Der Wandteil mit den Wettkampfrouten.
04 Dezember 2018

Eis-Festival Osttirol 2019

Eis-Festivals gibt es viele, das Eis-Festival Osttirol ist aber erfrischend anders!

Jedes Jahr, wenn um Weihnachten die Temperaturen das erste mal unterhalb des Gefrierpunktes ankommen, denken die meisten kletternden Alpinisten an Eis. Eis- und Mixedklettern ist sicher die Königsdisziplin im Bergsport, gerade deshalb schrecken viele davor zurück. Im hintersten Winkel des Felbertales hat sich in den letzten Jahren ein perfekter Spot entwickelt, um Eisklettern zu versuchen bzw. zu lernen. An einer Felswand unweit des Matreier Tauernhauses wurde der perfekte Eiskletterpark geschaffen. 

Die Anlage steht jedem offen, einmal im Jahr treffen sich aber Eiskletterer und die, die es noch werden wollen, um gemeinsam an den hängenden Zapfen zu pickeln. Wir waren letztes Jahr beim Eis-Festival zu Gast und waren erstaunt in welcher entspannten Atmosphäre das Event über die Bühne ging. Egal ob an den eingerichteten Mixedtouren oder an den längeren Zapfen im rechten Teil der Eisarena, wir fanden trotz des großen Andranges (geschätzte 300 Personen waren am Samstag am Eis) immer einen freien Zapfen um uns auszutoben. 

Ganz nebenbei konnten wir die neuesten Produkte der diversen Hersteller recht unkompliziert testen und vergleichen und waren somit auch wieder up to date was das Material betrifft. Links von uns zeigte Robert Jasper (im Jänner 2019 kommt Ines Papert) den Interessierten, wie man sich in einer überhängenden Mixedroute am besten bewegt und rechts richtete Vitto Messini eine Route für den abendlichen Eiskletterwettkampf her. Vom Anfänger bis zum Eiscrack, im Grunde war immer für jeden irgendetwas zu tun und wenn man mal eine Pause brauchte, konnte man sich im nahen Zelt bei Punsch/Tee und Jause aufwärmen. 

Das Finale am Samstag bildet jedes Jahr der Eismasterwettkampf – bei dem es immer recht lustig zugeht. Obwohl wir uns nicht aufgedrängt haben, stand unser Name plötzlich auf der Startliste und wir konnte uns an der Speedroute versuchen. Mit den neuen Test-Eisgeräten, die wir noch in der Hand hatten, machte das richtig Spaß. Am Ende bleibt noch die Elite im Finale über und wir waren beeindruckt wie schnell die Burschen oben an der Zielglocke anschlugen. Nach der gemütlichen Wanderung in der perfekte Winterlandschaft zum Tauernhaus klang der Abend bei der üblichen Eisparty aus. 

Wenn jemand also ein gutes Wochenende in Verbindung mit Eisklettern erleben will, dem sei das Eis-Festival in Osttirol wirklich empfohlen! Man erreicht das Gelände recht unkompliziert durch den Felber-Tauerntunnel (für Festival-Teilnehmer sogar bei der Rückfahrt Mautfrei – von Kufstein fährt man z.B. 1,5 Std.). Dieses Jahr steht am Freitag Abend ein Vortrag von Ines Papert und Luka Lindic auf dem Programm, Ines Papert ist auch am Samstag beim Privat-Coaching für alle im Eispark. Am Sonntag finden wie immer die begehrten Workshops im Eispark statt. Was viele nicht wissen, man kann natürlich auch ohne Anmeldung am Eis-Festival teilnehmen und sich den Vortrag von Ines Papert am Freitag anschauen. Alle Infos dazu findet ihr auf der Festival-Homepage.

Infos: eisparkosttirol.wordpress.com

Fazit bergsteigen.com: Sehr gutes Event, welches man sich – wenn man am Eisklettern interessiert ist – auf jeden Fall einmal anschauen sollte (11. bis 13. Januar 2019). Uns hat es 2018 richtig Spaß gemacht!

Unsere Bilder vom letzten Jahr (gemacht hat die Bilder Erhard Mitsche) ....

Der Wandteil mit den Wettkampfrouten.
Die Teilnehmer beim Speedwettkampf...
Der rechte Wandteil der Eisarena.
Perfekte Winterlandschaft beim Anmarsch zur Arena
Klettern, klettern, klettern am Eis...
Die neuesten Geräte der verschiedenen Hersteller konnte man testen.
Auch zum Vorstiegsklettern blieb Zeit.
Vittorio Messini (grüner Helm), ist quasi der Mister Eisfestival in Osttirol
Beim Start in den Speedwettkampf...
Auch zum Fachsimpeln mit Robert Jasper blieb genügend Zeit....
Gute Stimmung in der Eisarena.
Das Eis-Festival Programm 2019
Ines Papert und Luka Lindič zeigen 2019 den brandneuen Vortrag "Alpinism - on the egde of Dreams"
Der Eispark in Osttirol
Es war 2018 ein wirklich tolles Wochenende!
Der beleuchtete Eispark beim Rückweg zum Tauernhaus.

