Via delle Bocchette – Brenta Durchquerung

Klettersteig
Leicht
(3)

Toureninfo

Diff.
Schwierigkeit C
Kletterlänge / Gesamthöhe / Kletterzeit / Gesamtzeit
Kletterlänge / Gesamthöhe / Kletterzeit / Gesamtzeit 490 Hm  /  860 Hm
4:30 Std.  /  10:30 Std.
Absicherung
AbsicherungGut
AusrichtungNordwest
AusrichtungNordwest
Zustiegszeit
Zustiegszeit 1:30 Std.
Abstiegzeit
Abstiegzeit 4:30 Std.
Kondition:
Kraft:
Erfahrung:
Landschaft:
Beste Jahreszeit:
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dec

Standort / Karte

Tourenbeschreibung

Berg:
Cima Tosa  (3173 m)
Charakter:

Der mächtige Gebirgskamm der Brentagruppe liegt eigentlich auf der anderen Seite des Etschtales und wird dennoch fälschlicher Weiser oft zu den Dolomiten gezählt. Der Grund dafür liegt sicherlich in der dolomitenähnlichen Felskulisse, die mit ihren senkrechten Wänden und Türmen die 3000er Grenze überragt und in ihren hintersten Felswinkeln auch heute noch Gletscherreste verbirgt. Die echten Felskletterer zieht es lieber in die etwas höheren echten Dolomitenwände, was auch daran liegen mag, dass die Königslinien in der Brenta den Ferratisten vorbehalten sind. Die Brentagruppe gehört zweifelsfrei zu den besten mit Eisenleitern erschlossenen Gebirgsgruppen im gesamten Alpenraum. Weit über die italienischen Grenzen bekannt ist die Via delle Bocchette oder Bocchette Weg im Süden der Brenta. Obwohl die Tour durchaus anspruchsvoll ist, wird sie von Ferratisten geradezu gestürmt. Zu recht, denn dieser Höhenweg ist einer der einzigartigsten Panoramasteige der Alpen und verläuft zwischen dem Grostèpass und der XII Apostel Hütte auf einer durchschnittlichen Höhe von ca. 2500 bis 2700 m immer ganz scharf entlang des Brenta Hauptkammes. Der Bocchette Weg gliedert sich in einzelne Teilabschnitte über Grate und schmale Bänder mit berauschenden Tiefblicken. Optimaler Ausgangspunkt ist Madonna di Campiglio.

Via delle Bocchette – in 4 Tagen durch die südliche Brenta:

Am ersten Tag dieser weltberühmten Himmelsleiter geht es gemütlich mit der Seilbahn hinauf auf den Passo del Grostè, von wo aus man in einer guten Stunde den Einstieg des Sentiero Alfredo Benini am Fuße der Cima Grostè erreicht. Dieser führt an der Ostseite der Cima Falkner auf einem sonnendurchfluteten und immer schmäler werdenden Band zur Cima Sella und wechselt davor kurz auf die Westseite, bevor es über unzählige Leitern steil hinunter zur Bocca di Tuckett geht. Am unteren Ende des Kars sieht man bereits die gleichnamige Hütte, auf der ein gemütlicher Einstiegstag seinen urigen Ausklang findet, bevor am nächsten morgen die Königsetappe wartet. Am zweiten Tag steigt man wieder in die Bocca di Tuckett hinauf und folgt dem Brenta Hauptkamm auf dem Sentiero Bocchette Alte in einem fantastischen Auf und Ab über ausgesetzte Leitern und schöne Querpassagen auf den „Brentabändern“– Dolomitenfeeling der Extraklasse! - nach Süden zum Rifugio Alimonta. Dieser Abschnitt ist von vielen langen und teilsweise extrem steilen Leitern geprägt, deren  Höhepunkte die Scala degli Amici bzw. Scala degli Die (Götterleiter) bilden. Auch überschreitet man auf der Bocchette Alte kurz die 3000er Marke, der Aufstieg auf die 3150 m hohe Cima di Brenta ist grundsätzlich möglich, sollte aber nur von erfahrenden Alpinisten gemacht werden (ungesicherte Kletterei bis 2-).  Am dritten Tag geht es auf der Via delle Bocchette Centrale, dem berühmten Bänderklettersteig direkt ins Herz der Brenta mit der eindrucksvollen Felsnadel des Campanile Basso, die 450 m aus dem Kar ragt. Immer auf ganz schmalen aber gut gangbaren Felsbändern, die wie mit dem Lineal gezogen die Felswände teilen, gelangt man zum Rifugio Pedrotti-Tosa. Am letzten Tag stehen der Sentiero Brentari und der Sentiero dell‘Ideale auf dem Programm. Beide Steige zählen zu den ältesten Brentasteigen und stellen den letzten Teil der Brentadurchquerung dar, die vor allem von den beiden Gletschern geprägt ist. Der Abstieg auf den d‘Ambiez Gletscher und der Beginn des Aufstieges zur Bocca d‘Ambiez gehören wegen des Gletscherrückganges zu den schwierigsten Passagen des gesamten Bocchette Weges. Bevor es auf den Gletscher hinunter geht, können sehr erfahrene Alpinisten noch auf den höchsten Brentagipfel, die Cima Tosa, 3173 m steigen, sie müssen dabei aber einen steilen Kamin im 2ten Schwierigkeitsgrad im Auf- und Abstieg überwinden. Für Freunde steiler Eisenleitern bietet sich die Variante über die Ferrata Ettore Castiglione an. Beide Varianten treffen sich beim Rifugio XII Apostoli, wo man die gelungene Durchquerung der Brenta mit dem lustigen Hüttenwirt so richtig feiert und sich am nächsten Tag auf den auf den landschaftlich schönen, aber langen Rückweg macht. Dieser kann entweder im Tal oder, wieder an mehreren Tagen im ersten Stock der Brenta erfolgen. Denn parallel zum Bocchette Weg, der sicherlich das Brenta Penthouse darstellt, kann man die südliche Brenta im Osten und im Westen auch eine Etage tiefer auf schönen und etwas weniger schweren Klettersteigen, wie z.B. den Sentiero SOSAT oder Sentiero Osvaldo Orsi oder die durchqueren, die auch gerne bei unsicherem Wetter oder Kräftemangel als Ersatzetappe herangezogen werden.

