Denis Urubko im Sturm des Makalus © Simone Moro
29 Februar 2016

8000er Winterbesteigung

Die Regeln, das Wetter und die Geschichte der härtesten Spielart des Höhenbergsteigens.

Schon wieder ist ein 8000er im Winter bezwungen wurden. Grund genug, der Frage auf den Grund zu gehen: Was macht die Begsteigung der höchsten Berge zur kalten Jahreszeit so schwierig und wer stand schon mal im Winter auf einem der 14 Achttausender? 

Geschichte der 8000er Winterbesteigungen

Bis dato wurden 13 der 14 Achttausender im Winter bestiegen. Die 8000er in Nepal wurden zuerst bestiegen, dann kamen die 8000er in Pakistan an die Reihe. Den Anfang machten die Polen, die die sich durch besondere Zähheit auszeichnen und auch eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen. Sie führten in einem achtjährigen Marathon durch ihre Wintererstbesteigungen das Klettern im Himalaya in eine neue Dimension:

1980, Everest: Leszek Cichy.

1984, Manaslu: Maciej Berbeka, Ryszard Gajewski

1985, Cho Oyu: Maciej Berbeka, Maciej Pawlikowski

1985, Dhaulagiri: Andrzej Czok, Jerzy Kukuczka.

1986, Kangchenjunga: Jerzy Kukuczka, Krzysztof Wielicki

1987, Annapurna: Jerzy Kukuczka, Artur Hajzer

1988, Lhotse: Krzysztof Wielicki

Nach einer achtjährigen Pause schaffte es dann mit Simone Moro (I) erstmals ein Nicht-Pole am 14.Jänner 2005 auf den Gipfel der Shisha Pangma. Sein Gipfelpartner war mit Piotr Morawski aber wieder ein Pole. Davor war alledings schon am 11. Dezember 2004 der Franzose Jean-Christophe Lafaille auf dem Gipfel, allerindgs beginnt der kalendarische Winter erst am 21.Dezember.

Seit 1988 gab es neben Simone Moros Gipfelsieg überhaut nur fünf Winterbesteigungen eines 8000er, darunter auch die Schweizerin Marianne Chapuisat, die als erste und bis dato einzige Frau im Winter auf einem 8000er stand (1993, Cho Oyu).

2009 stehen Simone Moro und der Kasache Denis Urubko auf dem Gipgel des dem des Makalu, 8463 m (mehr.)

2011 erreichten Simone Moro, Denis Urubko und Cory Richards den Gipfel des Gasherbrum II. Damit ist der Gasherbrum II der erste der vier Achttausender im Karakorum und der fünf pakistanischen Achttausender, der im Winter gemacht wurde (mehr).

2012 gelang den beiden Polen Adam Bielecki und Janusz Gołąb die besteigung des Gascherbrum I.

2013 waren wieder die Polem am Zug. Maciej Berbeka, Adam Bielecki, Tomasz Kowalski und Artur Malek gelang die erste Winterbesteigung des Broad Peaks, 8051 m. Berbeka und Kowalski starben beim Abstieg. 

Vor wenigen Tagen erreichten am 26.2.2016 der Baske Alex Txikon, Pakistani Ali Sadpara und wieder Simone Moro den Gipfel des 8.126m hohen Nanga Parbats.

Der Italiener Simone Moro ist mit vier 8000ern der erfolgreichste Winterbergsteiger, gefolgt von vom Polen Maciej Berbeka mit drei Winter 8000ern.

Jetzt wartet nur noch der K2 auf seine Bezwingung zur kältesten Jahreszeit.

Denis Urubko im Sturm des Makalus © Simone Moro
Auch im Zelt herrscht tiefster Winter © Meroi/Bennet Makalu 07/08
Simone Moro im Camp 2 am Broad Peak 07/08 © Simone Moro
Simone Moro im Winter 2005 auf dem Gipfel der Shisha Pangma 8027m © Simone Moro
Simone Moro im Winter 2009 auf dem Gipfel des Makalu 8463 © Simone Moro
7-Tage Durschnittsdetail BC und Gipfeltemperaturen am Everest von Nov. bis Feb © ExplorersWeb
Die Temperaturen beim Nanga Parbat Gipfelsieg

Was macht das Winterbergsteigen im Himalaya so schwierig? 

