Supernatural - 9-/9 an den Mandlwänden; Fotos: Archiv Rudi Hauser Supernatural - 9-/9 an den Mandlwänden; Fotos: Archiv Rudi Hauser
21 Juli 2026

Supernatural - 9-/9 an den Mandlwänden

Es gibt Klettertouren, die beeindrucken durch ihre Schwierigkeit. Und es gibt Touren, die einen Ort erlebbar machen.

Supernatural gehört zur zweiten Kategorie.

Die Route folgt einem eleganten Pfeilersystem auf der schattigen Nordseite der Vierrinnköpfe im Hochkönigmassiv. Sie führt durch kompakten, außergewöhnlich hochwertigen Kalk und verbindet abwechslungsreiche, sportliche Kletterei mit einer Landschaft, die sich ihren ursprünglichen Charakter bis heute bewahrt hat. Trotz der abgeschiedenen Lage ist die Tour modern und sehr gut abgesichert. Dadurch entsteht eine seltene Verbindung aus sportlichem Genuss und echtem alpinem Erlebnis.

Mit jeder Seillänge entfernt man sich mehr vom Alltag. Die Nordseite wirkt rau und ursprünglich, die Felsen steigen wie natürliche Kathedralen aus den Schutthalden empor. Schließlich endet die Route auf einer schmalen, einsamen Gipfelnadel – ein Gipfel, der weniger durch seine Höhe als durch seine Atmosphäre beeindruckt.

Schon die Kletterpioniere der Mitte des vergangenen Jahrhunderts entdeckten dieses Gebiet für sich. Ihre Linien suchten den Weg durch Kamine und Risse, immer mit dem Blick für das Machbare und dem Mut zum Ungewissen. Supernatural knüpft an diese Geschichte an, folgt jedoch dem Geist unserer Zeit: freies Klettern an bestem Fels, anspruchsvoll und sportlich, dabei respektvoll gegenüber dem Charakter des Berges. Nicht die maximale Schwierigkeit stand im Mittelpunkt der Erschließung, sondern das Erlebnis einer außergewöhnlichen Linie in einer außergewöhnlichen Landschaft.

Ein weiterer Reiz der Tour liegt in ihrer Fortsetzung. Nach dem Ausstieg eröffnet sich die Möglichkeit, den gesamten Grat der Mandlwände von Nord nach Süd zu überschreiten. Aus einer Kletterroute wird so eine alpine Reise, die den Hochkönig von einer seiner eindrucksvollsten Seiten zeigt.

Seit vielen Jahren erschließen Rudolf Hauser und Ulrich Wieland neue Kletterrouten an den Nordseiten des Hochkönigmassivs. Was als Suche nach neuen Linien begann, wurde zu einer tiefen Verbundenheit mit diesem Gebirge. Immer wieder überrascht die Felsqualität, die Vielfalt der Strukturen und das nahezu unerschöpfliche Potenzial dieser abgelegenen Wände. Ihre Routen entstehen nicht aus dem Wunsch nach möglichst hohen Schwierigkeiten, sondern aus der Überzeugung, dass eine gute Linie mehr ist als eine Aneinanderreihung von Seillängen. Sie soll sich natürlich anfühlen, den Charakter des Berges aufnehmen und lange in Erinnerung bleiben.

Infos zu Tour: Supernatural 

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