Vittorio sprach mit SALEWA über das Eis-Festival in Matrei und seine Vorbilder 

Lieber Vittorio, im Jänner findet das Eiskletter-Festival in Matrei zum 4. Mal statt.

Freust Du Dich und wie kam es vor vier Jahren zu diesem Event?

Danke erstmal für das Interview (lacht). Vor vier Jahren haben wir auch die Idee Eispark Osttirol, Österreichs größter künstlicher Eisklettergarten, umsetzen können. Wir wollten eine feierliche Eröffnung cool gestalten und sind unweigerlich auf ein „Festival-System“ gestoßen. Abgesehen davon haben wir alle das Eis-Festival in Kadersteg in der Schweiz gut gekannt und waren begeistert - das größte Eiskletterfestival, das es je gegeben hat in Europa und wollten im Kleinen auch wieder sowas aufbauen. (Das Festival in der Schweiz wurde leider eingestellt.)

Wer wird dort sein? Auf dem Festival-Programm stehen Ines Papert und Luka Lindic. Beide halten Vorträge. Ist das Festival auch ein Szene-Treff?

Jedes Jahr versuchen wir als Veranstalter Eiskletterer aus der Szene zu uns zu holen und auch eben auch nicht immer die, die sonst Vorträge bei uns in der Gegend haben. Luka und insbesondere Ines sind fest verankerte Eiskletter-Persönlichkeiten, die Vieles für den Eiskletter- und Mixed-Klettersport getan haben. Eine logische Sache also, dass wir sie zum Festival einladen. Angefangen haben wir im ersten Jahr mit Beat Kammerlander und Steve House. Im letzten Jahr war Robert Jasper bei uns.

Mittlerweile besuchen uns auch immer mehr Bergführerkollegen aus allen Teilen Österreichs, Italiens und Deutschlands, die am Event und insbesondere am Eismaster teilnehmen möchten. Die großzügige Tombola ist wahrscheinlich auch etwas „schuld“ daran…(Vitto lacht).

Wie hat sich die Veranstaltung seit der Premiere entwickelt?

Die Veranstaltung zieht immer größere Kreise und nimmt in der Szene an Bedeutung zu. Die steigenden Besucherzahlen und das Interesse der Firmen an unserem Eiskletterfestival wächst.

Wir sind stolz auf die zehn Aussteller. Darunter die wichtigsten Hardware-Marken und einige große Eiskletter-Textilmarken, die aktuelles Testmaterial zur Verfügung stellen.

(Um einige zu nennen, die sich be idem Festival in Matrei engagieren: Petzl, Grivel, Austrialpin, Cassin, Camp, Black Diamond, Arcteryx, Salewa, Ortovox, Rab). 

Wie viele Teilnehmer und Besucher erwartet ihr vom 11.-13. Jänner?

Wir erwarten mindestens die Besucheranzahl von 2018. Das waren etwa 400 Gäste. Unser Ziel ist es, auch passive Zuschauer anzusprechen, denn man muss nicht Eisklettern, um am Eis-Festival teilzunehmen. Das neueste Material anschauen und ausprobieren, mit den Eiskletterprofis reden, einen Glühwein trinken, ein DJ legt auf und sorgt für die nötige Stimmung in der winterlichen Szenerie des hinteren Tauerntales. Ein Wintersportfan sollte sich das nicht entgehen lassen!

Kann jeder mitmachen, auch ohne Erfahrung speziell im Eisklettern? Oder ist das Festival eher etwas für ambitionierte Sportler und Profis?

Das Eiskletterfestival spricht im Grunde jeden an. Natürlich bieten wir Workshops an für komplette Anfänger. Gleiches Gilt für Alle, die ihre Technik verbessern oder erste Schritte im Vorstieg wagen möchten. Auch diejenigen, die nur an Standplatz- und Rettungstechniken interessiert sind, kommen auf ihre Kosten. Man kann natürlich auch „nur“ mit seinem Kletterpartner vorbeikommen und ein paar Längen im Eis-Park selber klettern. 

Wann hast Du mit dem Eisklettern begonnen?

Vor circa zehn Jahren habe ich mit meinem Vater und dann später mit einem guten Bergfreund von mir, der nicht mehr da ist, richtig angefangen eiszuklettern. 

Blanker Fels oder Eis, was ist Dir lieber?

Definitiv: Beides.

