11 Januar 2005

Eiskurbel - die neuen Schrauben 2005

Die neuen Modelle hier im Überblick, auch einige wichtige Eistools werden hier mit vorgestellt....

Es wird gekurbelt – die neuen Eisschrauben mit Kurbel

Gerade beim Eisklettern ist es wichtig, schnell eine gute Sicherung anzubringen um die Psyche zu schonen und wieder zu neuen Kräften zu kommen. Gerade auf diesem Sektor hat sich in letzter Zeit sehr viel getan, neue Schrauben mit Kurbel wurden entwickelt. Hier möchten wir die besten Stücke kurz vorstellen und auf ihre Besonderheiten hinweisen.

Einklappbare Kurbel contra abstehende Kurbel

Ins preisgünstigen Einsteigersegment kam etwas Bewegung, es wurden dieses Jahr einige kostengünstige Modelle mit fixer Kurbel (also nicht zum Einklappen) auf den Markt gebracht. Der Vorteil liegt im niedrigen Preis und in der guten Handhabung, der Nachteil ist die etwas störende Kurbel am Gurt (hier kann aber mit einem Schraubenköcher – siehe weiter unten – Abhilfe geschafft werden).

Hier ist vor allem das Österreichische Produkt SIKO-FX von AustriAlpin zu erwähnen, aber auch die brandneue HELIX von Grivel schlägt in die selbe Kerbe und ist fast baugleich. Die Schrauben haben einen guten Biss und lassen sich perfekt ins Eis versenken. Auch die Sprengwirkung ist bei den neuen Modellen (siehe Bild von AustriAlpin) sehr gering. Wir haben die SIKO-FX selber ausprobiert und waren begeistert, mit der starren Kurbel lässt sich das Ding perfekt reindrehen.

In eine andere Richtung zieht die neue LASER SONIC von Petzl/Charlet ab, die Schraube hat eine drehbare „Bohrhakenlasche“, in der die Expressschlinge eingehängt wird. Der Vorteil liegt darin, dass hier die Schraube vom Nachsteiger mit eingehängter Expressschlinge herausgedreht werden kann, auch kann die Express im Seil eingehängt bleiben. Wer schon mal mitangesehen hat, wie eine seiner Eisschrauben den Weg in die Tiefe fand und am Einstieg vom Tiefschnee für immer verschluckt wurde, wird diese Innovation bei der LASER SONIC zu schätzen wissen. Gerade für den Kursbetrieb und für noch unerfahrene Nachsteiger ist die Schraube ein Top-Tipp.

Kurbel zum Einklappen

Hier gibt es den Ultraklassiker von Black Diamond, die TURBO EXPRESS ICESCREW. Der Schaft wurde noch etwas verbessert (geht noch schneller rein) und die Kurbeln wurden jetzt eingefärbt, so dass jede Farbe für eine bestimmte Länge steht. Bei diesem Modell ist die Lösung Kurbel & Lasche sehr gut durchdacht und nimmt wirklich wenig Platz ein, da die Kurbel nach dem Einklappen fast komplett in die Lasche integriert wird.

Auch Grivel hat bei seinem Klassiker, der 360° SCHRAUBE, die Kurbel eingefärbt (jede Länge eine andere Farbe). Hier ist die Kurbel perfekt, sie lässt sich einklappen und die Schraube liegt beim Setzen sehr gut in der Hand, da hier fast kein Umgreifen nötig ist. Ist die Schraube mal im Eis, klappt man die sehr lange Kurbel heraus (längste Kurbel am Markt = sehr guter Hebel) und versenkt das Tool. Auch ist bei der 360° SCHRAUBE kein wegklopfen von störendem Eis nötig – bei den letzten Umdrehungen kann man die Kurbel etwas anheben und kommt so mit der Öse bis ganz auf die Oberfläche. Grivel hat aber auch die AMERICANA neu in dieser Saison – ein eigenes Patent mit einer Art Pfropfen, der das Eindrehen erleichtert, hat die Schraube „zugebissen“ klappt man die Pfropfen heraus und kurbelt sie weiter hinein.

Shock-Absorber

Ist die Schraube mal gesetzt, kann man den Sicherungspunkt noch zusätzlich mit einem Schock-Absorber verstärken. Diese „Falldämpfer-Expressschlingen sind derzeit von Petzl und Cassin erhältlich.

Der Petzl NITRO ist die bei uns die am meisten verbreitete Schlinge. Es gibt die NITROS in 3 Größen, der „kleine fette“ NITRO 3 kann den Fangstoß um bis zu 50% verringern.

Der Cassin SHOCK ABSORBER muss aber nach einem Sturz nicht ausgeschieden werden, da es bei ihm keine aufplatzenden Nähte gibt.

