Selbst gebackenes Brot mit Nüssen, Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at
10 April 2006

Senda real - durch die Südwand des Marmolejo 6085 m

Hari Berger und Albert Leichtfried eröffnen „Senda real“ WI 7+ am Cerro Marmolejo 6085 m...

Eisklettertrip nach Chile zum Cerro Marmolejo 6085 m

In der Boeing 767 von Atlanta nach Santiago de Chile sitzen am 11. März 2006 nicht nur Geschäftsleute und badehungrige Touristen. Nein, es sind auch Hari Berger, Albert Leichtfried und Hermann Erber dabei, welche sich ein ganz anderes Ziel ausgesucht haben. Eisklettern - noch dazu im Sommer, dafür aber zwischen 4000 und 6000 Meter Seehöhe. Unser Plan war es, die Eisklettersaison noch um ein paar Abenteuer zu verlängern.

Direkt aus dem kalten europäischen Winter kommend genossen wir erst einmal die Hitze in Santiago bei unserer Ankunft. Das Thermometer zeigte um die +30 °C an, als wir die Verpflegung für unsere Kleinexpedition in den riesigen Supermärkten zusammenstellten. Insgesamt 200 kg wog das Gepäck als wir Santiago nach unseren Großeinkäufen zufrieden verließen. Eduardo Mondragon alias „Edel“, bekannt als der chilenische Eiskletterer - unser Freund und Helfer in Chile – brachte uns mit seinem Jeep nach Banõs Morales. Im Refugio Aleman (1930 m) ließen wir es uns vor unserem Abmarsch noch einmal so richtig gut gehen. Steaks und Rotwein standen auf der Speisekarte, nachdem wir von unserem Badeausflug zu den Colina-Thermen, erschöpft vom langen Pferderitt, zurückkamen.

Die Abmachung zwischen Cowboys und Gringos

Am 14. März war es dann so weit. Der Hüttenwirt Andy aus England brachte uns zum vereinbarten Treffpunkt mit den drei Mulis und zwei Reitern. Unser Material wurde verlässlich von den Mulis taleinwärts transportiert. Doch so verlässlich die Mulis, so unverlässlich die Abmachungen zwischen den Cowboys und Gringos – wir fanden unsere 200 kg Gepäck 7 km vor dem fix vereinbarten Abladepunkt! Das Ergebnis: Wir durften zunächst zwei harte Tage mit Lastentransporten verbringen, um das Basislager auf 3500 m zu errichten und es verging ein weiterer Tag zur Erholung von der Quälerei. Als Belohnung dafür fanden wir den perfekten Platz für das Basislager: 200 m² Wiese inmitten der Steinwüste begrenzt vom Gletscherbach und einer Therme mit etwa 20 °C warmem Wasser.

Nach einem Erkundungstag, der uns nach Besichtigung einiger möglicher Linien zuversichtlich stimmte, errichteten wir auf 4100 m ein Lager, von dem wir unsere Kletteraktivitäten starteten. Doch bevor es losging, rasteten wir erst einmal zwei Tage im Basislager und ließen unsere zwei Kocher den ganzen Tag durchgehend laufen. Diese hatten mit dem chilenischen Benzin, das bei Kälte ums Verrecken nicht brennen wollte, sowieso eine schwere Zeit mit uns. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt: Kaffee ohne Filter, selbst gebackenes Brot mit Nüssen oder Knoblauch, eine Spezialpasta vom Meisterkoch Hari mit Zwiebeln, Knoblauch, Thunfisch, Karotten, Käse und Ingwer und als Krönung einen selbst gemachten Apfelstrudel!

Die Linie wird ein großes Abenteuer

Gut gestärkt machten wir uns am 19. März ans Klettern. Uns ist das markante Eisdach in der Südwand des Marmolejo schon am Erkundungstag aufgefallen. Hari und ich waren uns einig, diese Linie würde ein großes Abenteuer bedeuten. Diese Linie mussten wir probieren. Und wir bekamen unser Abenteuer. Das Eis war eine Mischung aus uraltem, extrem überhängendem Gletschereis mit senkrechten Säulen und Pfeilern. Uns gelang die schwerste Tour die wir je im Eis geklettert sind: „Senda real“ WI 7+, vielleicht die härteste Tour auf dieser Seehöhe, sicherlich die schwierigste Eiskletterei Südamerikas.

Die Route ist auf ihren sechs Seillängen anhaltend schwierig: WI 5, WI 6-, WI 7-, WI 7+, WI 5 und WI 6-. Die Schlüsselstelle befindet sich in der vierten Seillänge, ein Eisdach, etwas 6 Meter überhängend. Wir kämpften wie wild in diesem Dach auf über 4500 m Seehöhe um mit ein paar „figure of four“ in normalen Lederbergschuhen den Stand zu erreichen. Völlig fertig erreichten wir in der Dunkelheit unser Zelt, wo Hermann schon mit dem leckeren Abendessen -- Expeditionsnahrung – auf uns wartet.

Zu dritt eröffnen wir "Triple direct“ WI 5

Nach weiteren zwei Rasttagen waren wir wieder in unserem Lager unter der Wand. Dieses Mal wollten wir bis zum Gipfel und dabei wiederum auf einer neuen Linie. Mit zwei Haulbags (einer davon sitzt den ganzen Tag auf meinem Rücken) kletterten Hari, Hermann und ich gemeinsam „Triple direct“ WI 5- und schlugen auf 5000 m unser Zelt für den Gipfeltag auf. Nach nervenaufreibenden Kämpfen mit bis zu 2 Meter hohen Büßerschneefeldern standen wir am 24. März glücklich am Gipfel des 6085 m hohen Cerro Marmolejo.

Nach dem viertägigen Abstieg in der Geröllwüste hatten wir dann doch genug Abenteuer gesammelt und freuten uns wieder auf warme Temperaturen, um endgültig die Eisklettersaison zu beenden.

Webtipp:

Hari Berger

www.outdoor-foto.at

Bericht von Hari und Albert

Erste Wiederholung der Glowacz-Trilogie - durch Hari Berger

Canmore Eistrip 2005 - von Hari Berger und Albert Leichtfried

Solo durch Mordor von Harry Berger#

ILLUMINATI - schwerste Mehrseillängen-Mixedroute der Welt

Game Over - die erste M13 Europas

Albert und Harry klettern Crack Baby

Sponsorweblinks:

Salomon Sports

Black Diamond

Petzl

The North Face

Tendon

Lowa

Adidas Eyewear

Marmot

Red Bull

Selbst gebackenes Brot mit Nüssen, Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at
Albert Leichtfried beim Zustieg, Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at
Die Route „Senda real“ WI 7+, Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at
Hari Berger in einer der schweren Seillängen von „Senda real“ WI 7+, Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at
Im Dach auf über 4500 m Seehöhe, Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at
Albert bei der stark überhängenden Dachkletterei, Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at
Auch in der Wand muß geschleppt werden, Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at
Die Route „Triple direct“ WI 5-, Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at
Der Kampf mit den Büßerschneefeldern, Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at
Abstieg in der Geröllwüste, , Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at
Zwei harte Tage Lastentransport, Foto: Hermann Erber www.outdoor-foto.at


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