Kalender und Kälte

Traditionell gelten Besteigungen als Winterbesteigungen, wenn sie im kalendarischen Winter, d.h. zwischen 21. Dez. und 21. März stattfinden. Eine strengere Norm sagt, dass die ganze Expedition und nicht nur der Gipfeltag in dieser Zeit liegen muss.

Am Gipfel des Everest ist der 21. Dez. mit durchschnittlich -37° C der kälteste Tag. Danach steigt die Temperatur bis 28. Feb. nie über -33 ° C. Die niedrigste vorhergesagte Gipfeltemperatur war -41°C.

„…die Nacht war extrem kalt, wir stoppten auf 7700m, weil es bereits 15 Uhr war und sich der Bergschatten auf uns legte. Unsere Füße froren wieder ein. Ein weiterer Aufstieg hätte unter diesen Extrembedingungen ein Biwak bedeutet, mit dem Risiko Hände und Füße zu verlieren.“ Simone Moro bei einem seiner Winterversuche am Shisha Pangma.

Wind

“Es ist ein Inferno” meldet Luca im Makalu BC im Jänner 2008. „Es ist so, als hätten wir unsere Zelte auf einem Zuggleis aufgestellt, wo jede Minute ein Schnellzug nur einen Meter vor uns vorbeirast“ berichtet Denis Urubko. Karl Gabl von der AV Wetterwarte Innsbruck hat für diesen Tag auf 8000m -40° C und Jetstream mit über 120 km/H vorhergesagt.

Manchmal im Oktober schießt der Wind ganz plötzlich zum Everest Gipfel und macht ihn zum windigsten Punkt auf der Erde. Ab dem 20. Okt. bis Ende Jan. herrschen an drei von vier Tagen hurrikane-artige Winde in den Gipfelregionen, wobei für den Everest am 6.2.2004 175 km/h vorhergesagt wurden, was deutlich über einem Hurrikane der Stufe 5 liegt.

Frost

Extreme Kälte und starker Wind sind die perfekten Zutaten für Erfrierungen bzw. Frost.. Gemäß dem National Weather Service fällt der Frost Index durch den Wind im Jänner bis zu -70C (-90F). Das heißt, dass man im Winter im Schnitt im BC binnen 30 min und am Gipfel binnen 5 Minuten mit Erfrierungen rechnen muss. Das macht den Everest und die anderen 8000er nicht nur zum kältesten Platz auf dieser Erde. Zwar wurden in der Russischen Basis Vostok in der Antarktis bereits -89°C gemessen, doch war dies auf Meeresniveau und bei ruhigem Wind.

Als einziger Vorteil verbleibt die im Vergleich zu den Sommermonaten höhere Trockenheit.

Lagerkoller

Unter Lagerkoller versteht man einen vorübergehenden psychischen Erregungszustand bei (zwangsweiser) Lagerunterbringung. Anders als im Sommer sind zur kalten Jahreszeit nur ganz wenige Teams am Berg, die oft in einem Konkurrenzverhältniss zueinander stehen. Man teilt sich das Basislager und tu sich dennoch zusammen, da einem schnell klar wird, dass man alleine geringere Chancen auf den Gipfel hat. Alex Txikon versuchete sich letztes Jahr gemeinsam dem Italiener Daniele Nardi am Nanga Parbat und erreichte eine Höhe von 7850 Metern. Nardi war auch in diesem Winter im Team von Alex, reiste aber wenige Tage vor dem Gipfelerfolg im Streit ab.

Interressant auch, dass alle vier Gipfelaspiranten am Nanga Parbat auf den letzten Metern nicht gemeinsam aufgestiegen sind, sondern eigene Linien wählten. Ali Sadpara klettere über Felsen zum zum höchsten Punkt, Alex Txikon und Simone Moro über einer eine vereiste Rinne. Die Südtirolerin Tamara Lunger, die rd. 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren musste, wählte auch einen eignen Weg. 

The Journey is the Reward - Guter Film über Simones letzten Versuch gemeinsam mit dem David Göttler den Nanga Parbart im Winter zu besteigen. 



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