Herbert in Hadaxl, 8b+, Foto: G. Wimmer
20 Juni 2007

Unterwegs mit Herbert Ranggetiner

Der sympathische österreichische Topkletterer über Zwangspausen, geniale Linien und seinen eigenen Schädl.

Dieser Bericht handelt nicht von irgendwelchen klettermäßigen Heldentaten oder überdurchschnittlichen Leistungen, die meiner Meinung nach von großer Bedeutung sind, sondern einfach von gewaltigen Linien, die da sind und wo man eine mords Gaudi hat wenn man da aufikraxelt, und um des geht’s eigentlich beim Klettern, oder?!

"Dieser Text wurde von mir bewusst auf deutsch geschrieben (mehr oder weniger) weil leider die meisten mit dem pinzgauer Dialekt Probleme haben (warum weiß ich auch nicht, Landsleute verzeiht mir, beim Klettern rede ich sicher wieder pinzgauerisch".

Der Trottlfinger

Das Jahr hat für mich so angefangen wie das letzte aufhörte, nämlich ohne klettern, a hieniger Finger, genauer gesagt ein zerstörtes Ringband. 3 Monate Pause, nicht einmal einen Klimmzug habe ich gemacht und gleich hat´s mir 5 Kilo auffidruckt (des hoast i hon zuagnumma). Und nachher noch einmal 3 Monate leicht klettern und der Trottlfinger wollte nicht besser werden. Dann die erste längere Tour mit dem Waidringer Gü, ein paar Längen im 7. Grad das ist irgendwie noch gegangen. Dann eine Länge im 8. Grad, toprope, 3 Versuche, ge leck mich doch am Oasch (das kann ich nicht übersetzen sonst wirkt es nicht mehr), i wollt’s echt guat sein lassn mit’n Klettern.

Das Wetter war 2 Monate gewaltig und so bin ich fast jeden Tag (sofern i wen dawischt hob zum mitgehn) in irgend einer langen Route unterwegs gewesen. Als es mir nach ein paar Wochen gelang ein paar Mehrseillängen Routen im Grad 8a onsight zu klettern hat es mir wieder angefangen zu taugen, es hat wieder angefangen zu laufen! Das Gefühl und die Sicherheit sind langsam zurückgekommen und mit dem Finger ist es auch bergauf gegangen. Wir hatten eine geniale Zeit und ich fing wieder an härtere Sportkletterrouten zu probieren.

Frogts mi nied wos des hoaßt

Unterwegs mit’n Roli und Viktor konnte ich dann relativ schnell Routen im 10. und oberen 10. Grad in Oberitalien klettern, sowie eine 8a+ onsight. Schließlich habe ich auch die Route "Il senso del possesso"(frogts mi nied wos des hoaßt) am Plöckenpass aus seinem Projektdasein erlöst. Eine harmlos ausschauende aber geniale Linie. Ich hätte das Ding so um 8b+ herum geschätzt (falls es wen interessiert. Fakt ist, einfach eine voll lässige Route (lei darfs hoit nied zu warm sein am Plöcknpass weil dann hast mit schwer klettan a Problem und du konnst zusammenpacken und Nudln essn gehen!)

Runterhupfn, echt a supa Flug

Danach sind wir ins Felbertal bei Mittersill-Salzburg grauscht, schon vor 12 Jahren haben der Gerli und ich dort einen Fingerriss eingebohrt. Ein Riss wie aus dem Bilderbuch, der in einer super Verschneidung endet. Wenn man ins Felbertal hineingeht bis zu den großen Boulderblöcken, dann links hinauf zu der genialen Granitwand. 45 min. sinnloser Zustieg über eine Bockleit´n (des hoast steiles unwegsames Gelände) ersten Grades und wir sind fix und foxi gewesen mit dem ganzen Krempl (Bohrmaschine, Seil, Speck, Schnaps usw…).. Ich wollte einen überhängenden Zapfen einbohren, der einfach voll super dasteht. Der Tag fing schon perfekt an, als der Viktor und ich den Rucksack auspacken, ich habe 2 linke Kletterpatschen mit, dafür die halben Haken und Friends im Auto vergessen und beim raufgehen auch noch die Hose zerissen!

