10 Dezember 2007

Skyrunner Stangl: Rekord am Mt. Vinson + Seven Summits

Skyrunner Christian Stangl schreibt Bergsport-Geschichte und besteigt die höchsten Berge der sieben Kontinente in Weltrekordzeit.

Finale am Mt. Vinson

Neun Stunden und zehn Minuten vom Basislager bis zum Gipfel: Extrembergsteiger Christian Stangl erstürmte den Mount Vinson – den höchsten Berg der Antarktis mit 4.892 Metern. Damit bezwang der Steirer auch den letzten Gipfel seiner „Seven Summits Speed-Tour“: die sieben höchsten Bergriesen der Kontinente in Rekordzeit. In Summe brauchte der Ausnahmeathlet 58 Stunden und 45 Minuten für alle sieben Berge: Vinson, Elbrus, Kilimandscharo, Aconcagua, Carstensz, McKinley und Everest. Absoluter Weltrekord. Ein Meilenstein im Bergsport.

Christian Stangl hat es geschafft: Nach neun Stunden und zehn Minuten Skyrunning steht er am höchsten Punkt der Antarktis, vergangenen Freitag, ca. 16.00 Uhr Ortszeit. Den alten Rekord hielten slowenische Bergsteiger mit 19 Stunden. Stangl atomisierte diese Zeit.

Stangl startete vom Basislager in ca. 2.200 Meter Höhe bei minus 15 Grad. Auf Skiern glitt der Steirer die ersten acht Kilometer bis zum Fuß des Vinsons. Dort angekommen schulterte er die Skier, zurrte die Steigeisen fest und ging im Laufschritt in die Vertikale.

Alles lief wie geplant

„Keine Probleme, es lief wie geplant. Nur im Bergschatten war’s extrem ungemütlich: die Eiszapfen wuchsen mir aus Nase und Mund,“ so Stangl. 200 Meter unter dem Gipfel musste er noch eine Felswand überwinden. Dann der Gipfel auf 4.892 Metern. Angenehme Temperatur von minus 15 Grad, windstill, strahlend blauer Himmel. Intensiver Genuss des Triumphs. Stolz, alle sieben Berge in Weltrekord erobert zu haben.

„Das Gefühl war unbeschreiblich – nur weiß um mich, Schnee bis zum Horizont, traumhaft. Der Ausblick war gigantisch,“ Stangl weiter. Dann der Abstieg. Zur geplanten Skiabfahrt von ganz oben kam es nicht: erst unter der Felswand stieg Stangl auf die zurückgelassenen Skier und sauste den Vinson hinunter. Nach weiteren zweieinhalb Stunden erreichte Stangl ein Lager auf dem Hochplateau, wo sich eine österreichische Berggruppe gerade einrichtete. Die Bergkollegen begrüßten ihn mit standing ovations. Das Wetter veschlechterte sich wieder zusehends: „Für einen Skyrun genügt es, ein kleines Wetterfenster zu haben; genau das habe ich erwischt am Vinson,“ Stangl abschließend.

Seven Summits

Die „Seven Summits“ – sieben höchsten Kontinentalberge – sind der Traum so manchen Bergsteigers. Stangl hat sie jetzt alle auf seiner Erfolgsliste: Vinson, Everest, Elbrus, Kilimandscharo, Aconcagua, Carstenz und McKinley. Und alle mit Weltrekorden: Mit Zeiten für Normal-Sterbliche kaum vorstellbar: 49 Minuten für die Carstensz-Pyramide in Indonesien oder 16 Stunden 42 Minuten für den Everest. Insgesamt 58 Stunden und zehn Minuten. Wohlgemerkt: absolute Zeit für alle sieben Berge. Zum Vergleich: die bisherigen Besteigungszeiten addiert, kommt man auf eine Gesamtzeit von über 500 Stunden.

Alleine am Berg, ohne Crew und Lagerkette

Christian Stangl ist das personifizierte Skyrunning. Ein Skyrunner geht alleine auf die Berge, ohne Crew und Lagerkette. Kein künstlicher Sauerstoff. Auf der schnellsten Route, nur gegen die Uhr. Ohne viel Equipment, mit leichter Bekleidung – Stangl schnitt sogar die Gummisohle unter den Steigeisen ab, um Gewicht zu sparen. Alle Bergriesen der Erde als Tagestour, erklärtes und bei den „Seven Summits“ erreichtes Ziel von Christian Stangl.

Doch Stangl ist nicht nur der schnellste Bergsteiger zur Zeit, auch der Vielseitigste: den Kilimandscharo joggte er in Turnschuhen nach oben – für 45 Kilometer und 4.445 Höhenmeter brauchte Stangl fünf Stunden, 36 Minuten – die Carstensz-Pyramide in Neuguinea kletterte er frei im fünften/sechsten Grad, dem McKinley in Alaska ging’s mit Steigeisen und Pickel aufs Dach, am Vinson gemischter Stil mit Skifahren, Klettern und Laufen. Der Steirer hat alles drauf: Bergsport in höchster Vollendung. Christian Stangl: Einer der herausragenden Spitzensportler unserer Zeit.

Christian Stangl wird noch drei Wochen in der Antarktis bleiben. Für die Zukunft plant Stangl zwei Achttausender direkt hintereinander und mehrere Sechstausender (fünf bis sechs, wie sich’s ausgeht) in den Anden an einem Tag zu besteigen.

Seven Summits - alle Berge, alle Zeiten (Basislager-Gipfel), alle Berichte:

Mt. Vinson 4.892m Antarktis 9h 10 min

Mt. Mc.Kinley/Denali 6.194m USA 16h 45min

Carstensz Pyramide 4.884m Indonesien 49min

Mt. Everest 8.848m China 16h 42min

Mt .Elbrus 5.643m Russland 5h 18min

Kilimandscharo 5.895m Tansania 5h 36min

Aconcagua 6.956m Argentinien 4h 25min

Summe: 58h 45min

Zur Person:

Christian Stangl, 41, aus Admont in der Obersteiermark. Profi-Bergsteiger und Skyrunner seit 2002. Lebensmotto: „Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche“.

Webtipps:

Interview mit Christian Stangl über Skyrunning und Training

www.skyrunning.at

Christian Stangl rennt auf seinen letzten Seven Summit
Christian Stangl im Mt. Vinson Basecamp
Blick vom Mt. Vinson über die Antarktis
Lange Traverse nach dem ersten Steilstück am Mt. Vinson
Christian Stang auf dem Gipfel des Everest (16 h BC-Gipfel)
Totale Erschöpfung. Christian nach dem Speedrun auf den Everest
Sponsoren von Christian Stangl
Sponsoren von Christian Stangl
Skyrunner Christian Stangl


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