22 April 2007

In 49 Minuten auf die Carstensz Pyramide!

Skyrunner Christian Stangl hinterlässt seine Handschrift auf der höchsten Erhebung Ozeaniens. Keine volle Stunde benötigte er vom Basislager über die 780m hohe Nordwand und sichert sich somit die schnellste Begehung aller Zeiten.

Sechs Tage harter Anmarsch

Je mehr Leute mir rieten mit dem Hubschrauber ins Basislager zu fliegen, desto weniger war ich von dieser Idee begeistert. Der horrend hohe Preis für den Hubschraubertransfer war ein Grund zu Fuß zum Berg vorzudringen. Der andere Grund lag im Geheimnis des papuanischen Regenwaldes. Mit einer Linienmaschine erreichten wir (Kameramann Hubert Rieger, ein Deutscher und unser „Trekking Boss“ Werner) Papua.

Schon am zweiten Marschtag von der Ortschaft Beoga aus bereute ich schon fast meine Entscheidung. Regen, Schlamm, Wurzelwerk, keine Sicht außer das unendliche Grün der Vegetation und die spärlichen Fußspuren die den Weg darstellen sollten. Die Temperatur fiel bei Erreichen des Hochmoors auf ca. 3.800m Seehöhe auf etwa 10Grad. Mit der „ewig“ nassen Bekleidung total unangenehm.

Erwartungen

Am sechsten Tag hatte ich Teile der Nordwand zwischen den Wolkenfetzen kurz gesehen, hatte aber noch keine Ahnung wo die Tour eigentlich verlief.

Aus Büchern wusste ich dass die Schwierigkeiten auf der Route der Erstbegeher mit 5.8 (=UIAA 6- oder 5+ A0) bewertet wurden und das die Kletterer im Schnitt 7 Stunden für die Wand brauchten. Vereinzelt wurde in der Literatur auch von einer „Zwei Tages“ Tour berichtet, (Zahlreiche Biwakplätze im mittleren Wandteil haben dies bestätigt) aber die schnellste HIN und RETOUR Zeit lag bis dato laut Steve Bells Buch „Seven Summits“ bei fünf Stunden und dreißig Minuten.

Mein Ziel an der Carstensz Pyramide (4.884m) war klar: Eine neue Bestzeit! In weniger als zwei Stunden hinauf und HIN und RETOUR unter drei Stunden - so der Plan…

Doch es sollte alles noch besser kommen!

Onsight Speedbegehung am 8.April

Ich startete um Punkt Sieben morgens. Die ersten Seillängen waren kinderleicht.

Störend nur die vielen Fixseile, die hier in keinster Weise notwendig waren. Der Fels war traumhaft. Mein Klettern – hier im Schwierigkeitsgrad II bis III war nur durch mein Herz-Lungenvolumen begrenzt. Ich konnte hier auf zirka 4.500m Seehöhe voll „durchziehen“!

Im mittleren Wandteil begradigte ich die Originalroute und kletterte kurzeitig etwas direkter.

Hier etwa kurzzeitig IV, hatte die Kletterschuhe aber immer noch am Gurt hängen. Der Fels war hier so was von perfekt dass die Kletterei die reinste Freude war.

Ein kurzer Kamin leitete mich schon auf den Grat. Erstmal der Blick auf die Uhr:

29 MINUTEN! Ich konnte es kaum glauben! War die Carstensz Pyramide etwa gar unter einer Stunde möglich? Ich gab Gas und joggte den Grat entlang.

Die erste Scharte: Vier Seile waren als „Brücke“ über die Scharte gespannt. Ich zögerte nicht, hing mich mit einem Karabiner in die Seile ein und hangelte rüber.

Wann kamen die schwierigen Stellen? Wo diese 5.8 Stelle?

Fünfundvierzig Minuten waren um. Da waren einige Stellen um III aber nicht schwieriger. An den leichten Stellen joggte ich. Einen Turm rechts vorbei, den nächsten links vorbei. Instinktiv fand ich immer den richtigen Weg.

Ein weiterer Turm. Von Süden hetzte ich das Gehgelände hinauf. Einige Steigspuren, da und dort ein altes Seil. Am Turm angelangt…..der Gipfel! Kein Zweifel: Vor mir Fahnen, Wimpel und eine Bronzetafel. Der Blick auf die Uhr – 07:49h – Die Pyramide war unter einer Stunde möglich!

Elf Minuten am Gipfel

Wolken waren eingefallen und meine Kamera hatte Probleme bei den „Selbstauslöser“ Fotos.

Alles unscharf! Nach einigen Nieten gelang es mir dennoch einige halbwegs brauchbare Aufnahmen zu machen und um Punkt 8:00 begann ich den Abstieg. Um 8:31 war ich wieder am Wandfuß. Macht somit HIN und RETOUR 91 Minuten. Ich war mehr als zufrieden.

Hubert Rieger hatte die „Dreiviertelstunden“ Besteigung von einem gegenüberliegenden Bergrücken in der „Totalen“ mitgefilmt.

9.April –Filmarbeiten!

Tags darauf kletterte ich mit meinem Kameramann Hubert Rieger nochmals zum Gipfel.

Von „Oben“ nach „Unten“ begannen wir sukzessive einzelne Kletterpassagen nachzufilmen.

Der Film wird im Herbst 2007 bei der EOFT (European Outdoor Film Tour) zu sehen sein.

Der Fünfte der „SEVEN SUMMITS“ in Rekordzeit geschafft!

Die Carstensz Pyramide war der fünfte Gipfel für Christan Stangl

„SEVEN SUMMIT SPEED PROJECT“

Bislang bestieg/belief er:

Aconcagua 6.959m (Südamerika) Base - Summit: 4h 25min

Kilimanjaro 5.895m (Afrika) Base - Summit: 5h 36min

Everest 8.848m (Asien) Base - Summit: 16h 42min (No O2)

Carstensz Pyramide 4.884m* (Ozeanien) Base - Summit: 49min

Alle Gipfel ohne Depots und Fremdhilfe.

Ende Mai 2007 soll noch die alte Bestzeit vom Denali (=Mt.Mc.Kinley 6.193m) fallen. Die liegt momentan bei 14Stunden 22Minuten vom Kahiltna Basislager aus. Über 4.000 Höhenmeter sind dabei zurückzulegen…

* Carstensz Pyramide 4.884m Papua/Indonesien. In alten Karten noch als Puncak Jaya 5.030m zu finden.

Webtipp:

Interview mit Christian Stangl über Training, Motivation und Skyrunning.

www.skyrunning.at die Hompage von Christian Stangl

Sponsoren:

www.knauf.atwww.rafting.atwww.sport-vasold.atwww.mammut.chwww.style-web.atwww.adventuretrain.deAtomicsnow

Ureinwohner Dani
Zweifelhafte Brücke
Kletterei an Wurzelwerk
Träger- Sie wussten wo es weitergeht
30m hohe  Kalktürme
Wand mit Zeiten
Perfekter Fels
Seilbrücke an der ersten Scharte
Am Gipfelgrat
Nach 49 Minuten am höchsten Punkt
Am 9.April nochmal am Gipfel
Welcome to the Jungle


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