Eisbrücke an der Zunge des Hochjochferners Foto: Alpenverein/N. Span
08 April 2016

Starke Gletscherrückgänge im Sommer 2015

Der Gletscherbericht des Alpenvereins bestätigt eine erhebliche Abschmelzung aufgrund des Hitzesommers 2015.

Das Jahr 2015 war noch wärmer als der bisherige Extremsommer 2003. Die Eisriesen konnten sich in der gesamten Messperiode kaum erholen. Der aktuelle Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) zeigt, dass der durchschnittliche Längenverlust der Gletscher mit 22,6 Metern mehr als doppelt so groß ist wie im Vorjahr.

Es war ein schwieriges Jahr für die Gletscher in Österreich. Im Berichtsjahr 2014/2015 sind rund 80 Gletscher mehr als doppelt so weit wie im Vorjahr zurückgeschmolzen, drei davon sogar mehr als 100 m. Nur ein Gletscher ist unverdrossen wenige Meter vorgestoßen (Winklkees, Ankogel-Hochalmspitz Gruppe). Das Schwinden von Österreichs größtem Gletscher, der Pasterze, liegt im Berichtsjahr mit einem Verlust von -54,4 m in derselben Größenordnung wie in den Vorjahren.

Warme Temperaturen lassen Gletscher schmelzen
Die Gletscherrückgänge im vergangenen Jahr erklärt Dr. Andrea Fischer, Glaziologin und Leiterin des Alpenverein-Gletschermessdienstes, unter anderem mit dem Hitzesommer: „Der Sommer 2015 war um mehr als 2°C wärmer als im langjährigen Mittel. Lange andauernde Hochdrucklagen und das Ausbleiben sommerlicher Schneefälle, das sind die Zutaten für ein viel zu warmes Messjahr und damit Grund für die aktuellen Gletscherrückgänge.“ Wie die Messergebnisse zeigen, waren alle Monate bis auf den September zu warm. Im Hochsommer fehlten Kaltlufteinbrüche mit Schneefällen auf den Gletschern und auch die nächtliche Abkühlung konnte die Schmelze in den extrem warmen Monaten nicht unterbrechen und setzte so den Gletschern nochmals zu.

Kesselwandferner und Gepatschferner vom Brandenburger Haus Foto: Alpenverein/N. Span
Eisbrücke an der Zunge des Hochjochferners Foto: Alpenverein/N. Span
Pasterze 1920:  Eindrucksvolle Frontalansicht aus südöstlicher Richtung (Viktor-Paschinger-Weg ) auf Großglockner, Pasterze und Johannisberg auf einem Foto aus den 1920er Jahren  Foto: Alpenverein/ Laternbildsammlung
Pasterze 2012: eine in die umgebende Bergwelt tief eingesunkene Gletscherzunge  Foto: Alpenverein/N. Freudenthaler
Brandner Gletscher 2003, aufgenommen von der Schesaplana
Brandner Gletscher 2015  Foto: Alpenverein/Gross
Hornkees, Zillertaler Alpen, Berliner Hütte 1953 (Foto: Gletscherarchiv Alpenverein)
Hornkees, Zillertaler Alpen, Berliner Hütte 2013 (Foto: Alpenverein/C. Friedrich)
Die Abweichung des Niederschlags von Oktober bis April 2014/2015 vom langjährigen Mittel 1981-2010. Quelle: www.zamg.ac.at)
Die mittlere Längenänderung und die Anzahl der vorstoßenden (schwarz), stationären (grau) und zurückschmelzenden (Hintergrundfarbe) der beobachteten Gletscher von 1960 bis 2015.   Grafik: Alpenverein/A.Fischer
Abweichungen der monatlichen und jahreszeitlichen Temperaturen 2014/2015 Grafik: Alpenverein/A.Fischer
Statistik der Anzahl der seit Beginn des Gletschermessdienstes untersuchten Gletscher. Die vorstoßenden Gletscher sind in Blau, die stationären in Weiß und die zurückgehenden in Rot dargestellt.  Gafik: Alpenverein/A. Fischer

Drei Gletscher mit mehr als 100 m Längenverlust
In Summe sind 96% der vermessenen Gletscher zurückgegangen. Für das Jahr 2014/15 ergibt sich somit ein mittlerer Längenverlust von -22,6 m. Das liegt deutlich über den Werten der Vorjahre, denn das letzte Mal wurden 2007 und 2003 ähnlich hohe Werte erreicht. Im Vorjahr betrug der Rückgang etwa die Hälfte und es gab keinen Rückgang über 100 m. Das Hornkees in den Zillertaler Alpen wurde um -136,0 m kürzer. Der Zerfall der Zunge des Gepatschferners in den Ötztaler Alpen setzte sich mit einem Längenverlust von -121,5 m weiter fort und auch der Taschachferner im Pitztal verlor -101,0 m an Länge. Wie schon in den Vorjahren zeigen die großen Gletscher Österreichs, die weit ins Tal hinunterreichen, die stärksten Verluste.

125 Jahre Gletschermessdienst des Alpenvereins
Seit mittlerweile 125 Jahren zeigen die vom Alpenverein durchgeführten Messungen, die jeden Sommer von ehrenamtlichen Glet­schermesses durchgeführt werden, eindrucksvoll die Veränderungen, die in mehr als einem Jahrhundert stattge­funden haben. Die Messreihe zählt zu den längsten und best dokumentierten weltweit und ermöglicht Rückschlüsse auf Klimaveränderungen. 

Gletscherbericht 2014/2015 des Alpenvereins

Die 10 stärksten Rückgänge – Längenverluste in Metern:

  1. Hornkees (Zillertaler Alpen)                  -136,0 
  2. Gepatschferner (Ötztaler Alpen)           -121,5        
  3. Taschachferner (Ötztaler Alpen)           -101,0 
  4. Niederjochferner (Ötztaler Alpen)           -88,1
  5. Schlatenkees (Venedigergruppe)           -60,3
  6. Schalfferner (Ötztaler Alpen)                 -56,0
  7. Pasterze (Glocknergruppe)                   -54,4
  8. Untersulzbachkees (Venedigergruppe)   -50,0
  9. Schmiedingerkees (Glocknergruppe)     -39,6
  10. Triebenkarlasferner (Ötztaler Alpen)      -35,5

Durchschnittlicher Längenverlust aller gemessenen Gletscher: 22,6 Meter

Stärkste Rückgänge pro Gebirgsgruppe in Metern:
Zillertaler Alpen: Hornkees                                -136,0
Ötztaler Alpen: Gepatschferner                         -121,5
Venedigergruppe: Schlatenkees                          -60,3
Glocknergruppe: Pasterze                                  -54,4
Stubaier Alpen: Fernauferner                              -29,0
Silvrettagruppe: Vermunt Gletscher                     -26,0
Ankogel-Hochalmspitzgruppe: Westl. Trippkees   -21,7
Dachstein: Hallstätter Gletscher                         -21,7
Granatspitzgruppe: Landeckkees                       -18,1
Schobergruppe: Hornkees                                   -8,6
Goldberggruppe: Goldbergkees                            -8,0

Text und Fotos: Alpenverein

Webtipp:Alpenverein

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