Klettern auf Gran Canaria: Gebiete und weiterführende Infos
Gran Canaria vereint Meer, Gebirge und Sonne auf einzigartige Weise. Seit Jahren gilt die Insel als vielseitige Kletterdestination, geprägt von ihrer vulkanischen Geschichte und großer landschaftlicher Vielfalt.
Zwischen bizarren Felsformationen, tiefen Schluchten und dem türkisfarbenen Atlantik herrscht ein stabiles Klima mit durchschnittlich etwa 22 °C.
Das vulkanische Gestein – überwiegend dunkler Basalt aus erkalteter Lava – bietet griffige Oberflächen und abwechslungsreiche Strukturen. Das Routenspektrum reicht von kurzen, technisch anspruchsvollen Linien bis hin zu langen Mehrseillängen und hält für nahezu jede Vorliebe passendes Terrain bereit. Besonders reizvoll ist die Nähe von Meer und Gebirge: Oft trennen nur wenige Fahrminuten Strand und steile Felswände.
Klettergärten wie Fataga oder Moya verdeutlichen die Vielfalt der Insel, die zunehmend von Kletterern aus ganz Europa als Alternative zu Teneriffa oder dem spanischen Festland entdeckt wird. Unterstützt durch die Pflege und Erschließung verschiedener Gebiete trägt auch der lokale Kletterverband zur wachsenden Attraktivität Gran Canarias als Kletterreiseziel bei. Die folgenden Abschnitte liefern einige spannende Tipps für aktive Reisende.
Vorweg: Anreise und praktische Hinweise – Worauf sollte man achten?
Die Anreise nach Gran Canaria erfolgt in der Regel über den Flughafen nahe der Inselhauptstadt Las Palmas. Zahlreiche Direktflüge verbinden viele deutsche Städte mit der Insel. Wer aus Süddeutschland anreist, findet verschiedene Parkmöglichkeiten am Flughafen München, darunter auch Langzeitparkplätze mit Shuttle-Service.
Nach der Landung stehen am Flughafen mehrere Mietwagenanbieter zur Verfügung, die eine flexible Weiterfahrt zu den Klettergebieten ermöglichen.
Als beste Reisezeit gelten die Monate von Oktober bis Mai, wenn die Temperaturen angenehm und die Niederschläge gering sind. Das Unterkunftsangebot reicht von Apartments an der Küste bis hin zu kleinen Pensionen im Inselinneren. Besonders in den Wintermonaten empfiehlt sich eine frühzeitige Reservierung.
Fataga: Vielfalt im Süden
Südlich von Fataga befindet sich eines der bekanntesten Klettergebiete Gran Canarias. Unterhalb des Stausees liegen mehrere Sektoren, die mit einem breiten Routenspektrum im Schwierigkeitsgrad von etwa 6b bis 8a überzeugen.
Das poröse, vulkanische Gestein verlangt präzises Antreten und sauberes Greifen und stellt hohe technische Anforderungen.
Das Gebiet zeichnet sich durch eine große Dichte anspruchsvoller Routen aus und wird vor allem von ambitionierten Kletterern geschätzt. Die Lage im weiten Barranco de Fataga sorgt für lange Sonneneinstrahlung bis in die Abendstunden und macht das Gebiet besonders in den Wintermonaten attraktiv.
Gute Parkmöglichkeiten und kurze Zustiege tragen zusätzlich zur Beliebtheit dieses südlichen Kletterziels bei, das sportliche Herausforderungen mit eindrucksvoller Landschaft verbindet. Am Nachmittag spenden einzelne Wandbereiche Schatten und ermöglichen auch längere Klettersessions unter angenehmen Bedingungen. Detailinfos Klettergarten Fataga.
Candelilla: Klettern im Zentrum der Insel
Im zentralen Hochland Gran Canarias, nahe Tejeda, liegt das Klettergebiet Candelilla auf rund 1.200 Metern Höhe. Eingebettet in eine eindrucksvolle, grüne Berglandschaft bietet es lange, ausdauernde Routen im dunklen, griffigen Basalt mit Schwierigkeitsgraden etwa zwischen 7a und 8b.
Aufgrund der Höhenlage herrschen hier meist kühlere Temperaturen, gelegentlich auch kurze Regenschauer und Nebel. Das Gebiet eignet sich vor allem für ambitionierte Kletterer, die anspruchsvolle Linien und eine ruhige Umgebung schätzen.
Die kurvenreiche Anfahrt durch das Inselinnere eröffnet weite Ausblicke auf das Hochland und unterstreicht den alpinen Charakter des Gebiets. Trotz seiner Abgeschiedenheit bieten umliegende Orte wie Tejeda einfache Unterkünfte und kleine Cafés. Im Vergleich zu den südlichen Klettergebieten präsentiert sich Candelilla kühler und deutlich ruhiger – ein reizvoller Kontrast im Kletterurlaub auf Gran Canaria. Detailinfos Klettergarten Candelilla.
Sorrueda: Klettern im ruhigen Flusstal
Unterhalb von Santa Lucía de Tirajana liegt das Klettergebiet Sorrueda im weiten Barranco de Tirajana. Es bietet technisch ausgewogene Routen im französischen sechsten und siebten Schwierigkeitsgrad, meist zwischen 15 und 25 Metern Länge. Der feste, graue Basalt ist reich an natürlichen Strukturen und ermöglicht abwechslungsreiches Klettern.
