21 Oktober 2015

Expedition Kashmir 2015

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen gelingen drei Erstbesteigungen im Norden Indiens

Schweizer Team gelingen drei Erstbesteigungen im Norden Indiens

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur grossen Leidenschaft des Profibergsteigers Stephan Siegrist sowie seiner beiden Teamkollegen Thomas Senf und Dres Abegglen. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnte das Trio drei Gipfel erstbesteigen- eigentliche Traumberge.

Berge können unbestritten  schön sein, ästhetisch umwerfend - nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Weit schon mehrere Doppelgänger. Der Schweizer Profibergsteiger Stephan Siegrist, seine Teamkollegen Thomas Senf und Dres Abegglen haben im Norden Indiens eine weitere traumhafte Version des Matterhorns gefunden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen  Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der 5900 Meter hohe Berg ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen "Spear" (Speer). Aufgrund eines Fotos hatten die drei Bergsteiger entschieden, im September 2015 nochmals in die Region zu reisen, in der sie auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdeckt hatten.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für Stephan Siegrist macht aber genau dies den Reiz aus: «Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte.» Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten  die Bergsteiger aber ohne Probleme zu "ihrem" Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Das Trio erreichte den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Stephan Siegrist und Dres Abegglen auf dem Gipfel des Tupendeo 5700 M.ü.M.  photo: visualimpact.ch | Thomas Senf
Stephan Siegrist sucht mit dem Fernglas eine mögliche Route auf den noch unbestiegenen Bhala (Spear). Kashmir Himalaya, Indien. photo: visualimpact.ch | Thomas Senf
Stephan Siegrist klettert bei der Erstbesteigung des Bhala (Spear) eine der wenigen halbwegs kompakten Felspassagen. photo: visualimpact.ch | Thomas Senf
Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen auf dem Gipfel des Bhala (Spear) 5900 M.ü.M.  photo: visualimpact.ch | Thomas Senf
Stephan Siegrist klettert in fantastischem Fels am Te (Kristall), Kashmir, Himalaya, Indien.  photo: visualimpact.ch | Thomas Senf
Stephan Siegrist klettert in fantastischem Fels am Te (Kristall), Kashmir, Himalaya, Indien.  photo: visualimpact.ch | Thomas Senf
Wunderbare Sicht vom Basislager auf den Te (Kristall). Das Bild hat der Liason Officer auf Anweisung per Funk mit Thomas‘ vorher aufgestellten Kamera gemacht.   photo: visualimpact.ch | Thomas Senf
Stephan Siegrist, Dres Abegglen und Thomas Senf gelingt im indischen Kashmir Himalay die Erstbesteigung von drei formschönen Bergen: dem Bhala (Spear) 5900 m, dem Tupendeo 5700 m und dem Te 5900 m. photo: visualimpact.ch | Thomas Senf
Dres Abegglen im Basislager. Im Hitergrund der - inzwischen tief verschneite - Tupendeo. photo: visualimpact.ch | Thomas Senf
Stephan Siegrist im Basislager. photo: visualimpact.ch | Thomas Senf
Thomas Senf im Basislager. photo: visualimpact.ch | Thomas Senf

Beflügelt vom Erfolg entschieden die drei Bergsteiger, einen weiteren Berg zu besteigen, der ihnen ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter>> Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden die Bergsteiger am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor- Fels von so guter Qualität, dass die drei von den
<<schönsten Kletterverhältnissen» reden, die sie je auf vergleichbarer Höhe hatten. Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700 m.ü.M).

Nach einer Schlechtwetterphase, die das Trio während einer Woche im Basislager festhielt, machten sich die Bergsteiger daran, einen weiteren Berg zu erklimmen,  den sie erspäht hatten: den «Ten»(Kristall). Sie wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten SchneegipfeL «Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial.., schwärmt Stephan Siegrist Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrte das Bergsteigertrio am Wochenende in die Schweiz zurück.

Facts

Bhala (Spear) 5900m

- Erstbesteigung, Gipfelerfolg am 13. September 2015
- Route „Copa-Kaban“ vom Ost-Sattel über eine Rampe durch die Nordostwand, brüchig/instabil
- Mässig schwierige Kletterei

Tupendeo 5700m 
(auf einigen Karten als Tupendo1, auf anderen als Druid bezeichnet):

- Erstbesteigung, Gipfelerfolg am 19. September 2015
- Route „Deokhal“, Südost-Pfeiler, aussergewöhnlich gute Felsqualität
- 6a/b, 21 Seillängen, 800Hm

Te (Kristall) 5900m

- Erstbesteigung, Gipfelerfolg am 2.Oktober 2015
- Route „Via Chaprasi“
- Felslängen am Kristall: 5c/6a, 4 Seillängen, 200 Hm, aussergewöhnlich gute Felsqualität.
Ansonsten alpine Tour in kombiniertem Gelände bis 60° Steilheit

Team:

Stephan Siegrist | www.stephan-siegrist.ch
Thomas Senf | www.thomassenf.ch
Dres (Andreas) Abegglen | www.eigerguide.ch 



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