Dabei geht es weniger um spektakuläre Extremleistungen als um die Realität hinter dem Beruf: Verantwortung, Erfahrung, Geduld und kontinuierliches Lernen.
Ein Bergführer zu werden erfordert eine besondere Persönlichkeit. Neben technischen Fähigkeiten in Fels, Eis, Schnee und Ski müssen Guides vor allem Leidenschaft für die Berge, soziale Kompetenz und ein starkes Sicherheitsbewusstsein besitzen. Erfahrung entsteht nicht durch einzelne große Touren, sondern durch tausende Stunden in unterschiedlichen alpinen Situationen. Der Lernprozess endet dabei nie – ständige Reflexion und Weiterentwicklung sind zentral.
Pims Weg in die Berge begann ungewöhnlich: Er wuchs fern der Hochalpen in Südfrankreich auf und entdeckte das Bergsteigen erst als Jugendlicher bei einem geführten Ausflug. Diese erste Erfahrung weckte eine tiefe Motivation. Über Sportklettern entwickelte er sich weiter zum Alpinismus und schließlich zum professionellen Bergführer. Mit 18 zog er nach Chamonix, wo er sich intensiv vorbereitete und mit 22 Jahren die anspruchsvolle Ausbildung abschloss. Für ihn lässt sich dieser Weg mit einem Wort beschreiben: Durchhaltevermögen.
Die Ausbildung verlangt Vielseitigkeit: Ein Guide muss gleichzeitig sicher im Felsklettern, Eisklettern, Skibergsteigen und im Umgang mit komplexem alpinem Gelände sein. Ebenso wichtig ist jedoch der menschliche Faktor. Ein guter Bergführer muss Menschen verstehen, Risiken einschätzen und Entscheidungen an die Fähigkeiten und mentale Belastbarkeit seiner Gäste anpassen.
Chamonix gilt als „Hauptstadt des Alpinismus“ und bietet enorme Möglichkeiten, aber auch besondere Gefahren. Die leichte Erreichbarkeit extremer Routen führt oft dazu, dass Bergsteiger das Gelände unterschätzen. Deshalb betont Pim Demut gegenüber den Bergen und eine sorgfältige Einschätzung jeder Situation. Mit Gästen gelten andere Risikogrenzen als bei eigenen Projekten – Sicherheit steht immer an erster Stelle.
Ein zentraler Bestandteil seiner Arbeitsweise ist Vorbereitung und Reflexion. Nach jeder Tour analysiert er Entscheidungen, Materialwahl und Abläufe. Er plant stets mehrere Optionen und akzeptiert Umkehr als normalen Teil des Bergsteigens – etwa die Hälfte seiner Tage endet ohne Gipfel oder Zielerreichung. Erfolg wird nicht durch Durchziehen definiert, sondern durch gute Entscheidungen.
Die größte Motivation im Guiding liegt für Pim darin, anderen Menschen ihre persönlichen Bergziele zu ermöglichen. Gemeinsame Erlebnisse und langfristige Entwicklung der Gäste geben seiner Arbeit Sinn. Gleichzeitig möchte er vermitteln, dass Fortschritt im Bergsport Zeit braucht: Fähigkeiten müssen Schritt für Schritt aufgebaut werden, ohne Abkürzungen.
Seine wichtigste Botschaft für Kletternde und Alpinisten lautet daher: Träume groß, aber entwickle dich geduldig. Man muss nicht in den Bergen aufgewachsen sein, um Teil dieser Welt zu werden – entscheidend sind Motivation, Lernbereitschaft und Respekt vor dem Risiko.

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