Ich bin so ein Trottl, hon ich mir denkt, wenigstens ein paar Dosen Red Bull waren

mit dabei, ok, der Tag ist gerettet. Mit allen Trick`s die ich auf Lager hatte konnte ich die Route dann einbohren und mir wurde gleich klar, das wird keine Plattenkletterei. Am nächsten Tag habe ich das Ding dann geputzt und augecheckt, konnte aber einen Zug gerade noch nicht ziehen. 7 schwere Züge an kleinen Leisten in der Mitte der Route und der Stand wird wörtlich genommen, denn erst wenn man auf dem Zapfen drauf steht ist die Route aus.

Und als Belohnung darfst du dann runterhupfn, echt a supa Flug.

Hadaxl

2 Tage später bin ich mit Roli unterwegs, 3 Versuche später stehe ich auf dem Zapfen, die Route "Hadaxl" ist geknackt. Bewertungsvorschlag: So um 8b+ herum (sollen mal die Jungen mit ihrem Boulderschmalz anreissn, dann schaun ma weiter was rauskommt, 6b weads hoit nimma sein). Da Roli und ich gehen auf ein Bier, des Felbertal hat eine Gewaltlinie mehr. Ich komme nach Hause, mein 10 Monate alter Bua krabbelt mir entgegen, ich trink mit meiner Frau a Glasl Wein, unterm Strich gesehen ein perfekter Tag.

Kletterurgesteine

Mir taugts auch zu sehen, dass die jungen Kletterer immer fitter werden, Burschen wie ein Unterwurzacher, Lama oder Bendler verkörpern die "next Generation". Einstellung und Ansichten sind oft verschieden, aber Gott sei Dank hat jeder seinen eigenen Schädl, sonst tat´s eh fad werdn. Eines hat sich für mich in den 12 Kletterjahren nicht geändert, nämlich bewerten tue ich immer noch für die anderen und nicht für mich. Die Kletterurgesteine die in die gleiche Richtung dachten wie ich (Pöll Franz) werden immer weniger. Wir waren oft wochenlang unterwegs, redeten nie über Bewertungen, wichtiger waren Themen wie (die Schönheit einer Linie, wo gibt’s an guatn Wein, was sind die nichtgiftigen Kräuter rund um den Bus zum Suppe kochen, Frauentechnische Themen usw). Und trotzdem taugt mir der Sport noch brutal!

Danke noch an Esl Erg für seine Infos über die Waidringer Steinplatte und den ganzen Jungs die mit mir ausruckn.

Ein letzter Nachsatz zum von bergsteigen.at gewählten Untertitel: Ich halte mich auch für keinen Topkletterer, sondern für einen der versucht, Probleme und Aufgaben zu lösen, wie im Leben eben auch! Das Wichtigste ist für mich die Familie und der Glaube an das, was ich tue!

ps: Ich möchte auch noch den Jentzsch Brüdern zu ihrer ehrlichen Seite gratulieren, ich kenne die Burschen persönlich und muss sagen sie stehen zwar ständig unter Strom, aber sonst sind’s ganz ok.

Text: H. Ranggetiner, Fotos: G. Wimmer

Webtipps:

Herbert Ranggetiner klettert eine 8b free solo

Solo - das "Warum" und "Wieso" - Herberts Gedanken zum seilfreien Klettern.

Gleich 2x 8c - Herbert setzt wieder zwei neue Toprouten in die österreichische Klettergeschichte

Per sempre 8c+ & De Hoabuachane 8b - Wieder zwei superschwere und lange Neutouren von Herbert Ranggetiner

Herberts "Letzter Streich" (200m, 8b+) am Urlkopf - Nach einem Jahr Arbeit hat der Urlkopf seine neue Toptour

Sponsoren von Herbert Ranggetiner

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Herbert in Hadaxl, 8b+, Foto: G. Wimmer
Herbert in Hadaxl, 8b+, Foto: G. Wimmer
Herbert in Hadaxl, Foto: G. Wimmer
Herbert in Hadaxl, Foto: G. Wimmer
A gmiatlichs Platzerl, Foto: G. Wimmer
Abstieg, Foto: G. Wimmer
Roli im Fingerriss, 6b Foto: G. Wimmer
Herbert Ranggetiner, Foto: G. Wimmer


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