Die richtigen Schuhe für den Klettersteig
12 Oktober 2021

Die richtigen Schuhe für den Klettersteig

Welcher Schuh ist für einen Klettersteig, Via Ferrata am besten? Die richtige Sohle, Schuhhöhe und Material und Tipps vom Klettersteig-Profi.

Klettersteige boomen und jeder will möglichst sicher, diese neue Alpinsportart genießen. Die PSA (Persönliche Sicherheits Ausrüstung), wie Gurt, Klettersteigset und Helm sind genormt, doch wie sieht das mit den Klettersteigschuhen aus? Welchen Schuh nehme ich für welchen Klettersteig und gibt es einen Allrounder?


Gibt es spezielle Klettersteigschuhe und was müssen Schuhe auf Klettersteigen können?

Die meisten Klettersteigschuhe unterscheiden sich nur durch kleine Details von herkömmlichen Bergschuhen und werden zwischen Leichtbergschuhen und Approach-/Zustiegsschuhen eingeordnet. Grundsätzlich kann man Klettersteige auch mit normalen, leichten Berg- und Zustiegsschuhen machen, man sollte aber beim Kauf auf einige Eigenschaften besonders achten.

Der perfekte Klettersteigschuh

Die von Herstellen auch für Klettersteige entworfene Schuhe zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:

  • Leichte, aber stabile Bauweise, so der Fuß im Schuh einen sehr guten Halt hat.

  • Eine Profilsohle mit einer sogenannten “Cimbing Zone“ an der Spitze, die auf kleinen Tritten mehr Halt bieten soll.

  • Feste, hoch hinauf reichende Schnürung

  • An den Seiten und vorne hochgezogene Gummisohle, um das Leder oder die Membran zu schützen.

  • Sehr gute, stabile Verarbeitung

  • Keine zu weiche Sohle an der Ferse, da diese Sohle im felsigen Gelände nach wenigen Touren kaputtgeht

  • Wasserabweisend und atmungsaktiv

Wie fest oder weich soll der Klettersteig Schuh sein?

Ein fester, steigeisenfester Bergstiefel mit verbiegungsfreier Sohle oder weicher bequemer Wanderschuh? Keines von beiden. Ein guter Klettersteigschuh hat die oben beschriebenen Merkmale, ist leicht und – das ist besonders wichtig – muss gut passen. Er darf nicht zu weit sein, da man sich sonst beim Klettern schwerer tut. Folgende Fragen sollte man sich vor dem Kauf eines Klettersteigschuhs beantworten: Wie schwierig sind die geplanten Klettersteige? Sind die Zu- und Abstiege lang und wie sieht das Gelände dort aus? Komme ich mit Schnee und Gletschern in Berührung?


Halbschuh oder Knöchelhoch?

Das hängt von der Stabilität im Sprunggelenk, der Schwierigkeit der Steige und vom alpinen Gelände ab. Für sehr schwierige Klettersteige, hat sich, wie beim Felsklettern, ein halbhoher Klettersteigschuh bewährt, da er mehr Bewegungsfreihit hat. Hat man bei Zu- und Abstieg Geröllhalden-, oder Schnee-/Gletscherberührung, so empfiehlt sich ein knöchelhoher Schuh, der für Steinen und Nässe schützt. Gleiches gilt bei einer Instabilität im Sprunggelenk, da man mit höheren Klettersteigschuhen nicht so leicht umknickt.

Schnürung

Da der Fuß im Schuh sehr guten Halt braucht, geht die Schnürung weit zu den Zehen hinunter und auch weit hinauf. Oft ist das oberste Schnürsenkelloch etwas nach hinten versetzt, damit der Fuß noch mehr an die Schuh-Spitze und damit direkt an den Fels gedrückt wird.

Die richtigen Schuhe für den Klettersteig
Gute Profilsohle mit Climbing Zone
Der gleiche Schuh nach unserem Test
Ausrüstung für einen Klettersteig
Die Schnürung reicht vom den Zehen bis zum Sprunggelenk
Ein knöchelhoher leichter Bergschuh
Ein Klettersteig mit Schwierigkeit F, hier braucht man einen engen, beweglichen Schuh mit Climbing Zone.

Textil oder Leder?

Beim Material kann man zwischen Kunststoffmembranen und Leder entscheiden. Oft werden die Schuhe aber aus einem Material-Mix hergestellt. Im Bereich der Zehen, Fersen und Sohlenränder findet man in der Regel Leder mit hochgezogenem Gummi, da diese Kombination formstabile und abriebfest ist. Die Lasche bzw. Zunge des Klettersteigschuhs wird oft aus Textil gefertigt, da es weicher, leichter und elastischer ist. Bei den meisten in Mitteleuropa verkauften Klettersteig- und Approachschuhen besteht der Schaft als Textil-Leder-Gemisch mit einer Membran-Zwischenlage (auch aus GoreTex.

Gibt es einen Allround-Klettersteig Schuh?

Ja den gibt es. Ideal sind kantenstabile Zustiegs- oder Klettersteigschuhe, die sich für technisches Gelände und für anspruchsvolle Bergtouren eigenen. Die Sohle ist eher hart, hat eine Climbing Zone und der Gummi ist an den Seiten hochgezogen. Solche Schuhe gibt es als Halbschuh oder knöchelhoch. Einfach den nächsten Fachhandel aufsuchen, passende Outdoorschuhe & Bergschuhe finden und sich dort auch nochmal beraten lassen.

Goretex ja oder nein?

Schuhe mit Gore oder andere wasserabweisende Membranen verteuern den Schuh gleich um bis zu 30%, bringen aber keine zusätzliche Leistung. Auch tut es weh, wenn nach wenigen Touren das erste Loch durch eine scharfe Felskante entsteht. Da man Klettersteige in der Regel bei stabilem Wetter geht, reicht wasserabweisendes Leder völlig aus.

Mit richtigen Kletterschuhen auf einen Klettersteig?

Ja, das wird gemacht, aber in der Regel erst ab dem Schwierigkeitsgrad E. Es werden dann die beim Klettern verwendeten Reibungskletterschuhe verwendet. Sie haben kein Profil und einen speziellen Gummi, der für noch mehr Reibung auf kleinsten Tritten sorgt. Aber Achtung: Reibungskletterschuhe sind wirklich nur am Felsen gut. Beim Zustieg und auf zwischen den Felsen gelegenen Gehpassagen haben sie durch das fehlende Profil kaum Reibung und es besteht Absturzgefahr! 

Kann ich mit Turnschuhen einen Klettersteig begehen?

Nein, denn Turnschuhe schützten – anderes als Trailrunning Schuhe – nicht vor dem Abrutschen im steilen und/oder feuchtem Gelände. Turnschuhe haben eine andere Gummimischung an der Sohle und daher keine so gut Reibung am Fels. Sie sind auch nicht wasserabweisend. Daher ein klares Nein, außer man möchte bei einem Unfall auf die Titelseite „Halbschuhtourist….“;-).

Was ist, wenn Schuh oder Sohle kaputtgehen?

Das kommt vor, und zwar leider eher als man denkt, da das Klettersteig-Gelände die Schuhe extrem beansprucht. In diesem Fall, bitte den Schuh nicht gleich wegwerfen und über den Hersteller schimpfen, sondern sich mit dem Fachhändler in Verbindung setzten und über ihn den Schuh (oft vom Hersteller) reparieren lassen. Er sieht dann fast aus wie neu, man spart Geld und verhält sich nachhaltig!



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