Nach dem Klettern laden die oberen Bereiche des Canyons mit kleinen Wasserstellen zum Verweilen ein. Die Felsen liegen vormittags in der Sonne, was Sorrueda besonders an kühleren Wintertagen attraktiv macht.
Die ruhige Atmosphäre sowie die üppige Vegetation aus Palmen und Oleander verleihen dem Gebiet einen besonderen Charakter und machen es vor allem bei Einheimischen beliebt. Parkmöglichkeiten entlang der Zufahrtsstraße und gut erkennbare Zustiege erleichtern den Zugang. Sorrueda verbindet sportliche Ausgewogenheit mit intensivem Naturerlebnis und zählt zu den stilleren Kletterzielen der Insel. Detailinfos Klettergarten Sorrueda.
Moya: Klettern im grünen Tal nahe Las Palmas
Nur wenige Kilometer von der Inselhauptstadt entfernt liegt der Klettergarten Moya im Barranco de Moya. In dem engen, grünen Tal mit Palmen und Bachlauf finden sich kurze, intensive Routen von etwa 10 bis 15 Metern Länge im sechsten und siebten Schwierigkeitsgrad.
Der dunkle Basalt ist stellenweise stark verwittert, die Absicherung stammt teilweise noch aus den frühen 2000er-Jahren. Entsprechend sind ein Helm sowie umsichtiges Einhängen empfehlenswert. Trotz der teils älteren Sicherungen ist Moya bei Kletterern beliebt, die kurze, kräftige Linien in naturnaher Umgebung schätzen.
Die Nähe zur Stadt erlaubt eine abwechslungsreiche Kombination aus Klettern und urbanem Leben – morgens am Fels, später an der Strandpromenade. Die üppige subtropische Vegetation und das stetige Rauschen des Baches verleihen dem Gebiet eine fast verwunschene Atmosphäre und machen Moya zu einem idealen Ziel für kurze Klettersessions mit hohem Naturgenuss.
Geologie und Felsbeschaffenheit: Klettern auf vulkanischem Basalt
Das Gestein Gran Canarias ist vulkanischen Ursprungs und prägt den Charakter des Kletterns auf der Insel maßgeblich. Der Basalt entstand aus erkalteter Lava und weist je nach Abkühlungsprozess kompakte Strukturen auf. Sie sorgen für griffige Leisten, Reibungstritte und kleine, haftungsstarke Strukturen, die ein präzises Antreten und sauberes Greifen erfordern.
Im Vergleich zu Kalkfels vermittelt Basalt ein direkteres Feedback und fordert kontrollierte, technisch genaue Bewegungen.
Diese geologischen Eigenschaften bestimmen den Kletterstil und verleihen den Felsen ihren unverwechselbaren Charakter. Mit seinem vulkanischen Basalt bietet Gran Canaria ein besonders reizvolles Ziel für alle, die abwechslungsreiche Felsstrukturen und technisch geprägtes Klettern schätzen.
Infos zu Ausrüstung und Sicherheit beim Klettern auf der Insel
Für das Sportklettern auf Gran Canaria reicht die klassische Sportkletterausrüstung:
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Gurt
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Seil mit ausreichender Länge (70 m)
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Helm
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15 Expressschlingen
Es gibt in Las Palmas eine kleine Indoor-Boulderhalle und zwei bis drei kleine Klettershops, falls man etwas zu Hause vergessen hat.
Die Absicherung ist generell etwas weiter. Man sollte auch den Umlenkern und Bohrhaken auf Gran Canaria eher skeptisch entgegentreten. Für die Klettergärten hier gibt es anders als in Deutschland und Österreich keinen offiziellen Erhalter.
Neben den oben beschriebenen Klettergärten gibt es in der gebirgigen Inselmitte auch einige bis zu 200 m hohe Mehrseillängenrouten, für die man die gesamte Alpinkletterausrüstung mit Friends und Keilen benötigt. Führer und Topos dazu sind uns nicht bekannt.
Bergsport-Alternativen und Baden
Wer auch mal baden will, tut dies am besten am einzigen Sandstrand der Insel, Playa del Inglés. Hier finden sich künstlich aufgeschüttete Dünen und eher ruhiges Meer. Im Norden sind die Wellen höher, man sollte generell Strömungen beachten.
Auf Gran Canaria gibt es auch einige Klettersteige, die auch auf bergsteigen.com beschrieben sind. Sie teilen das Los der Klettergärten, werden nicht gewartet und sind mitunter gefährlich. Im Süden der Insel findet sich mit Extraplomix auch der schwierigste Klettersteig der Welt.
Natürlich kann man im gebirgigen Mittelteil der Insel auch perfekt wandern und die großartige Blumenvielfalt genießen.
Fazit
Es gibt einige durchaus interessante Klettergärten auf Gran Canaria. Sie können aber, was die Vielfalt und Felsqualität anbelangt, bei Weitem nicht mit den Top-Kletterzielen Europas wie Kalymnos, Arco, Südfrankreich oder Kroatien mithalten. Wer aber aus anderen Gründen, z. B. zum Urlauben, auf die Insel fährt, sollte die Klettersachen auf jeden Fall dabei haben!

Klettern auf Gran Canaria - Climbing crags Gran Canaria


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