Übertragung des Coronavirus über Klettergriffe?
10 März 2020

Coronavirus und Klettern

Kann man sich durch bloßes Klettern über Klettergriffe, Karabiner und Klettersteigseile mit dem SARS-CoV-2 (COVID-19) infizieren und was kann man dagegen tun?

Bevor wir uns dem Klettern und Klettesteiggehen zuwenden, hier noch einmal die grundsätzliche derzeit bekannte Art, sich mit dem Coronavirus zu infizieren.

Wie wird das neue Virus übertragen?

Laut Deutschem Bundesministerium für Gesundheit wird das neue Coronavirus SARS-CoV-2 von Mensch zu Mensch übertragen. Der Hauptübertragungsweg ist über Tröpfchen. Die Übertragung kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut oder der Augenbindehaut in Kontakt kommen

Bei der indirekten Übertragung über die Hände stellt sich die Frage, ob das Coronavirus von Oberflächen (Klettergriffe, Fels, Ausrüstung) auf die Hände übertragen werden kann?

Als Tröpfcheninfektionen verbreitet sich das Virus auch über Hände und Oberflächen, die häufig angefasst werden und kann sich bei Raumtemperatur tagelang auf Oberflächen halten und infektiös bleiben!

Damit sind wir aber auch bei Klettergriffen, Seilen, Karabiner und Klettersteigseilen, sowohl in Kletterhallen als auch in freier Natur.

Wie lang überleben Coronaviren auf Flächen?

Wenn sich das Virus über Oberfläche und Hände verbreitet, stellt sich sogleich die Frage, wie lange es auf Oberflächen überlebt. Wir haben dazu eine Studie der Uni Greifswald gefunden, die bei Kunststoff und Metall von bis zu 5 Tagen ausgeht. Für Fels haben wir keine Zahlen gefunden, auf z.B. Plastik überlebt das Virus aber auch bis zu 9 Tage, PVC bis zu 5 Tage, auf Holz und Glas bis zu 4 Tage. Sicher scheint auch, dass Kälte und hohe (Luft)feuchtigkeit die Lebensdauer des Virus erhöhen. UV-Strahlung verringert die Lebensdauer.

Was heißt das jetzt für uns Kletterer?

Eine indirekte Ansteckung mit demCoronavirus SARS-CoV-2 über Klettergriffe und Klettersteigseile scheint wegen seiner Haltbarkeit auf Oberflächen möglich. Dennoch kann man sowohl in der Kletterhalle als auch am Fels weiter klettern :-).


Folgenden, ohnehin einzuhaltenden Hygiene-Maßnahmen sollte man noch größere Beachtung schenken:

  1. Vor und nach dem Klettern Hände gründlich waschen (mind. 30 Sec., auch Daumen, zwischen Fingern und die komplette Hand)!
  2. Mit den Händen beim und nach dem Klettern nicht Mund-, Nasenschleimhaut oder Augenbindehaut berühren!
  3. Auf Klettersteigen Handschuhe tragen und mit den Handschuhen den Kontakt mit Mund, Nase und Augen vermeiden!
  4. Keine Begrüßung mit Handschlag, Umarmung, Bussi etc.
  5. Nies-Etikette beachten, das heißt, den gebeugten Arm vor den Mund und nicht die Hände!
     
Übertragung des Coronavirus über Klettergriffe?
Da große Hallen den Kursbetrieb eingestellt haben, ist jetzt weit ruhigeres Klettern möglich. Hier die Kletterhalle Wien
Wichtig ist, Abstand halten und Hygne-Vorschrifte einhalten.
Die Hallenbetreiber haben Warnhinweise angebracht.
Oft Händewaschen ist die Devise....
Coronavirus am Fels - wie sieht es da mit der Übertragung aus?

Kletterurlaub in Zeiten von Coronavirus

Abgesehen davon, dass man Risikogebiete so oder so meiden sollte, muss man natürlich die Reisewarnungen des Außenministeriums beachten. Auf der Liste findet sich z.B. aktuell Italien - somit ist der Osterkletterurlaub am Gardasee vermutlich nicht zu empfehlen. Auch sollte man sich in den Zielländern über Reisebeschränkungen erkundigen. Wenn der gewählt Kletterurlaubs-Spot dann plötzlich ein Risikogebiet wird, sitzt man schnell mal 14 Tage im Hotelzimmer oder wird nach der Rückkehr zu Hause unter Quarantäne gestellt. 

Die Bergrettung Südtirol empfiehlt am 11. März z.B. auf ihrer Facebookseite auf das Bergsteigen und Skitourengehen sogar komplett zu verzichten und zu Hause zu bleiben. Es wird empfohlen, auf alle Aktivitäten im Freien zu verzichten und die Zeit daheim in den eigenen wohligen vier Wänden zu verbringen. Damit soll lt. Bergrettung Südtirol die aktuelle Lage in Südtirol verbessert und die Rettungskräfte geschont werden. Grundsätzlich ist am Gedankengang schon etwas dran, die schon heillos überfüllten Krankenhäuser nicht durch Unfälle beim Klettern, Bergsteigen und Skitourengehen noch intensiver zu beschäftigen - also geht man es vielleicht beim so geliebte Outdoorsport etwas bedachter an als sonst. 

Kletterhallen in Österreich

Die Kletterhallen in Österreich dürfen aktuell nur mehr 100 Leute rein lassen, das trifft naturgemäß die großen Kletterhallen am meisten. Einige Kletterhallen sind aber so oder so schon wie leergefegt und nicht wirklich gut besucht. Die Hallenbetreiber sind aber bemüht, aufzuklären so gut es geht (Hinweisschilder, Verhaltensregeln – krank aussehend Personen werden direkt angesprochen). Man wird sehen, wie sich die Sache weiter entwickelt.

Kletterwettkämpfe müssen sich natürlich auch an die Coronavirus-Regeln für Indoor- und Outdoor Veranstaltungen halten. Einige internationale Bewerbe sind schon verschoben bzw. wird über Verschiebung (Europameisterschaft Moskau) nachgedacht. Das Coronavirus wirbelt natürlich auch den Qualifikationsfahrplan der Athleten für Olympia durcheinander.

Fazit: Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, sich indirekt über möglicherweise infizierte Oberflächen anzustecken, ist derzeit nicht bekannt. Da man beim Klettern und Klettersteiggehen aber Griffe, Karabiner und Seile anderer bewusst anfasst, sollte man die Hygienemaßnahmen strikt einhalten!

Quellen:   

bundesgesundheitsministerium.de

MTA Dialog – Die Fachzeitschrift der Technischen Assistenten in der Medizin

Journal of Hospital Infection Volume 104, Issue 3, March 2020, Pages 246-251

healthcare-in-europe.com

Video: Richtig Händewaschen der Uni-Wien:

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