Ferrata and Fly - Grosser Priel
06 Juli 2019

Priel - Ferrata and Fly

Thomas Lamplmair, Jürgen Kirchner und Gerald Stranzinger klettern durch den längsten Klettersteig Österreichs und fliegen danach vom Gipfel des Großen Priels

Der Große Priel dessen Name so viel bedeutet wie Wasserstelle/Quelle rangiert unter den 25 prominentesten Gipfeln der Alpen.  

Die nahe Höss, zählt zu meinen Lieblingsfluggebieten. Die gute Infrastruktur macht hier das Fliegerleben leichter. Mit Seilbahn zu den Startplätzen, gute Thermiken, große Landeplätze und die Flugschule Hinterstoder vor Ort. Aber unser Tourenziel liegt auf der gegenüberliegenden Talseite, und unser Wunsch ist es ein reines Hike and Fly zu machen. Alles „by fair means“ und „per pedes“. Noch dazu über den Bert Rinesch Klettersteig, welcher der längste in Österreich ist, sollte uns der Weg auf den Gipfel führen. Eine lange und anspruchsvolle Tour. Gute 1900 Höhenmeter sind dabei zu überwinden. Aus diesem Grund hatten wir dieses Vorhaben auch als 2 Tages-Biwak-Tour geplant.

Es ist gar nicht so leicht, einen Termin zu finden an dem alle Zeit haben. Mittlerweile hat jeder Familie, steht voll im Berufsleben und hat seine Verpflichtungen. Die Tour hatten wir für 5/6 Juni anberaumt. Doch wie es so sein will, prognostizierte der Wetterbericht für 6. Juni Überentwicklung und starke Gewitterneigung. An eine sichere Begehung des Klettersteiges ist bei Gewitter nicht zu denken, das Sicherungsseil fungiert bei Blitzschlag wie ein überdimensionaler Blitzableiter. Geschweige denn, ist bei einem Unwetter auch an einen Gleitschirmflug nicht zu denken.

Wir beratschlagten uns kurz und wogen ab. was sollen wir machen? das gute Wetter am 5. Juni noch ausnutzen und unser Vorhaben an einem Tag „durchziehen“ oder verschieben wir unsere „Tour der alten Freunde“?

Verschoben haben wir die Tour ja schon einmal. Aufgrund der Schneemassen die es diesen Winter gab, war an ein eine Begehung des Klettersteiges Anfang Mai nicht zu denken.

Wir entschieden uns die Tour nicht noch einmal zu verschieben. Wir beschlossen, alles an einem Tag durchzuziehen….

Unser Tag

Also, früh aufstehen, um sich bald auf den Weg zu machen und sich auf einen langen, sehr langen und anstrengenden Tag einstellen…

Zuerst führt der Weg der Steyr entlang, flach, eher ein Spazierweg als Bergsteig, aber dennoch malerisch schön. Vorbei am pittoreskem Schieder Weiher, der mittlerweile durch diverse Beiträge im TV eine kleine Berühmtheit erlangt hat. Sein Wasser ist Glas klar und die Forellen tummeln sich darin. Wir lassen diesen links liegen und wandern weiter durch die sogenannte „Polsterlucke“. Danach beginnt der eigentliche „Aufstieg“.

Nach ca. 2,5 Stunden kommen wir zum gutbesuchten Prielschutzhaus. Dort kehren wir kurz ein, essen und trinken eine Kleinigkeit um uns dann wieder auf den Weg zu machen. Nur nicht zu lange aufhalten, wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Beim Hüttenwirt erfragen wir noch aktuelle Infos über die Verhältnisse im Steig. Der hat leider keine erfreulichen für uns. 2 Tage zuvor hat eine Gruppe aus Tschechien wegen dem Schnee der im oberen Teil noch im Steig liegt umgedreht!!! Wir wägen ab. Versuchen wollen wir es, umdrehen können wir ja auch zur Not. Kurz nach der Hütte zweigt sich der Zustieg zum Klettersteig vom „Normalweg“ ab“. Diesen folgend treffen wir kurz vor dem eigentlichen Einstieg des Klettersteiges auf ein ausgedehntes Schneefeld. Dieses müssen wir queren. Mit der ganzen Kletter- und Flugausrüstung am Rücken ein heikles Unterfangen. Doch alles klappt wie geplant und wir stehen ca. 45min nach der Hütte am Einstieg des neuen Bert Rinesch Klettersteiges.

Priel Klettersteig

Der Klettersteig wurde im Herbst nach „unten verlängert“ und avancierte damit zum längsten Klettersteig Österreichs. Er führt an einem 2100m langem Stahlseil über 900 Höhenmeter auf den Gipfel des Großen Priel. Der Steig gilt über weite Strecken als schwer bis sehr schwer (D) und hat teils überhängende Kletterpassagen und Leitern. Im unteren Teil befinden sich auch eine ausgesetzte Seilbrücke mit ca. 30m Länge. Die senkrechten und teils überhängenden Passagen sind schneefrei und gut zu klettern. Hier zerrt dafür der doch etwas schwerere Rucksack ordentlich nach unten, aber na ja wir haben es uns ja selbst ausgesucht. Im mittleren Teil des Klettersteiges eröffnen sich uns teils atemberaubende Tiefblicke. Eine wirklich beeindruckende Szenerie.

Das Sicherungsseil liegt in den weiter oben gelegenen Rinnen noch unterm Schnee, auch der Grat zum Gipfel ist teils noch schneebedeckt. Das lässt ein bisschen Westalpenfeeling aufkommen. Die Begehung gestaltet sich dadurch aber ein bisschen Anspruchsvoller. Vorsicht ist geboten. Der Gipfelgrat neigt sich zum Ende hin zusehends und endet direkt am Gipfel des Großen Priels auf 2515m.

