Skibergsteigen – international als „Ski Mountaineering“ oder „Skimo“ bekannt – gehört zu den ursprünglichsten Formen des Wintersports. Schon lange bevor Skifahren zum Freizeitvergnügen wurde, nutzten Menschen Ski als Fortbewegungsmittel im verschneiten Hochgebirge. Aus dieser praktischen Nutzung entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts ein Wettkampfsport, bei dem nicht die Abfahrt, sondern vor allem der Aufstieg im Mittelpunkt steht. Berühmte Hochgebirgsrennen wie die Trofeo Mezzalama oder die Patrouille des Glaciers machten Skibergsteigen international bekannt, auch wenn es lange eine Disziplin für alpine Spezialisten blieb.
Erst seit den 1990er-Jahren entwickelte sich der Sport rasant weiter. Internationale Wettkampfserien, einheitliche Regeln und hochmoderne Leichtbau-Ausrüstung machten Skibergsteigen schneller und professioneller. Gleichzeitig entdeckten immer mehr Freizeitsportler den Aufstieg mit Ski als naturverbundene Alternative zum klassischen Pistenskilauf. Diese Entwicklung führte schließlich zum größten Meilenstein der Sportgeschichte: Bei den Olympischen Winterspielen Mailand-Cortina 2026 wird Skibergsteigen erstmals olympisch.
Die olympischen Disziplinen
Die Wettkämpfe finden im Stelvio Ski Centre in Bormio statt und wurden bewusst kompakt gestaltet, um den Sport für Zuschauer verständlicher und spannender zu machen. Statt stundenlanger Hochgebirgsrennen stehen kurze, intensive Formate im Mittelpunkt.
Sprint (Damen und Herren)
Der Sprint ist ein spektakulärer K.-o.-Bewerb mit mehreren Rennrunden. Die Athletinnen und Athleten steigen mit Fellen rund 75 bis 80 Höhenmeter auf, bewältigen eine kurze Tragepassage mit geschulterten Ski und fahren anschließend ins Ziel ab. Ein Lauf dauert nur etwa zwei bis drei Minuten, weshalb explosive Kraft, Technik und fehlerfreie Materialwechsel entscheidend sind.
Der Sprintbewerb wird am 19. Februar 2026 ausgetragen.
Mixed-Staffel
In der Mixed-Relay bilden jeweils eine Frau und ein Mann ein Team. Beide absolvieren abwechselnd mehrere kurze Runden mit etwa 150 Höhenmetern pro Abschnitt. Neben Ausdauer sind taktisches Timing und schnelle Übergaben ausschlaggebend.
Die Mixed-Staffel findet am 21. Februar 2026 statt und gilt als besonders zuschauerfreundlicher Teamwettkampf.
Die kürzeren Strecken unterscheiden sich deutlich von traditionellen Skibergsteigenrennen, bewahren aber den Kern der Sportart: den ständigen Wechsel zwischen Aufstieg, Tragen und Abfahrt. Das alpine Gelände sucht man bei diesen beiden Parcours allerdings vergeblich, was sehr schade ist.
Österreich bei der Olympia-Premiere
Österreich konnte sich früh einen Startplatz sichern und zählt zu den Nationen mit realistischen Finalchancen. Bei der historischen Premiere vertreten zwei Athlet:innen das Land:
-
Johanna Hiemer (Schladming)
-
Paul Verbnjak (Klagenfurt)
Beide treten im Sprint sowie gemeinsam in der Mixed-Staffel an. Hiemer gehört seit Jahren zu den stärksten Sprinterinnen im Weltcup, während Verbnjak besonders durch seine technische Präzision und starke Wechselzeiten überzeugt – entscheidende Faktoren im modernen Skibergsteigen.
Ein olympischer Bergsport
Mit der Aufnahme ins olympische Programm schließt sich ein historischer Kreis: Aus einer Überlebenstechnik im winterlichen Hochgebirge wurde eine moderne Hochleistungssportart. Die Premiere 2026 bringt eine neue Facette in die Winterspiele und könnte dem Skibergsteigen dauerhaft einen Platz im olympischen Programm sichern – als Verbindung aus alpiner Tradition, Ausdauer und höchster Geschwindigkeit.

Paul Verbnjak (c) Martin Weigl/ÖSV


Kommentare