21 Februar 2008

AMAN CARA

Bernd Zangerl über Leidenschaftliche Vorlieben, Latexfreie Begehungen..... ölverschmierte Griffe...

Leidenschaftliches Verlangen ( Begierde ) kann einem ja auch zum Verhängnis werden. Wenn es sich bei der Leidenschaft um das Lösen extrem schwieriger Einzelstellen handelt, kann dies mitunter zu Verletzungen führen...im Sinne: Fragen sie ihren Arzt oder Apotheker.

Bernd Zangerl, leidenschaftlicher Boulderer und Globetrotter, hat in den letzten Jahren schon einige Verletzungen kassiert. Warum er sich aber immer wieder den schweren Moves widmet sei dahin gestellt......und hat nichts mit Latex oder sonstigen Vorlieben zu tun. „ Golden Gate (8b) , „Geckos“ ( 8a ) Tintenfischalarm ( 8b/+) ....( alle unwiederholt) waren kleine persönliche Highlights, wo sich die Crux auf einen schweren Einzelzug reduzieren lässt....und man mit Blutergüssen und Ringbandverletzungen rechnen darf.

Das Sprichwort: aus Fehlern wird man klug, gilt für den Tiroler jedenfalls nicht. Denn laut Beschreibung seiner neuesten Kreation handelt es sich dabei wieder um einen wahren Fingerbrecher. Kleine Incutleisten für das erste halbe Fingerglied sind entweder der Schlüssel zum Erfolg.....oder der Grund für einen Arztbesuch.

- Der Boulder startet gleich mit einem schwierigen „Längenzug“ in die erste kleine Leiste. Angesichts des einzigen Schmiertrittes im Überhang, kann dieser Zug oft zur Verzweiflung führen.

- Bekommt man die Leiste zu fassen muss man mit rechts über dem Kopf in einen Untergriff, wo sich drei Fingerspitzen hineinkrallen können.

- Total überstreckt müssen dann die Füsse im Dach platziert werden. Spannung aufbauen, zuschrauben.....( hoffen dass das Ringband hält) und mit links an einen Zwischgriff......und sofort weiterspringen an die Dachkante.

- Danach folgen noch vier leichte Moves zum Gipfel.

Getauft hat er diese Bewegungsabfolge ANAM CARA und zu finden ist das 30° steile Dach im Boulderge- biet Silvretta. Neben Fingerkraft braucht es bei diesem Problem auch etwas Thorsokraft, und einwenig Sadomasochismus schadet sicher auch nicht. Bereits im letzten Jahr konnte er die Einzelstellen lösen. Diesen Herbst arbeitete Bernd dann sehr gezielt an seinem Projekt. Anfangs nur einmal die Woche, um Verletzungen zu vermeiden. Nach zwei Monaten erreichte er dann am 14. Oktober 2007 seinen Gipfel.

ANAM CARA

„ANAM CARA...... ist etwas Besonderes für mich. Die Linie ist ein Traum. So logisch, so klar, so kompromisslos. Ich kann den Boulder auch nicht mit Memento vergleichen. Hier ist jeder Zug schwer und das übersetzen des Untergriffs war das brutalste was ich je gemacht habe.

Aber vielleicht leide ich ja schon an Alterserscheinun- gen.. oder hatte zuviel Respekt vor diesem Untergriff. Für mich ist ANAM CARA ein Highlight meiner bisherigen Kletterlaufbahn und ich finde es ist ein Traum, so etwas klettern zu können“, so Zangerl.

Das künstliche Knie

Im Dezember holte sich Bernd dann noch die erste latexfreie Begehung von „Kings of

Sonlerto, 8b+“ (Dave Graham überlistet den Boulder noch mit einem Gummiknieklemmer) Da sich Bernd keinen Latexüberzug für das Knie zulegen wollte, ( und hoffentlich werden Gummiüberzüge NIE als gängiges Boulderutensil anerkannt !!!!!!) musste er eine neue Lösung finden...die ewas schwieriger, dafür aber schöner zum klettern ist.

Da die Crux nur aus zwei schweren Moves besteht, glaubt er nicht, dass das Problem mit 8b+ zu bewerten ist. Aber vielleicht hatte Bernd ja einfach einen Wahsinnstag?

Bewahrt Sonlerto

„In Zukunft könnte „Kings of Sonlerto“ aber doch noch schwieriger werden. Angesichts der Situation ( seit Dosage 4 kommen viele Leute nach Sonlerto) wird der Bauer den Felsblock mit Öl einlassen. Der Block steht nämlich auf Privatgrund und einige Boulderer zeigen keinen Respekt dafür. Immer wieder wird die Weide-wiese kurzerhand als Tummelplatz genutzt und es wurden Steine in der Wiese platziert. ( wieso ???? ) Erst als ich mit dem Bauer geredet habe...und die Steine aus der Wiese entfernte, durfte ich dann doch noch den wunderschönen Boulder probieren.

Deshalb nutze ich diese Info als AUFRUF:

Bleibt im Frühjahr von Sonlerto fern !!! Der Bauer ist echt verärgert und es ist letztes Frühjahr fast zu Handgreiflichkeiten gekommen. Die Wiesen sind wie gesagt: Weidegrund !!!

Wer so wie ich, nicht die Finger davon lassen kann, kann es ja im nächsten Winter probieren....und den Bauern vorher um Erlaubnis fragen.“

Bernd Zangler in Aktion, Foto: Radek Capek
Bernd Zangler in Aktion, Foto: Radek Capek
Bernd Zangler in Aktion, Foto: Radek Capek
Bernd Zangler in Aktion, Foto: Radek Capek
Bernd Zangler in Aktion, Foto: Radek Capek
Bernd Zangler in Aktion, Foto: Radek Capek
Bernd Zangler in Aktion, Foto: Radek Capek
Bernd Zangler in Aktion, Foto: Radek Capek
Bernd Zangler in Aktion, Foto: Radek Capek


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