Falsch oder gar nicht angewendete Ausrüstung am Klettersteig - auf dem Bild wurde der zweite Karabiner in die Seilbremse gehängt, diese ist dann Funktionsuntüchtig.
18 September 2011

Unfälle auf Klettersteigen

Der am Klettersteig verunfallte Alpinist ist primär männlich, älter als 35 Jahre und kein Tourist ...

Keine andere alpine Spielart ist derzeit so stark im Wachsen wie das Klettersteiggehen. Die Gründe sind vielfältig - ein einfacher Zugang zum Abenteuer, ein vermeintlich sicheres Stahlseil, der Kick in der luftigen Höhen und das Erklimmen von steilen Felswänden - dies sind nur einige Punkte, die das Klettersteiggehen derzeit so boomen lassen.

Es werden stetig neue, immer spektakulärere Klettersteige gebaut - pro Jahr entstehen ca. 15 neue Steiganlagen alleine in Österreich. Errichtet werden diese meist von Bergführern in der Übergangszeit zwischen der Winter- und Sommersaison. Der Ansturm auf die beliebten Steiganlagen ist enorm, an Spitzentagen sind an die 300 Leute an einem Stahlseil förmlich aufgefädelt.

Doch wie sieht es mit der Sicherheit aus, wie gefährlich ist Klettersteiggehen wirklich? Diese Frage wurde Anfang August vom Kuratorium für Alpine Sicherheit mit Hilfe der Daten von der Alpinpolizei beantwortet.

Überhaupt nicht bzw. falsch ins Seil eingehängt - das ist die Haupttodesursache

Die vorgestellten Unfallszahlen zeigen deutlich - der am Klettersteig verunfallte Alpinist ist primär männlich, älter als 35 Jahre, kein Tourist, gilt als erfahren und hat entweder keine Sicherung oder wendet diese fehlerhaft an (also gar keine Ausrüstung oder einfach nicht am Stahlseil eingehängt). Im Jahr sterben ca. 5-6 Personen bei Klettersteigtouren und es gibt über 100 Unfälle auf den beliebten Eisenwegen.

Primäre Unfallsursache ist das "blockieren"

Die primäre Unfallsursache auf Klettersteigen ist die Erschöpfung des Klettersteiggehers, er kann dann weder auf- noch absteigen und blockiert (verharrt an der Stelle). Ein Versuch in diesem Stadion doch weiterzuklettern führt dann meist zum Sturz.

Die meisten werden aus dieser Lage von der Bergrettung unverletzt geborgen. Das Kuratorium rät anhand dieser Zahlen zur besseren Vorbereitung - obwohl Tourenplanung nicht sexy ist, sollte diese vor jeder Klettersteigtour gemacht werden.

Kein Blitzschlag-Toter auf Klettersteigen

Überraschend war bei der Präsentation auch, dass, obwohl diese Gefahr immer sehr in den Vordergrund gestellt wurde, kein einziger Bergsteiger in Folge von Blitzschlag an einem Klettersteig gestorben ist. In diesem Fall dürfte die Regel, bei Gewittergefahr den Steig so schnell wie möglich gesichert verlassen, von allen verstanden worden sein.

Trotz der auf den ersten Blick nicht so erschreckend wirkenden Zahlen sollte diese Bergsportspielart nicht unterschätzt werden. Nur der Klettersteiggeher mit korrekter Ausrüstung (Klettersteigset und Helm), guter Tourenplanung und der damit verbundenen korrekten Selbsteinschätzung ist auf der sicheren Seite.

Buchtipp zum Thema:

Sicher Klettersteiggehen

Alpines Lehrbuch mit DVD-ROM

Alpinverlag; 12,90 €

www.alpinverlag.at

Falsch oder gar nicht angewendete Ausrüstung am Klettersteig - auf dem Bild wurde der zweite Karabiner in die Seilbremse gehängt, diese ist dann Funktionsuntüchtig.
Ein "Selfmade-Klettersteigset", welches bei einem Sturz wegen des fehlenden Bandfalldämpfers abreißt.
Die meisten blockieren (verharren an der Stelle) und lassen sich bergen....
Tote nach Altersklassen in Österreich
Tötliche Unfälle - Verteilung nach Geschlecht
Tötliche Unfälle - Verteilung nach Herkunft
Unfälle auf Klettersteigen


Kommentare

Neuer Kommentar
Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren.