Vergleich Schwierigkeitsskalen Klettersteige
20 August 2018

Schwierigkeitskala Klettersteig

Was bestimmt die Schwierigkeit eines Klettersteiges, welche internationalen Schwierigkeitsskalen gibt es, wie sieht der Vergleich der Skalen aus und wo sind die schwersten Klettersteige?

Die Gesamtschwierigkeit eines Klettersteiges / Via Ferrata setzt sich aus der reinen (kletter)technischen Schwierigkeit und dem Gesamtanspruch zusammen. Ein mit E bewerteter Klettersteig am Alpenhauptkamm mit 1000 m Aufstiegslänge (bis auf knapp 3000 m) und einem langen Zu- und Abstiegsklettersteig stellt sehr hohe Gesamtanforderungen an den Begeher. In kurzen, talnahen Sportklettersteigen zählt hingegen nur die Bewältigung der schweren Einzelstelle.

Oft wird die Schwierigkeit eines Klettersteiges auf die klettertechnische Schwierigkeit reduziert. Wir geben in unseren Klettersteigführern immer auch die Gesamtschwierigkeit an und bewerten die Steige auf bergsteigen.com neben der klettertechnischen Schwierigkeit noch mit den Kriterien Kondition, Kraft, Erfahrung.

(Kletter)technische Schwierigkeit: A - F bzw. 1 - 7

Derzeit gibt es noch keine international einheitlich verwendete Schwierigkeitsbewertung für Klettersteige. Im Ostalpenraum finden wir neben der Bewertung „leicht“ bis „extremst“ und der „deutschen“ K-Bewertung (1 - 7) insbesondere die österreichische Buchstabenskala (A - F). Zwischenstufen bei der Buchstabenskala werden mit z.B. C/D angegeben. In diesem Führer verwenden wir die Buchstabenskala und die Zwischenstufen (z.B. C/D) und als Ergänzung die K-Bewertung.

A = leicht (deutscheK-Bewertung 1): Oft Wanderungen, die an exponierten Stellen mit flachen oder kurzen, senkrechten Leitern, Geländer oder Stahlseil versichert sind. In der Regel ist noch keine Sicherung erforderlich und untrainierte, trittsichere Wanderer können derartige Routen problemlos meistern.

B = mäßig schwierig (deutsche K-Bewertung 2): Steileres Felsgelände mit Trittstiften, Stahlseilen und Ketten. Die Leitern werden länger und steiler; Seilbrücken erfordern Geschicklichkeit. Einige Stellen verlangen gewisse Armkraft. Auch routinierte Klettersteiggeher verwenden auf diesen Steigen die Selbstsicherung. Für Kinder und Anfänger sollte man ein Sicherungsseil dabei haben.

C = schwierig (deutsche K-Bewertung 3 - 4): Da wird es bereits ernst. Steiles bis sehr steiles Felsgelände mit längeren senkrechten Passagen und sogar leicht überhängenden kurzen Leitern. Trittstifte und Klammern haben etwas weitere Abstände und erfordern viel Kraft. Seilbrücken sind nur mit großer Kraftanstrengung und Konzentration zu überwinden. Absolute Sicherungspflicht. Für Anfänger und Kinder nicht mehr geeignet.

Vergleich Schwierigkeitsskalen Klettersteige
Extraplomix - der Schwerste Klettersteig der Welt (c) Axel Jentzsch-Rabl
Die Schlusselstelle (E) des Daubenhorn Klettersteiges ist im Inneren des Berges (c) Andreas Jentzsch
Dieter Wissekal in der Arena Variante (F) des Bürgeralm Klettersteiges
Der Karola Klettersteig an der Jakobswand ist der schwerste Klettersteig Deutschlands (c) Axel Jentzsch-Rabl
Die Schlüsselstelle des Tabaretta Klettersteiges beim Ortler (c) Axel Jentzsch-Ral
Die ansteigende Schwierigkeit beim Klettersteiggehen als Grafik  (c) Axel Jentzsch-Rabl

D = sehr schwierig (deutsche K-Bewertung 5): Fast durchgehend senkrechter Fels mit wenigen Rastpunkten. Oft nur ein Drahtseil, Trittstifte und Eisenklammern. Sollten Klammern oder Stifte vorhanden sein, so haben diese weite Abstände. Komplexe Klettertechniken und Bewegungsabläufe erforderlich. Bereits sehr Kraft raubend und nur von trainierten Klettersteiggehern gut zu bewältigen. Eine Kurzfixierung ist von Vorteil (Zusatzschlinge). Für schwächere Geher unbedingt zusätzliche Seilsicherung. Nichts für Anfänger.

E = extrem schwierig (deutsche K-Bewertung 6): Lange Passagen im senkrechten, glatten Fels nur mit Stahlseil und große Überhänge mit Trittstiften und Klammern (selten gute Rastpunkte). Extrem Kraft raubend, technisch und evtl. auch moralisch anspruchsvoll. Nur von sehr gut trainierten Klettersteiggehern begehbar. Auch gute Bergsteiger brauchen meist eine Kurzfixierung (Rasten).

F = extremst schwierig (deutsche K-Bewertung 7): Längere überhängende Passagen, welche lang andauern, der Fels ist glatt und man kann meist nur auf den Seilankern besser stehen. Athletik - ähnlich wie beim Sportklettern – und sehr viel Kraft sind nötig um solche Passagen zu klettern. Sportkletterer meistern solche Passagen je nach Trainingszustand auch ohne an den Seilankern im Klettersteigset hängend zu rasten (RF = Rastfrei). Für einige F-Klettersteige wird sogar vom Erbauer ein Zusatzseil vorgeschrieben.

G = mehr als extremst schwierig deutsche K-Bewertung 8): Ja so einen Klettersteig gibt es auch und zwar auf Gran Canaria. Der Extraplomix Klettersteig geht etwa 15 Meter waagrecht durch ein Höhlendach und ist somit der schwerste Klettersteig der Welt.  

Italien/Frankreich

Hier finden sich oft eigene Skalen, die wir mit den beiden oberen Skalen vergleichen haben (siehe Bilder).

F/F - leicht facile/facile

M/PD - mittel media difficoltà / peu difficile

D/D - schwierig difficile/difficile

MD/TD - sehr schwierig molto difficile / très diffi cile

E/ED - extrem schwierig estrema difficoltà / extremement diffi cile 

Eine Gegenüberstellung dieser Skalen und Bespiele finden Sie in der Bildergalerie!

Die (technisch ) schwersten Klettersteige:

Die derzeit (Stand 8/2018) technisch schwierigsten Klettersteige im (Ost)alpenraum nach Ländern geordnet sind:

Weltweit: Extraplomix-Klettersteig Gran Canaria (G)

Einen Überblick über die gesamt (technische Schwierigkeit + Gesamtanspruch) schwersten Klettersteige der Ostalpen finden Sie in dem Buch Extreme Klettersteige in den Ostalpen.

Text: Andreas Jentzsch



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