Dort angekommen, machen wir neben dem sehr imposanten Gipfelkreuz eine kurze Rast. Bergdolen gesellen sich so gleich zu uns als wir unsere Jause auspacken, in der Hoffnung etwas davon zu ergattern.

Wir stehen hier auf der höchsten Erhebung des Toten Gebirges und uns eröffnet sich ein grandioser Aus- und Weitblick. Vom Hochplateau des Toten Gebirges, mit westlich dahinter gelegenem Dachstein, im Nordosten das Sensengebirge, weiter über Hallermauern/Gesäuse und dem Warscheneckstock im Süden. Nicht zu vergessen auch den Grimming, mit dem nahe gelegenem und unter Fliegern wohlbekannte Stoderzinken. Von diesem werden immer wieder Rekordflüge mit dem Gleitschirm gemacht. An guten Tagen werden dort 250km und mehr geflogen.

Schieder Weiher und Großer Priel kurz nach dem Aufbruch in Hinterstoder
Klinser Wasserfall - durch das viele Schmelzwasser hat er eine beachtliche Größe
Kurz nach dem Stop im Prielschutzhaus
Am Einstieg des Priel Klettersteiges
Im unteren Teil des Priel Klettersteiges
Die Seilbrücke
Kurz vor dem Gipfel
Vorbereitungen für den Start am Gipfel
Take off
Abstieg
:-)
Ferrata and Fly - Grosser Priel

Startplatz

Am Gipfel des Großen Priels, finden wir leider keinen geeigneten Startplatz und so gehen wir den Normalweg in Richtung Brotfall. Dieser hat einen weitläufigen Rücken und wir hoffen dort ein geeignetes Platzerl zu finden um unsere Gleitschirme auszulegen und starten zu können. Ein Schneefeld zuerst relativ flach und zunehmend steiler werdend scheint uns dann gut geeignet. Nur zwei Komponenten trüben diesen Startplatz. Leichter Rückenwind welcher das Starten erschwert und weicher, sulziger Schnee.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass man im Alpinen Gelände nur selten auf „den perfekten“ Startplatz trifft und so müssen wir mit diesem unser Auskommen finden.

Die Prognosen für den heutigen Tag waren ja sehr vielversprechend und die Thermikwolkenbildung sah unter Tags sehr gut aus. Leider sind wir erst spät an unserem Startplatz angekommen und jegliche Hoffnung auf Thermik ist geschwunden. Um 18:30 steht die Sonne schon tief und wirft schon lange Schatten ins Tal….

Wir packen unsere Klettersteigausrüstung zusammen und breiten stattdessen unsere Schirme aus. Vorfreude auf den letzten Teil unserer Unternehmung stellt sich bei uns ein. Es schießen uns aber auch Gedanken durch den Kopf wie: Ist der Schirm bei dem Rückenwind startbar, komme ich damit in die Luft. Kann ich durch den weichen, tiefen Schnee schnell genug laufen um mich in die Lüfte zu schwingen...

Geri und Jürgen starten einer nach dem anderen vor mir. Beide müssen weit laufen, kommen aber gut raus… Ich ziehe meinen Gleitschirm auf, der gut über mir hoch kommt und beginne zu laufen… es ist mühsam im tiefen Schnee. Der Schirm ist über mir, aber ich bekomme keinen richtigen Druck in die Schirmkappe. Vor mir wird es etwas steiler und ich rechne damit, dass mir das zu Gute kommt. Leider verrechnet!!! Der Schnee wird plötzlich tiefer. Ich versinke bis zu den Knieen und stolpere, mache eine Rolle vorwärts… Fehlstart!!!

Ganz außer Atem, im Schnee liegend kommt mir der eine oder andere Fluch über die Lippen.

Luftholen erstmal. Ein Stück Hang ist ja noch vor mit, bevor dieser in eine senkrechte Felswand abbricht. Ich lege meinen Schirm erneu aus. Warte auf eine Phase mit weniger Rückenwind ab und Versuche erneut zu starten. Laufen, laufen, laufen…. und die Beine heben, nicht wieder im Schnee hängen bleiben und stolpern. Ich ziehe die Steuerleinen meines Gleitschirms leicht an um Auftrieb zu generieren, spüre wie der Schirm zu tragen beginnt und YESSSS!!! Air Borne - geschafft. Der Schirm nimmt Fahrt auf und ich gleite über die Felskante hinaus.

Die Luft ist ruhig und es wird ein abendlicher Genussabgleiter ins Stodertal. Die Krönung nach diesem anstrengenden und langen Tag.

Der offizielle Landeplatz des hiesigen Fluggebietes Hinterstoder/Höss ist leicht zu erreichen. Auch mit meinem kleinen Bergschirm. Ich genieße den Ausblick. Von hier oben aus kann man unseren ganzen Aufstiegsweg überblicken. Meine Airbuddy´s warten schon am Landeplatz auf mich. Nach meiner Landung kommen sie zu mir her und wir beglückwünschen uns zu diesem wunderschönen und beeindruckenden Hike and Fly. Geri und Jürgen die ihr Equipment schon zusammengepackt haben, helfen mir meines zu verstauen.

Dann kehren wir in das nahegelenge Gasthaus ein um den Tag nochmal Revue passieren zu lassen. Auch sammeln wir schon mal Ideen wo es uns das nächste Jahr hinziehen könnte…

und vielleicht wird es dann doch ein Biwak-Hike and Fly….

Toureninfo + Topo: Priel Klettersteig


Text und Bilder: Thomas Lamplmair

Thomas wurde bei diesem Projekt von AirDesign, TVB Pyhrn/Priel, Flugschule Hinterstoder und Foto Grünwald unterstützt.

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