In meiner bisher 40-jährigen Bergsteigeraktivität nannte ich viele Ausrüstungsgegenstände mein Eigen – aber nur eine Handvoll Gegenstände nutzte ich mehr als 30 Jahre regelmäßig. Zu oft war ich unterwegs bzw. zu wenig passte ich darauf auf: Bergsportausrüstung muss einfach funktionieren.
Zwei dieser Handvoll Gegenstände waren von Berghaus: ein Rucksack und eine Überhose, die ich beide Anfang der 90er Jahre kaufte. Der Rucksack ist immer noch in Betrieb, auch wenn er vielleicht nicht mehr ganz up to date ist – er ist einfach nicht kaputtzubekommen und mir in all den Jahren ans Herz gewachsen. Die Überhose habe ich nach sicher 15 Saisonen Eisklettern vor 2 Jahren entsorgt.
Berghaus war vor 30 Jahren eine DER angesagtesten Bergsportmarken weltweit. Ein recht kleines Unternehmen aus Großbritannien (yes, auch wenn der Name was anderes suggeriert), das ursprünglich Ausrüstung für britische Bergsteiger gemacht hat. Und wer wusste, wie knüppelhart die Briten oft in den Bergen unterwegs sind, der wusste auch, für welchen Einsatz die Berghaus-Produkte gemacht waren. Das Berghaus-Logo trug man einfach gern.
Dann wurde es für einige Jahre ziemlich ruhig um die Marke. Bis sie sich vor Kurzem wieder im deutschsprachigen Markt zurückgemeldet hat. So freute ich mich ungemein, einen großen Teil der neuen Extrem-Serie von Berghaus testen zu dürfen. Streng genommen verwendeten wir sie für die Erstbesteigung eines Sechstausenders in Nepal, haben sie aber seit mittlerweile einem Jahr sehr regelmäßig im Einsatz.
Hat Berghaus seine alte Philosophie, mit der sie sich einen Namen gemacht haben, beibehalten?
Definitiv ja.
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Technische Funktionalität vor Lifestyle
Die Berghaus-Extrem-Serie wurde nicht für die Fußgängerzone entwickelt, sondern für den Einsatz dort, wo Ausrüstung funktionieren muss. Das war bei unserer getesteten Ausrüstung genau gleich wie vor 30 Jahren.
Beispiel gefällig? So ist z.B. die Überhose Extrem Vanguard GTX grundsätzlich so geschnitten, dass man sie durchaus auch als Skitourenhose verwenden kann (obwohl ihr Kerngebiet sicher Hochtouren sind) – der Beinabschluss kann aber so verengt werden, dass man super mit Steigeisen gehen kann. So ergibt sich mit Schuhen wie dem Mammut Nordwand 6000 eine komplett formschließende Kombination, in die kein Schnee eindringen kann.
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Robustheit, Langlebigkeit und Zuverlässigkeit
Nach einem Jahr intensiver Benutzung hängt bei keinem Kleidungsstück auch nur ein Faden weg. Auch beim Rucksack MTN Guide 45+ sind keine groben Abnutzungsspuren erkennbar. Etwas das zwar selbstverständlich sein sollte, aber durchaus auch bei guten anderen Firmen immer wieder passiert. Etwa riss bei einem Rucksack einer anderen sehr etablierten Firma gleich beim dritten Mal die Pickelhalterung raus – etwas, was beim Berghaus-Rucksack nach einem Jahr undenkbar erscheint.
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Alpinismus und Bergsteigen
Wie schon oben beschrieben: Das Zeug muss auf den Bergen halten und es hält! Auch wenn Berghaus in der Regel nie das letzte Gramm zu Lasten der Robustheit einsparen würde – zumindest war das unser Eindruck. Mit dem Rucksack MTN Guide 45+ z. B. kann man wirklich viel über Felsen schrubben oder im Schneegestöber herumspazieren: Da fehlt nix. Gewicht wird eingespart, indem vielleicht komfortable, aber fürs Bergsteigen nicht wirklich notwendige Features (wie 2 Fächer bei einem 45-Liter-Rucksack) zugunsten eines robusten Materials weggelassen werden. Wobei dennoch manche Bekleidungsstücke wie z. B. die Jacke MTN Guide Hyper LT mit 108 g (Größe L) wirklich extrem leicht ist, ohne dass die Jacke viel von ihrer Vollwertigkeit verliert, so dass wir sie alle mittlerweile bei jeder Alpinklettertour dabeihaben.
Welche guten Stücke haben wir getestet?
Berghaus Extrem Vanguard GTX Jacket & Pant
Ausgezeichnete 3-lagige Hardshell-Kombi, die aus unserer Sicht ein guter Kompromiss zwischen Robustheit und Gewicht für Hochtouren und Expeditionen ist. Wie oben beschrieben gefällt uns bei der Hose die Möglichkeit, den Beinabschluss eng zu machen, sehr. Die Jacke ist nicht ganz so eng geschnitten wie manch andere Jacken, wodurch man ganz gut andere Layer unterhalb tragen kann (speziell unter der Achsel keine Einengungen, was ich gar nicht hätte leiden können).