Genaue Routenbeschreibung:

Teilabschnitte der Brentadurchquerung Bocchette Weg (mit Toposkizzen):

Sentiero Alfredo Benini - Tag 1
Sentiero Bocchette Alte - Tag 2 (Tag 1 und 2 kann man gut zusammen legen.)
Via delle Bocchette Centrale - Tag 3
Sentiero Brentari/Sentiero dell‘Ideale - Tag 4

Ausrüstung:

Komplette Klettersteigausrüstung und Helm. In der Vor- und Nachsaison evtl. Steigeisen und Leichteispickel.

Ergänzung zur Schwierigkeit:

Die oben genannten Zeiten und Schwierigkeiten beziehen sich auf den längsten und herausfordernsten Streckenabschnitt - den Sentiero Bocchette Alte am 2. Tag der Brenta-Durchquerung.

Zustieg zur Wand:

Von der Bergstation der Grostè Seilbahn am Passo del Grostè folgt man dem Weg 305 (Sent. Benini) und geht in südlicher Richtung auf den schon sichtbaren Felsblock der Cima Grostè zu. Unter den Nordabbrüchen folgt man der Markierung links an die Kante zum Einstieg mit Tafel auf 2726 m (Vorsicht, noch vor den Nordabbrüchen zweigt links ein Weg zum Gipfel der Cima Roma ab, dieser wird oft fälschlicherweise benutzt).

Abstieg:

Auf dem Weg 304 zum Rif. XII Apostoli absteigen (1¼ Std.). Von der Hütte auf dem Weg 307, dann auf dem Weg 324 ins Val d‘Agola hinunter. Vorbei am oberen Parkpl. (1323 m, bis dorthin 3 Std.), entlang der Straße talauswärts, bis man nach der Brücke (1172 m) rechts nach Mad. di Campiglio abzweigt. Aufstieg zum Rif. Vallesinella - vor der Brücke re. über die M. Brenta Bassa - möglich (jeweils ca. 1¼ Std. ab Wanderparkpl.).

Kartenmaterial:

AV-Karte Nr. 51, Brentagruppe; Kompass WK 73, Gruppo di Brenta

Bemerkungen:

Ideale Zeit für den Bocchette Weg ist der Sommer. Im Herbst liegt in den Gipfelregionen oft schon etwas Schnee, dann sind etwas heikle (da vereiste) Passagen dabei.

Hütten Brentadurchquerung (Weblink zur Hüttenseite:
Rifugio Tuckett
Rifugio Alimonta
Rifugio Pedrotti
Rifugio XII Apostoli

Infostand: 

08.02.2016

Autor: 

Andreas Jentzsch

Autor (Referenz): 

Ausgangspunkt / Anfahrt

Anreise / Zufahrt:

Auf der Autobahn A22 bis zur Ausfahrt „San Michele a. A. - Mezzocorona“, dann auf der SS43 und SS42 bis Dimaro. Dort zweigt man links auf die SS239 nach Madonna di Campiglio ab. Parken bei der Talstation der Grostèbahn (gebührenpflichtiger Parkplatz).

Talort / Höhe:

Madonna di Campiglio  - 1522 m

Ausgangspunkt / Höhe:

Rif. Tuckett  - 2272 m

Bilder (12)

Die steilen Leitern hinunter zum Rif. Alimonta (2. Tag)

Die steilen Leitern hinunter zum Rif. Alimonta (2. Tag)

Die zackigen Felstürme der Brenta.

Die zackigen Felstürme der Brenta.

Ende September am vereisten Stahlseil.

Ende September am vereisten Stahlseil.

Wegweiser auf dem Bocchette Weg.

Wegweiser auf dem Bocchette Weg.

Im Bereich der Bocca degli Armi (3. Tag).

Im Bereich der Bocca degli Armi (3. Tag).

Band auf dem Bocchette Centrale (3. Tag).

Band auf dem Bocchette Centrale (3. Tag).

Rast auf dem Bocchette Centrale (3. Tag).

Rast auf dem Bocchette Centrale (3. Tag).

Wegweiser beim Abstieg vom Rifugio XII Apostoli

Wegweiser beim Abstieg vom Rifugio XII Apostoli

Blick vom Sentiero Oliva Detassis auf die verschneiten Berggipfel.

Blick vom Sentiero Oliva Detassis auf die verschneiten Berggipfel.

Schöne Stimmung beim Rifugio Pedrotti

Schöne Stimmung beim Rifugio Pedrotti

Blick vom Rifugio Pedrotti auf die letzte Etappe der Brenta Durchquerung.

Blick vom Rifugio Pedrotti auf die letzte Etappe der Brenta Durchquerung.

Schönes Brenta Panorama

Schönes Brenta Panorama

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