Leichte Kletterstelle am Rauhen Kamm
14 Februar 2005

Winterbergsteigen – Tipps und Routeninfos aus den Wiener Hausbergen

Eine eigene Spielart des Alpinismus, die trotz Kälte immer mehr Anhänger findet. Tipps, Tricks und leichte Routenvorschläge in den Wiener Hausbergen für das eiskalte Vergnügen.

Fällt das Wort Winterbergsteigen, so ist für viele alles klar. Es geht nach Finale oder man verbringt die gesamte kalttrübe Jahreszeit in einer gut gelüfteten Kletterhalle und powert sich fürs Frühjahr so richtig auf. Bei diesen kalten Temperaturen bergsteigen ist nur etwas für blasse Nordwandgesichter, von denen es in jüngster Zeit immer mehr zu geben scheint.

Alle suchen sie das echte Abenteuer und das liegt, man glaubt es kaum gleich oft gleich vor der Haustür. Wir wollen in der Folge das Thema Winterbergsteigen genauer beleuchten und euch ein paar Tipps für den erfolgreichen Einstieg in diese Disziplin geben.

Wie ein 3er plötzlich zum echten Problem wird

Was macht das Winterbergsteigen für manche so interessant bzw. für viele auch unattraktiv? Viele Probleme, die einen vollkommenen Bergsteiger und gute Ausrüstung verlangen. Im Winter sind die Tage kurz, es ist eiskalt, der Zustieg ist verschneit, die Tour vereist und die Haken sind unterm Schnee vergraben. Diese Probleme machen das Bergsteigen schwieriger und verhalfen Bergsteigern auch zu "Ruhm", so werden z.B. Winterbegeher in den AV Führern nach den Erstbegehern extra angeführt. Hier wird allerdings etwas unrichtig streng nach Definition, d.h. auf eine Begehung zwischen 21.12 und 20.3. abgestellt und nicht danach, ob wir im Dezember +20° hatten. Wenn wir in der Folge von Winterbergsteigen sprechen, so meinen wir das Begehen einer Tour bei winterlichen Verhältnissen.

Wie sehen nun diese Probleme im Detail aus?

(Tages)zeit: Die Tage im Winter sind deutlich kürzer, d.h. es fehlen bis zu 5 Stunden Tageslicht. Winterbegehungen dauern in der Regel auch um vieles länger als im Sommer.

Je nach Schnee und Eislage kann sich die Begehungszeit sogar locker verdoppeln. Wir müssen diese Umstände bei der Tourenplanung berücksichtigen und auf jeden Fall immer eine Stirnlampe dabei haben.

Erschwerte Zustiege: Da im Winter in der Regel viel Schnee liegt, sind die Zustiege ohne Schi oder Schneeschuhe oft gar nicht zu machen oder dauern weit länger als im Sommer. Ein besonders lästiges Hindernis sind wie im Sommer die Latschen, mit der zusätzlichen Schwierigkeit, dass man den markierten Weg zwischen den Latschen im Winter nicht findet.

$Tipp: Grundsätzlich sollte man daher immer Skier oder Schneeschuhe dabei haben, auch wenn ganz unten im Tal kein Schnee ist. Sie erleichtern den Zustieg und verkürzen den Abstieg, wobei sich hier gleich das nächste Problem (Schischuhe – Kletterschuhe) ergibt. Es läßt sich (mühsam) durch Mitnehmen der Kletterschuhe (Stiegeisenfeste Normalbergschuhe) oder besser durch Kurzschi mit alter Silvretta oder Ramabindung (die mit Bergschuhen geht) lösen.

In der Tour: Die Probleme bzw. Überraschungen bleiben gering, wenn man ein paar logische Dinge bei der Tourenwahl berücksichtigt: Überall, wo es nicht senkrecht ist, liegt Schnee, feuchte und exponierte Wände und Risse sind oft vereist. Bei der Ausrüstung sollten Steigeisen und Eispickel daher auf keinen Fall fehlen. Generell kann man bei der Schwierigkeit im Winter gut 1-2 Grade draufgeben, wobei man auch bedenken sollte, dass man mit festen Bergschuhen und (ausgenommen bei Extremtouren) nicht mit Reibungskletterschuhen klettert.

Auf Graten ist zu berücksichtigen, dass die Gehpassagen oft zu einer anstrengenden Wühlerei in grundlosen Schnee werden. Alles was leichter als der dritte Grad ist (insbesondere Verschneidungen und Rampen) sind oft schneebedeckt und können manchmal auch einfach hinaufgestapft werden. Wer nicht unbedingt Drytoolen üben möchte, lässt Pickel und Steigeisen vorerst im Rucksack und versucht es bis es wirklich eisig wird ohne diese Hiflsmittel.

$Tipps: Wer das Winterbergsteigen (Klettern) einmal probieren will sucht sich am besten eine bekannte mittellange Tour mit Bohrhakenständen für einen möglichen Rückzug.

Nach Neuschneefällen sollte man abgesehen von der allgemein höheren Lawinengefahr flache Wände und Grate meiden (und die Zeit besser mit dem Putzen der eigenen Wohnung verbringen).

