Dani Arnold an der Petit Dru
30 Dezember 2021

Das war das Bergjahr 2021

Massenansturm in den Bergen, K2 im Winter, Olympia, viele 9bs und Speed – der bergsteigen.com Jahresrückblick.

Corona brachte den Outdoorsportarten auch im zweiten Pandemiejahr einen großen Schub. Die Berge wurden wieder gestürmt und die Bergsporthändler leergekauft. Klar, dass so was nicht ohne Folgen bleibt. Gebiete wurden gesperrt und die Parkraumbewirtschaftung erfreut sich größter Beliebtheit und macht Klettern und Bergsteigen teurer. Im berühmten Yosemite valley braucht man seit diesem Jahr sogar zum Klettern ein Permit. Positiv ist hervorzuheben, dass in Österreich trotz dieses Massenansturmes die Alpinunfälle im Sommer 2021 zurückgegangen sind. Sportlich brachte das letzte Jahr auch einiges:

K2 Winterbesteigung

Am 16. Jänner ringt ein zehnköpfiges nepalesisches Sherpateam lustig singend dem zweithöchsten und schwierigsten 8000er seine erste Winterbegehung ab (mehr dazu). Davor hatte sich die Bergsteiger-Weltelite über Jahre am K2 im Winter die Zähne ausgebissen. Einer des Sherpateams, Nimsdai Purja gelang die Besteigung sogar ohne Flaschensauerstoff, was in Anbetracht des fröhlich, lockeren Gipfelmarsches von manch einem Experten aber auch bezweifelt wird.

Modernes Höhenbergsteigen

Klassisches und schwieriges Alpinbergsteigen an hohen Bergen zeigen die Tschechen Marek Holeček und  Radoslav Groh. Sie eröffneten eine schwierige, 1800 m lange neue Route durch die gewaltige Westwand des Baruntse im Alpinstil, d.h. ohne Fixseile, ohne Träger und ohne Sherpas. Auf dem Gipfel angekommen, begann für die beiden Spitzenbergsteiger aber ein Wettlauf gegen den Tod. Das Wetter schlug um, und sie saßen vier weitere Tage an dem 7129 m hohen Berg fest – insgesamt neun Biwaks! (mehr dazu).

Alpinist Simon Gietl

Der Südtiroler Spitzenbergsteiger zeigt auch im letzten Jahr in seinen Heimatbergen ganz starke Leistungen. Ihm gelingen,  neben vielen alpinen Erstbegehungen, die erste Winter-Solo-Begehung des Mittelpfeilers am Heiligkreuzkofel und der Durchstieg aller drei Zinnen Nordwände an einem Tag.

More Speed

Wenn es um superschnelle Begehungen in den Alpen geht, landet man rasch beim Schweizer Dani Arnold, der inzwischen die Rekorde an den großen Alpenwänden hält. Letztes Jahr raste Dani in 1:43 durch die Nordwand der Petit Dru. Auch der Mont Blanc sah mit 6:35:32 für den Auf- und Abstieg von Courmayeur aus durch Manuell Merilles eine neue Bestzeit und Jonas Hainz brauchte für die Ortler Nordwand von Sulden und retour unter vier Stunden. Dafür muss man nicht mal eine Tageskarte am Parkplatz lösen;-)

Tokio 2020

Mit einem Jahr Corona Verspätung starten in Tokio die Olympischen Sommerspiele und Klettern ist erstmals probeweise als Sportart mit dabei. Allerdings mit dem sogenannten Combined Modus, einer Mischung aus Speed, Bouldern und Lead, in einer sehr unglücklichen Art und Weise, was bei den Herren zu einem Favoritensterben führt. Alex Megos verpasst das Finale, Gold geht an den Spanier Alberto Genis Lopez (schon mal von ihm gehört?) und Bronze an den Österreicher Jakob Schubert, der wenige Wochen nach den Olympischen Spielen mit einem Weltmeistertitel ein super erfolgreiches Jahr für sich verbuchen kann. Bei den Damen machen die Weltcup-Stars auch in Tokio die Plätze unter sich aus, die Slowenin Janja Garnbret gewinnt souverän, gefolgt von zwei Japanerinnen.

Simon Gietl bei der ersten Winter-Solo-Begehung des Mittelpfeilers am Heiligkreuzkofel
Dani Arnold an der Petit Dru
Jakob Schubert nach dem Finale in Tokio (c) Austria Climbing
Stefano Ghisolfi bei der Erstbegehung von Erebor 9b/+
Cesare Maestri (c) Matteo Pavana
Silvan Schüpbach in der Route "Forum" (800 m, 22 Seillängen, 7c max)
Laura Rogora bei der ersten Wiederholung von Erebor 9b/+ in Arco

Highend Klettern

Jenseits des Franzosengrades 9b, der Schwierigkeitsgrad, mit dem man heute noch gut einen Sponsorvertrag ergattern kann, tummeln sich mit Adam Ondra, Alex Megos (ihm gelingt auch ein Flash einer 9a Route am Plombergstein), Stefano Ghisolfi und Jakob Schubert und ganz wenigen anderen nur die üblichen Verdächtigen. Bei den Damen zeigt im Oktober Laura Rogora mit der ersten Wiederholung von Erebor 9b/+ in Arco auf. Erebor wurde im Jänner 2021 von Stefan Ghisolfi erstbegangen und gilt als schwierigste Sportkletterroute Italiens. Die zierliche Italienerin klettert nach Angy Eiter damit als zweite Frau eine 9b Route.

Alpine Erstbegehungen

An den Felswänden der Alpen entstehen auch im letzten Jahr viele anspruchsvolle und interressante Routen. Den Anfang machen Martin Feistl und David Bruder mit ihrem Mixedclimb Stalingrad (1000 m, M8, WI 7) im Karwendel. Christoph Schranz klettert sein Projekt „Ocha- Schau- Schuich“ im Kolloseum an der Hohen Munde (300m, 8c) rotpunkt. Im Oktober gelingt Silvan Schüpbach die - wahrscheinlich – schwierigste, reine trad Mehrseillängenroute der Schweiz, “Tradündition“ zieht auf 230 Meter durch die Westwand des Dündenhorns und checkt bei 8a ein. In Südtirol sind es die Gietl Brüder, die sehr viele gute und teils recht alpine Routen erstbegehen. Ein Hotspot ist das Antholztal mit Routen wie Heimatbühne (420 m, 8-) oder Licht und Schatten (650m, 7+).

Cesare Maestri

Anfang des letzten Jahres verließ uns Cesare Maestri, auch die Spinne der Dolomiten genannt, im Alter von 91 Jahren. Er gehörte zu den besten Kletterern seiner Zeit und machte sich mit schwierigen Solobegehungen und Erstbegehungen in der Brenta-Gruppe und den Dolomiten einen Namen. Berühmt wurde er auch durch die Kontroverse um seine Erstbesteigung des Cerro Torres. Einen guten Nachruf findet ihr hier: https://www.bergsteigen.com/news/neuigkeiten/cesare-maestri-addio-dem-ragno-delle-dolomiti/

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