Foto: Stefan Lieb-Lind
26 Juli 2016

Klettern in Montenegro – Unentdeckt im Süden Europas

Schwer vorstellbar, dass es in Europa noch kaum erschlossene und quasi noch unbekannte Kletterdestinationen gibt. Eine davon liegt direkt am Balkan - Montenegro...

Schwer vorstellbar, dass es in Europa noch kaum erschlossene und quasi noch unbekannte Kletterdestinationen gibt - eine davon liegt direkt am Balkan. Obwohl Montenegro herrliche Felswände zu bieten hat, haben sich dort bisher kaum Kletterer aus Mitteleuropa die Finger langegezogen und noch weniger haben darüber berichtet.

Stefan Lieb-Lind, ein staatlich geprüfter Bergführer, war in den letzten Jahren über 10 Mal in diesem Land, wo der Klettertourismus noch auf sich warten lässt. Im nachfolgenden berichtet Stefan Lieb-Lind über seine Klettererlebnisse in diesem kleinen Land am Balkan, verrät ein paar Geheimtipps für atemberaubende Locations (wobei eigentlich fast alle Gegenden noch Geheimtipps sind) und macht Lust, dieses Land mit einem vollgepackten Kletterrucksack zu bereisen!

"Es war purer Zufall, dass ich mich in das Land Montenegro verliebte: Im Jahr 2008 wurde ich gefragt einen Klettergarten in Kolasin – einem hübschen touristischen Bergdorf – einzurichten. Damals wusste ich nicht viel über das kleine Land am Balkan. Obwohl der Name ja schon für sich spricht: Schwarzer Berg.

Seither ist Montenegro mein persönliches Kletterparadies: Unbegrenzte Klettermöglichkeiten und kaum Kletterer: Im Land gibt es nur ein paar handvoll einheimische Kletterer und ausländischen bin ich bisher noch nicht begegnet. In den 60er und 70er Jahren sind einige Kletterer aus Polen, Serbien und Slowenien lange Routen im Durmitor, Zijevo und Projkletije Gebirge begangen. Doch seither ist die Region wieder in Vergessenheit geraten. Das Einrichten von Sportkletterrouten startete überhaupt erst ab 2006.

Und so ist es heute: Eine kleine aber unheimlich gastfreundliche Kletterszene. Darum besuchte ich dieses schöne Land inzwischen 13 mal und habe über 20 Mehrseillängen erstbegangen. Abends genieße ich die unglaubliche Gastfreundschaft der einheimischen Kletterer bei Bier und Rakija. Bemerkenswert ist die hohe Alpinkletterethik, die unter den Locals herrscht. Dies sollte man berücksichtigen, wenn man Montenegro zum Klettern besucht.

Diesen Mai fanden wir – Norbert Nau und ich - die perfekte Linie: Mein persönliches Masterpiece in diesem Land: Die Erstbegehung von „Big friends of Montenegro“ in Boljske Grede (Süddurmitor) am 26. und 27. Mai – 450 Klettermeter im VII. Grad. Man kann die Route mit der berühmten „Pumprisse“ im Wilden Kaiser vergleichen – durchwegs breite Risse („Big friends...“), die uns Angst und Freude gleichzeitig bereiteten. Die Route blieb komplett clean für Wiederholungen, nur die Stände zum Abseilen sind gebohrt. Der Fels ist meist gut, mit einigen wenigen brüchigen und grasigen Passagen, jedoch durchwegs gut absicherbar – Voraussetzung, man hat 2 Sets Cams bis Nr. 5 (!!) und einen Nr. 6 (!) dabei.

Montenegro hat Potential für Sport- und Alpinklettern. Um einen Überblick zu gewinnen kann man die Seite www.montenegroclimbing.net besuchen (nicht ganz am letzten Stand – trotzdem sehr hilfreich). Manche Regionen haben nicht so guten Fels, jedoch um Podgorica und in der Nähe der Küste ist sie perfekt.

  • Prokletije Gebirge, an der Grenze zu Albanien, bietet alpines Ambiente mit Felswänden bis zu 800 Metern, jedoch leider nicht so guter Felsqualität. Das Gebiet erinnert mich an die Julischen Alpen in Slowenien.

  • Boljske Grede im südlichen Teil des Durmitor Gebirges kann mit einer 5 km langen und bis zu 500 Meter hohen Wand aufwarten. Derzeit gibt es wahrscheinlich nicht mehr als 15 Routen – es ist also noch etwas Potential vorhanden. Die Felsqualität ist ziemlich gut, jedoch ein Fernglas empfehlenswert um Grasrisse zu vermeiden.

  • Zijevo Gebirge ist ein kleines Gebiet mit bis zu 300 Meter hohen Wänden mit durchwegs gutem Fels. Zijevo ist das bestentwickelte Alpinklettergebiet von Montenegro.

  • Das Gebiet rund um die Hauptstadt Podgorica bietet erstklassige Möglichkeiten hauptsächlich zum Sportklettern mit vielen Sintern. Nur einige Minuten nördlich von Podgorica befindet sich das beste Sportklettergebiet Montenegros „Smokovac“ mit 60-70 Routen bis zum Schwierigkeitsgrad 8B+. In der Gegend gibt es noch potentielle Felsen für 3 Reinkarnationen von Chris Sharma und Adam Ondra. Also eine Bohrmaschine mitnehmen zahlt sich auf jeden Fall aus – das Potential ist vorhanden.

  • In der Nähe der Küste oder direkt an der Küste gibt es einige gemütliche Alpinklettergegenden (zB: Subra Fels oder Reovacka Greda) mit ausgezeichneter Felsqualität. Derzeit wird gerade ein neues Sportklettergebiet in der Nähe des Küstendorfes Bar eingerichtet, wo man nach dem Klettern gleich ins Wasser springen kann.

Einige Gebiete habe ich selbst noch nicht erkundet und einige bleiben mein Geheimnis. Also nimm Deine Kletterausrüstung und entdecke einige der letzten unerschlossenen Klettergebiete Europas – vielleicht treffen wir uns!"

Stefan Lieb-Lind lebt in Villach im Süden Österreichs und arbeitet als staatlich geprüfter Bergführer. Gemeinsam mit seinen Partnern betreibt er 4 Agenturen:

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