Die Mischung macht es aus. So wird es nie langweilig! Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass ich in keiner der beiden Disziplinen so richtig gut werde. (Vitto lacht.)

Was ist für Dich beim Eisklettern die größte Herausforderung?

Falls man ohne einen Tipp aus Facebook & Co an die Sache herangeht und irgendwohin gehen möchte, wo noch keiner war, dann liegt ein Großteil der Arbeit in den Vorbereitungen. Man sollte sich die Fragen stellen: Wie sind die Temperaturen und wie waren sie in der Nacht, hat es geschneit, war es windig, kommt Sonne rein, bin ich fähig das zu klettern? Dies und vieles mehr beschäftigt mich bevor ich das erste Mal ins Eis schlage. Die ganzen Entscheidungen dann vor dem Eisfall richtig umzusetzen und richtig einzuschätzen, bedürfen viel Erfahrung und man lernt ja bekanntlich nie aus…!

Dein Tipp für jeden, der mit dem Eisklettern beginnt? Dürfen auch zwei bis drei Tipps sein.

Wer schnellstmöglich und so sicher wie möglich ans Eisklettern herangehen will, soll sich wie in vielen anderen Sportarten auch, seinen „das kann ich schon selber - Stolz“ überwinden und einen Profi, sprich einen staatlich geprüften Berg- und Schiführer zur Seite nehmen. In einer 4er-Gruppe ist es für die meisten auch leistbar und die vielen Tipps und Tricks kann man dann auch beim Schitourengehen oder beim Felsklettern anwenden. Eine „Grundhärte“ in Sachen Kälte und Schnee sind beim Eisklettern schon gefragt, was aber heutzutage mit der richtigen Bekleidung wirklich minimiert werden kann. Die Beurteilung des Eises (Vitto meint die Temperatur) und insbesondere die Lawinenlage dürfen nicht vergessen werden, denn da wo Wasser rinnt, ist oft ein Graben oder eine Rinne. Dort gehen Lawinen besonders gerne ab. 

Wer ist Dein persönliches Vorbild in der Welt des Eis-Kletterns?

Ehrlich gesagt, habe ich kein einzelnes Vorbild, sondern viele.

Von den Pionieren in Eis- und Mixedklettern sind das z.B. Jeff Lowe, Steve House, Robert Jasper, und Bubu Bole. Auch die heutigen Profis schaue ich mir gern an: Jeff Mercier, Raphael Slawinski und viele andere die nicht so bekannt sind, aber das Klettern im Eis wie einen Tanz und nicht wie Arbeit ausschauen lassen!

Dein liebstes Ausrüstungs-Teil? Baut man zu seiner Ausrüstung eine persönliche Beziehung auf?

Klar baut man eine Beziehung auf mit seinem Material - Eisklettern ist ja auch im Vergleich zu Bouldern oder Sportklettern eine richtige Materialschlacht. Ich glaub die Eispickel sind noch mehr als die Steigeisen, das was der Eiskletterer am meisten pflegt und hegt. 

Führst Du manchmal Selbstgespräche in der Wand?

Noch bin ich nicht so weit, aber es wird kaum eine Kletterei geben, wo ich keinen blöden Ohrwurm habe. (Vitto lacht)

Persönliche Ziele/ Träume? Was möchtest Du in nächster Zeit verwirklichen? Gibt es große Träume?

Ich lasse mich ehrlich gesagt überraschen. Oft sind für mich die spontanen Einfälle die besten. Ein bisschen trainieren, falls der richtige Moment für die richtige Aktion kommt, ist nie falsch. 

Und umgekehrt: Was war Dein schlimmstes Erlebnis im Eis? Wovor hast Du Angst / besonderen Respekt?

Ich bin schon zwei Mal beim Eisklettern in eine Lawine gekommen – das war im Eisfall und beim Zustieg. Das war bei keinem „4er“ oder auch „3er“, sondern bei „relativ“ entspannten Verhältnissen. Ich denke und hoffe, daraus gelernt zu haben. Dieses Thema wird von vielen Eiskletterern oft einfach unterschätzt, denn das Topo und die Schwierigkeiten der Tour stehen vielfach im Vordergrund. 

Letzte (rein theoretische) Frage: Wen würdest Du gerne mitnehmen, wenn Du in die längste Eiskletter-Route einsteigst, die Du je begangen hast?

Praktisch gesehen sicherlich einen von meinen 2-3 besten Kollegen, mit denen ich auch am besten eingespielt bin.

Wer mit mir im Geist bei jeder Unternehmung fix dabei ist, ist immer meine kleine Familie!

Vitto, vielen Dank für das Gespräch und ganz viel Freude beim Eis-Festival. Wir schauen sicher vorbei.


Trailer Vortrag "Alpinism  on the edge of dreams"



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