Janja Garnbret Bibliographie (9b+) Céüse © Jessica Glassberg/Red Bull Content Pool Janja Garnbret Bibliographie (9b+) Céüse © Jessica Glassberg/Red Bull Content Pool
08 Juni 2026

Janja Garnbret klettert Bibliographie 9b+

Der slowenischen Olympiasiegerin gelingt die erste weibliche Begehung der legendärsten und anspruchsvollsten Routen in Céüse

Die 35 Meter lange Route, die 2009 von Ethan Pringle eingebohrt und 2020 von Alexander Megos erstbegangen wurde, hat sich zu einer der prägenden Ausdauer-Testpieces des modernen Sportkletterns entwickelt. Charakterisiert durch anhaltende Ausdauerkletterei mit mehr als 80 anspruchsvollen Zügen, verzeichnete Bibliographie bis heute nur eine Handvoll Wiederholungen. Megos bewertete die Route nach seiner Erstbegehung, die rund 60 Klettertage erforderte, ursprünglich mit 9c. Nach der zweiten Begehung stufte Stefano Ghisolfi die Route auf 9b+ zurück – eine Einschätzung, die sich inzwischen weitgehend durchgesetzt hat.

Die heute 27-jährige Garnbret hatte die Route erstmals kurz nach den Olympischen Spielen 2024 versucht und konnte sie nun bei ihrem fünften Aufenthalt in Céüse erfolgreich klettern. Mit ihrer Begehung wurde Bibliographie bislang von insgesamt sechs Kletterinnen und Kletterern wiederholt.

„Es fühlt sich unglaublich an. Ehrlich gesagt ist es schwer, das in Worte zu fassen. Wenn die Begehung gelingt, läuft einfach alles perfekt. Alles fühlt sich leicht und flüssig an. Man spürt kaum noch, was man eigentlich klettert.“

Für Garnbret war die erfolgreiche Begehung der Höhepunkt eines Prozesses, der nicht nur körperliche Stärke, sondern auch Geduld und Ausdauer erforderte:

„Ich glaube, in diesen fünf Reisen habe ich sehr viel über mich selbst gelernt. Ich habe viel über Céüse und über die Route gelernt. Vielleicht war ich weniger nervös als bei den vorherigen Versuchen. Ich fühlte mich stärker als je zuvor und hatte das Gefühl, für diesen Prozess bereit zu sein. Diese beiden Wochen haben meine Geduld auf eine Art und Weise auf die Probe gestellt wie nichts zuvor.“

Video Janja Garnbret klettert Bibliographie 9b+

Anstatt gezielt auf einen letzten Rotpunktversuch hinzuarbeiten, gelang die Begehung völlig unerwartet.

„Eigentlich wollte ich die Route nur zum Aufwärmen klettern, aber ich fühlte mich einfach perfekt und bin immer weitergeklettert. Ich war völlig in meiner eigenen Welt, in meiner eigenen Blase, und tat einfach das, was ich am meisten liebe. Anders als an den anderen Tagen waren nur wenige Leute am Fels, es gab kein lautes Anfeuern. Es war einer der ruhigsten und zugleich schönsten Momente meiner gesamten Kletterkarriere.“

Perfekte Bedingungen am letzten Klettertag

Die erfolgreiche Begehung gelang Garnbret an ihrem letzten Klettertag in Céüse, bevor sie wieder in die Wettkampfsaison zurückkehrte. Nachdem sie während des gesamten Aufenthalts mit ungewöhnlich warmen Bedingungen zu kämpfen hatte, fand sie schließlich genau das Wetterfenster, auf das sie gewartet hatte.

Deutlich kühlere Temperaturen und ein kräftiger Wind sorgten für ideale Bedingungen und perfekte Reibung am kompakten Kalkfels von Céüse.

„Diese Begehung ist die Summe all dessen, was ich in den letzten zwei Jahren gelernt habe. Diese Route hat mir gezeigt, dass mit einem ruhigen Kopf und genügend Geduld alles möglich ist. Man darf sich niemals selbst abschreiben – bis zum allerletzten Versuch muss man bereit sein zu kämpfen“, beschreibt Garnbret die Bedeutung ihres Erfolgs.

„Und wenn es dann endlich klappt, ist das ein unglaubliches Gefühl. Die ganze Arbeit, die Hingabe und die Geduld – wenn am Ende alles zusammenkommt, fühlt es sich einfach großartig an. Heute ist mein Herz voller Freude.“

Während sie bereits auf den kommenden Weltcup in Innsbruck blickt, wo sie die Marke von 50 Weltcupsiegen knacken könnte, möchte die Slowenin auf diesem Erfolg aufbauen.

„Das ist etwas, das mich mein ganzes Leben begleiten wird. Es wird mir bei zukünftigen Felsprojekten helfen, bei Wettkämpfen, im Training und bei allem, was ich im Leben mache.“

Wettkampfkletterin auf dem schwierigsten Felsgelände

Die heute 27-jährige Athletin gilt als die erfolgreichste Wettkampfkletterin der Geschichte. Sie gewann zwei olympische Goldmedaillen, zehn Weltmeistertitel und hält den Rekord für die meisten Weltcupsiege. Während ihre Hallenerfolge das Wettkampfklettern der letzten Dekade geprägt haben, stellt Bibliographie die bislang bedeutendste Felsbegehung ihrer Karriere dar.

„Diese Route hat ein Feuer in mir entfacht. Sie hat etwas Besonderes in mir ausgelöst, und genau deshalb bin ich immer wieder zurückgekommen. Sie hat mich definitiv zu einer besseren Athletin und zu einer besseren Kletterin gemacht.“

Dabei stellte Garnbret immer wieder klar, dass es ihr nicht um Schwierigkeitsgrade oder Vergleiche geht, sondern um die Leidenschaft fürs Klettern selbst.

„Ich mache das nicht, um irgendjemandem etwas zu beweisen. Ich liebe das Klettern einfach, und ich glaube, das ist erst der Anfang“, sagte sie.

„Ich möchte die nächste Generation inspirieren, keine Angst vor einem Schwierigkeitsgrad zu haben. Es spielt keine Rolle, ob es eine Männerroute oder eine Frauenroute ist – es ist einfach eine Route!“

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