Sicherheit: Das Anbringen von Sicherungen ist im Winter auch anspruchsvoller als im Sommer. Oft sind die Haken verschneit und nicht aufzufinden oder sie stecken unter einer dicken Eisschicht. Das Anbringen von mobilen Sicherungsmitteln ist grundsätzlich möglich, das Rissangebot ist jedoch schnee- und eisbedingt eingeschränkt. Für das Setzen verlässlicher Eisschrauben ist die Eisschicht oft nicht dick genug. Generell stellt das Winterbergsteigern höher Anforderungen an die Moral.

Klettersteige im Winter?

Man kann natürlich auch Klettersteige im Winter begehen, doch ändern sich hier die Anforderungen bei Schnee fast noch dramatischer als bei Kletterrouten. Das heißgeliebte Drahtseil, welches zur Sicherung und auch zur Wegfindung dient, ist an den nicht senkrechten Stellen oft unterm Schnee begraben. Hier muss man dann besonders aufpassen. Seilsicherung im Winter ist daher Pflicht und Steigeisen erhöhen die Sicherheit auch ungemein.

Sollte man das rettende Drahtseil finden, so lässt es sich mit schneekalten Handschuhen nicht so gut greifen wie im Sommer und die Abrutschgefahr ist weitaus größer. Dies gilt, so wie im gesamten Artikel aber nur für eine Begehung bei echt winterlichen Verhältnissen. Es hilft daher auch wenig den schneefreien Miniklettersteig ums Eck im Dezember zu gehen und die Anforderungen auf den Königisjodler hochzurechnen. Diese Rechnung führt zu einem tödlichen Ergebnis - auch muss man am Zustieg auf die Lawinengefahr achten.

Kein schlechtes Wetter sondern nur schlechte Ausrüstung…

lautet der Leitspruch der Bergsportbranche und es ist sicher auch etwas Wahres dran. Beim Winterbergsteigen hat man besonders viel Ausrüstung mit. Man sollte daher auf das Gewicht der mitgeschleppten Dinge achten und die Anzahl der Gegenstände vor der Tour noch einmal kritisch hinterfragen. Ganz wichtig sind jedoch zwei Garnituren Handschuhe. Eine dünne mit gutem Grip zum Klettern und eine daunenwarme zum Aufwärmen. Das nicht verwendete Paar steckt man am besten unter die Jacke (Vorsicht, dass sie nicht unten rausfallen), hier bleiben Sie immer warm. Auch eine dünne unterm Helm getragene Haube erhöht den Wohlfühlfaktor deutlich. Beim Schuhwerk sind wintertaugliche Lederbergschuhe sicher am optimalsten. Mit Tourenskischuhen hat man keine Freude, auch brechen in Rissen die Schnallen relativ leicht ab.

Tourentipps - Wiener Hausberge:

$Schneeberg:

Herminensteig (1): Gut um die ersten Schritte zu wagen. Seine Nordostlage garantiert Winterfeeling. Herminensteig

Bürklesteig (3): Der Klassiker und der Stemmkamin ist mit Tourenschieren am Rücken ein Hochgenuss. Dafür kann man aber über Wurzengraben u. Co wieder Abfahren. Bürklesteig

Gamsgartlgrat (4): Vom Bürkle ist das nächst schwere Ziel gut einzusehen Gamsgartlgrat

Richterweg und Stadelwandgrat (5-): Thomas Behm würde sagen: „Die absolut ultimativste Winterkombi im Rax/Schneeberggebiet“ Richterweg (man kann auch nur den Richterweg machen) und Stadelwandgrat

$Rax:

Gaislochsteig (B bzw. WI 3): Wer das klassische Gaisloch vom Sommer kennt wird sich wundern. Nur mit Steigeisen, Pickel und Eisschrauben begehbar. Gaislochsteig

Gustav Jahn Steig (B): Wirklich unangenehme und nicht ungefährliche Sache, die nur etwas für Könner ist. Seil, Steigeisen, Eispickel und eine gute Moral auch für den Nachsteiger Gustav Jahn Steig

Wildes Gamseck (2): Auch im Winter ein wildromantischer Anstieg von Altenberg aus Wildes Gamseck

$Ötscher:

Rauher Kamm (1): Der ganz, ganz große Klassiker unter den Winteranstiegen. Für den Zustieg idealerweise Tourenschi und danach auf den Ötscher und übers Ötscherhaus nach Lackenhof abfahren. Rauher Kamm

Text: Andreas Jentzsch

Fotos: Axel Jentzsch, Andreas Jentzsch und Erhard Mitsche

Leichte Kletterstelle am Rauhen Kamm
Perfekter Grat - Rauher Kamm
Auch das ist der Rauhe Kamm - bei etwas schlechterem Wetter
Gewürzt mit einigen leichten Kletterstellen - Wildes Gamseck
Standplatz im Winter - manchmal muß man etwas kreativ sein...
Auch hier ein schöner Grat - Wildes Gamseck
Wildes Gamseck - Rax Westseite.
Auch im Winter ein Problem - der sichere Standplatz
Gaisloch - Hier im Nov. ohne Eis.
Bürklesteig - im Sommer 2ter Grad
Im Kamin des Bürkle Steiges (Schlüsselstelle)
Sehr beliebt - über den Rauhen Kamm auf den Ötscher


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