MTN Guide Alpine Hose
Erstaunliche Hose. Wirkt zuerst so, als ob sie viel zu leicht ist für Unternehmungen in den Hochalpen. Funktioniert aber selbst auf unserer Expedition in Kombination mit einer langen Unterhose super. Und man kann sie trotzdem auch gut bei wärmeren Temperaturen anziehen. Eine gute sehr schnell trocknende und windabweisende Hose, die angenehm zu tragen ist.
MTN Arete Ultra Down Hoody
Die wärmste Daunenjacke von Berghaus. Hat auf unserer Expedition bei Temperaturen bis –20 °C absolut ausgereicht. Hier muss man ein bisschen beim Kontakt mit Eisschrauben & Co aufpassen, aber sonst wäre die Jacke auch doppelt so schwer.
MTN Arete LB Synthetic Hoody
Einfache, aber dadurch sehr leichte Wendejacke mit Hydroloft-Isolierung. Vielleicht nicht unbedingt als Schrubberjacke in Felskaminen gedacht, aber als Überziehjacke bei Pausen oder am Gipfel aufgrund des Gewichts perfekt. Eine atmungsaktivere und eine winddichte Außenseite sorgen für maximale Flexibilität.
MTN Guide 45+ Rucksack
Kann man wahrscheinlich schon oben herauslesen: mein absolutes Lieblingsteil. Ohne Schnickschnack, aber super funktional. Z. B. kann die Deckeltasche rausgesetzt werden bei gleichzeitigem Zurrband für Seile zwischen Deckeltasche und Rucksack. So kann er voll aufgepackt werden, ohne dass er zu groß wird. Durch den Schnitt (z.B. Kopffreiheit) sogar zum Klettern geeignet. Dazu wirklich extrem robust bei nicht allzu hohem Gewicht. Ich habe viele Rucksäcke daheim rumliegen, aber verwende eigentlich nur mehr diesen Rucksack.
Trail-Explorer-Hose
Eigentlich mag ich keine ZIP-Hosen, sondern bin in den Kalkalpen nur mit Kletterjeans geklettert. Hat sich durch diese Hose geändert: Bei warmen Temperaturen super, auch zum Klettern, und man spart sich die kurze Hose. Und: Sie rutscht nicht am Bund, was mir sonst oft passiert und mich in Kombination mit einem schweren Rucksack wahnsinnig macht.
MTN Guide Hyper LT Jacke
Schon oben erwähnt: Die Kombination von Leichtigkeit und Wetterfestigkeit lässt diese Jacke bei jeder Klettertour dabei sein. Dabei ist sie an sich ein vollwertige Hardshelljacke, die theoretisch auch bei Hochtouren verwendet werden könnte. Schade, dass diese Jacke nicht mehr produziert wird, aber man findet sie noch im Handel. Wenn dann also schnell sein!
MTN Guide MW Hoody
Sehr leichter und körperbetont geschnittener Polartec-Hoody, der sich sehr angenehm tragen lässt und aufgrund des Schnitts perfekt dafür geeignet ist, weitere Layer zu tragen, ohne wie ein Michelin-Männchen auszuschauen.
Xodus Holdall 100
Große leichte Reisetasche. Wirkt auf den ersten Blick nicht allzu strapazierfähig, hat aber unsere Expedition inkl. tageslangem Transport auf Mulis sehr gut überstanden. Und ehrlich gesagt bringt eine schwerere Tasche den großen Nachteil mit sich, dass sie als Fluggepäck einfach zu viel Gewicht beansprucht, das man lieber in Ausrüstung steckt.
Baselayer aus Argentum bzw. Second-Layer aus Fleece
Alles wie oben mehrfach erwähnt funktional und qualitativ ohne Mangel!
Damit habt ihr im Übrigen genau die Bekleidungsliste, die wir auf unserer einmonatigen Expedition zur Erstbesteigung des Mount Koiki (6.159 m) mitgehabt haben. Wenn ihr das noch mit einer Primaloft-/Daunenhose, langen Unterhosen, Transtex-Unterleiberl, Handschuhe, Haube und Socken ergänzt, dann seid ihr für diese Höhenregion schon mal gut ausgerüstet.
Fazit:
Das war jetzt eine ziemliche Lobhudelei. Aber warum soll ich etwas Negatives schreiben, wenn es nichts gibt? Und: Wie gerne man gewisse Ausrüstungsgegenstände mag, merkt wahrscheinlich jeder daran, welche Ausrüstung man speziell für die schweren Touren am öftesten aus dem Schrank zieht. Bei mir war es in den letzten Monaten immer ganz automatisch, dass ich in meinem vollen Schrank meist zu den Berghaus-Stücken gegriffen habe, wenn es in die Berge ging. Auf weitere 30 Jahre!
Mehr Infos über die Berghaus Extrem-Kollektion
Testbericht von Stefan Lieb-Lind, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer und Extremkletterer

Test Extrem-Kollektion von Berghaus


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