Schraubenköcher und Schraubenkarabiner

Wer kennt es nicht, das lästige Suchen nach der richtigen Schraube am Gurt. Nicht selten kommt es vor, dass man – in unguter Position – auch schon mal ganz schön ins Schwitzen kommt bis man sich zur passenden Schraube vorgearbeitet hat. Wenn das Ding dann beim Abklippen auch noch runter fällt, steigt der Adrenalinspiegel deutlich an, die fehlenden 60 Euro (Durchschnittspreis einer Schraube) werden einem dann erst später bewusst, wenn man die Schraube vergebens im Tiefschnee sucht.

Man kann aber Abhilfe schaffen in dem man die Schrauben auf einen extra dafür gebauten Schraubenkarabiner hängt. Hier gibt es leichte Modelle von Petzl/Charlet und Black Diamond und einen „Doppelkarabiner“ von Simond. Der Unterschied zwischen Petzl/Charlet CARITOL und Black Diamond ICE CLIPPER ist die Befestigung, der CARITOL kommt dabei ohne Gummi aus.

Wer es nobler und deutlich funktioneller haben will, kommt um ein komplettes Haltesystem nicht herum. Hier sind derzeit zwei Systeme auf dem Markt – der Grivel PANPIPE und das Petzl/Charlet ICEFLUTE System. Beides sind Tragesysteme für mehrere Eisschrauben, sie können über die Schulter oder um die Hüfte getragen werden. Ideal sind diese Systeme auch zum Verpacken der Eisschrauben im Rucksack.

Für alle Käufer der LASER SONIC Schraube von Petzl/Charlet gibt es eine ICEFLUTE dazu (im Preis inkludiert – aber besser noch mal genau beim Händler nachfragen), die ICEFLUTE kann einzeln am Gurt oder aber auch zusammengesteckt um die Schulter (hier müsste man sich einen Riemen besorgen bzw. selber basteln) getragen werden.

Kleine wichtige Tools und noble Accessoires

Was am Gurt nicht fehlen sollte ist ein „Eissanduhrfädler“. Es gibt hier das Modell MULTIHOCK von Petzl/Charlet oder die perfekte aber teuere CANDELA von Grivel. Beides sind unverzichtbare Gegenstände um eine 8mm Reepschnur durch eine Eissanduhr zu fädeln. Natürlich könnte man auch zu einer MTB-Speiche greifen, wer aber schon mal den Murks am Gurt mitgemacht hat, gibt gerne ein paar Euro mehr aus und kauft sich einen Fäldler mit geschützter Spitze.

Zum Verstauen der Eisausrüstung sollte man ein paar Sachen beachten. Die Eisgerätspitzen sollten geschützt werden – hier hilft ein Stück Gartenschlauch auf der Spitze. Die Schrauben immer mit Stoppel über die Spitzen einpacken – zu Hause die Stoppeln wieder abnehmen und die Schrauben trocknen, sonst rosten sie schnell.

Ober man packt die Schrauben gleich mit dem Schraubenhalter weg (siehe oben Modelle von Petzl/Charlet und Grivel) – auch die TOOL BOX von Black Diamond ist gut um Steigeisen und Schrauben im Rucksack zu verstauen.

Wie James Bond unter dem Eisfall

Für Leute die gerne perfekte Ordnung bei ihrer Ausrüstung haben gibt es die ICE BOX von Black Diamond. In dieser „Laptop-Tasche“ hat jedes Ausrüstungsstück seinen Platz und der Kletterpartner bekommt am Anfang den Mund nicht zu, wenn man die ICE BOX aus dem Rucksack packt.

Mann/Frau sollte aber dann evtl. nicht gleich bei der ersten WI 2 Stelle ins Schwitzen kommen, sonst geht der offene Mund des Kletterpartners schnell in ein schelmisches Grinsen über :-)

Kauftipp:

Die meisten der hier erwähnten Modelle bekommt ihr über www.bergshop.com oder im guten Bergsporthandel.

Webtipp - die Hersteller

AustriAlpin

Black Diamond

Cassin

Grivel

Petzl/Charlet

AustriAlpin SIKO-FX, fast keine Sprengwirkung.
HELIX - Grivel
LASER SONIC - Petzl/Charlet
Turbo Express Icescrew - Black Diamond
Turbo Express Icescrew von Black Diamond - die Länge ist farblich gekennzeichnet
360° EISSCHRAUBE - Grivel
AMERICANA - Grivel
Petzl NITRO - der Schock-Absorber
SHOCK ABSORBER - Cassin
CARITOL Petzl/Charlet
ICEFLUTE - Petzl/Charlet
Ordnung am Gurt und einen schnellen Zugriff zu den Schrauben - hier im Bild PANPIPE von Grivel
PANPIPE - Grivel
MULTIHOOK Petzl/Charlet
CANDELA - Grivel
TOOL BOX - Black Diamond
ICE BOX - Black Diamond
Andreas von bergsteigen.at beim Testen der neuen SIKO-FX Schraube von AustriAlpin
SIKO-FX - AustriAlpin (Österreich)


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