Skitouren im vergletscherten Hochgebirge.
11 April 2006

Gletscherspalten - auch bei Skitouren ein Thema!

Michael Larcher und Walter Würtl über die Thematik des Skitourengehens im vergletscherten Hochgebirge, inkl. Info-PDF....

Gletscherspalten - auch bei Skitouren ein Thema!

Wer an Risiken bei Skitouren denkt, denkt zunächst nur an Lawinengefahr. Dass Skibergsteiger, die Touren auf Gletschern unternehmen mit einer ähnlich schwer einzuschätzenden Gefahr, nämlich dem Risiko in eine Gletscherspalte zu stürzen , konfrontiert sind, wird gerne vergessen. Spaltenstürze passieren auch mit Skiern und Snowboard und bedeuten immer Lebensgefahr.

Wie die jüngste Unfallserie im Bereich des Großvenedigers und des Großglockners zeigt, bergen Gletscherspalten für den Schitourengeher tödliche Gefahren. Zwei bis drei mal pro Winter enden Spaltenstürze von Tourengehern oder Variantenskifahrern in Österreich tödlich. Im letzten Jahr war es der Bergführer und langjährige Hüttenwirt der Braunschweigerhütte, der bei der Abfahrt über den Taschachferner in einer Gletscherspalte den Tod fand.

Anseilen führt zu starken Erlebnisverlust

Michael Larcher, Sicherheitsexperte des Österreichischen Alpenvereins, erklärt: "Unser Risikomanagement bei Skitouren auf Gletschern unterscheidet sich wesentlich von Gletschertouren im Sommer: Während im Sommer Anseilen "Standard" ist und das Nichtanseilen die Ausnahme bildet, stellt im Winter das seilfreie Gehen und Abfahren den Normalfall dar und das Anseilen bildet die Ausnahme - nämlich dann, wenn besondere Gefahrenzeichen vorliegen." Diese Umkehrung des Risikomanagements, so Larcher, ergibt sich durch die günstigeren Belastungsverhältnisse, die sich durch Skier ergeben (größere Auflagefläche als bei Bergschuhen), und die bessere Spaltenüberdeckung aufgrund der winterlichen Schneedecke. Dazu kommt der Umstand, dass Anseilen bei Skitouren zu einem starken Erlebnisverlust führt und - insbesondere bei der Abfahrt - als "kaum zumutbar" eingestuft werden muss.

Notwendige Ausrüstung meist nicht dabei

Auf Unverständnis stößt bei den Experten des Alpenvereins die häufig zu beobachtende Praxis, dass Tourengeher nicht einmal die notwendige Ausrüstung mitführen, um sich gegen diese heimtückische Gefahr zu schützen. "Nur wer die komplette seiltechnische Ausrüstung mitführt, kann bei Gefahrenzeichen anseilen oder im Notfall effizient Hilfe leisten. Erschütternd, wie viele Gruppen auf Ostalpengletschern gänzlich darauf verzichten, zumal das Mehrgewicht zumutbar ist", so der Alpinwissenschafter Walter Würtl. Aber - so Larcher - "man muss mit der Ausrüstung auch umgehen können. Wer das nicht beherrscht, der ist gut beraten, sich einer Alpenvereinsgruppe anzuschließen oder einen Bergführer zu engagieren."

Info-PDF:

Seilverwendung bei Gletscher-Skitouren (375 KB)

Der Alpenverein empfiehlt

- Die Gletscherausrüstung mitführen!

- Gurte spätestens bei Betreten des Gletschers anlegen oder - besser - bereits in der Hütte!

- Im Aufstieg Entlastungsabstände von mind. 5 m, bei der Abfahrt von mind. 30 m einhalten!

- Sammelpunkte dort wählen, wo keine Spalten erwartet werden und mind. 5 m Abstand halten.

- In kritischen Passagen klare Anweisungen (z.B. „Spurfahren“) geben!

- Die Skier bei Pausen anlassen und angeseilt bleiben!

Text: Michael Larcher - Sicherheitsexperte des Österreichischen Alpenvereins

Webtipp:OeAV - die Page des Österreichischen Alpenvereins

Skitouren im vergletscherten Hochgebirge.
Gute Spaltenüberdeckung aufgrund der winterlichen Schneedecke.
Meist haben Tourengeher nicht einmal die notwendige Ausrüstung mit.
Bei der Abfahrt Entlastungsabstände von mind. 30 m einhalten.
Nassschneerutsch bei angeseilter Abfahrt - der einzige kleine Nachteil des angeseilten Abfahrens (es liegen dann beide im bzw. unter dem Schnee).
Österreichischer Alpenverein


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