auszuchecken. Am 15.10.2021 war es dann soweit: Mit grossartiger Unterstützung durch Peter konnte Silvan die Route endlich Rotpunkt klettern. Tatsächlich wurde die letzte Seillänge erst an diesem Tag erstbegangen! Die erste freie Begehung war also auch die Erstbegehung.

Silvan Schüpdach in seiner Route Tradündition (c) www.vladekzumr.com  /  Vladek Zumr
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Die Route Tradündition (230 m . 8a, trad) (c) www.vladekzumr.com  /  Vladek Zumr
Silvan Schüpdach in seiner Route Tradündition (c) www.vladekzumr.com  /  Vladek Zumr
Silvan Schüpdach in seiner Route Tradündition (c) www.vladekzumr.com  /  Vladek Zumr
Silvan Schüpdach in seiner Route Tradündition (c) www.vladekzumr.com  /  Vladek Zumr

Das Abenteuer

Silvan: „Ohne Bohrhaken in kompakten Kalkwänden zu klettern forderte von uns viel mehr Zeit, Logistik und Können. Nicht selten platzierten wir mehrere Sicherungen auf gleicher Höhe und waren doch nicht ganz sicher, ob das nun hält. Wir waren beide 100% motiviert und pushten uns gegenseitig. Ins Ungewisse loszuklettern und nur dann eine Sicherung zu legen, wenn es der Fels zulässt, fühlte sich ein bisschen rebellisch an: Wir waren wie Schuljungen die etwas Verbotenes machen ;).“


Das Statement

Silvan: „Auch wenn wir einige fixe Zwischensicherungen und improvisierte Abseilstände zurückliessen, bietet diese Route Wiederholern ein tolles Abenteuer. Es steht allen Kletternden frei, das fixe Material zu ersetzen oder mit mobilen Sicherungsmitteln zu ergänzen. Wir wünschen ausdrücklich, dass das Dündenhorn eine Bohrhaken-freie Zone bleibt. Es würde uns sehr freuen, wenn in Zukunft auch andere Kletternde ein Abenteuer, wie wir es hatten, erleben können. Es ist toll, dass es so viele Möglichkeiten gibt wo Kletternde gefahrlos ihre Leidenschaft ausleben können. Doch mir scheint, dass in den vergangenen Jahren sehr viele Felsen nach dem Vorbild einer Kletterhalle eingerichtet wurden und ich wünsche mir, dass es Orte gibt und immer geben wird, an denen der Berg selber vorgibt, ob und wie die Absicherung ist. Ich finde, wenn man möglichst wenig Spuren hinterlässt und das – wenige- fixe Material einfach zu entfernen/ersetzen ist, behält eine Route viel von ihrer ursprünglichen Wildheit und kann immer wieder „entdeckt“ werden.“


TRADÜNDITION

FA: Peter Von Känel, Silvan Schüpbach 2020/21

FFA: Silvan Schüpbach, 15.10.2021

8a (7b+ obl), 230m, 8SL

2x Rack Totem Cams, Set Kk, evtl. Hammer, NH und Peckers,

evtl. Seilstücke zum Auswechseln



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