Ein Zelt kann auch im Winter ein Zuhause sein (c) shutterstock
19 Mai 2019

Das richtige Zelt für deine Bergtour

Ein paar Tipps und etwas Zelt-Know How für die Richtige Auswahl eines Zelts fürs Bergsteigen

Erfahrene Camper und Bergsteiger wissen: Zelt ist nicht gleich Zelt. Von „Geodät“ über „Tunnel“ bis hin zu „Pyramide“, das Eigenheim zum Mitnehmen gibt es in allen erdenklichen Formen und Größen. Bei der Auswahl des richtigen Produktes kommt es immer darauf an, wo und zu welchem Zweck es aufgestellt werden soll. Die wichtigsten Kriterien für den Zeltkauf lauten:

  1. Gewicht
  2. Wetterbeständigkeit
  3. Komfort

Je nach Einsatzbereich müsst ihr dabei unterschiedliche Prioritäten setzen. Welche Faktoren für Bergsteiger besonderes relevant sind, erfahrt ihr hier.

Gewicht

Für mehrtägige Bergtouren mit steilem Anstieg muss das Gepäck auf ein Minimum reduziert werden. Dementsprechend sollte auch eure Campingausrüstung so leicht wie möglich bleiben. Dabei könnt ihr nicht sparsam genug sein. Ein Kilogramm mehr oder weniger auf dem Rücken kann bereits darüber entscheiden, ob ihr es erfolgreich bis ganz nach oben schafft. Für Bergsteiger sind deshalb freistehende Kuppelzelte ideal. In der Regel sind sie wie folgt konstruiert:

  Form    Länge    Breite    Höhe    Max. Personenzahl  
  Rechteckige Grundfläche,   halbkugelförmige Überdachung        2m    1,2m    1m    2  

„Freistehend“ bedeutet hier, dass sie beim Aufbau nicht mit zusätzlichen Heringen befestigt werden müssen. Dies schafft unterwegs Entlastung, da ihr weniger Zubehör im Rucksack transportiert. Die kompaktesten Exemplare gibt es bereits ab 1,5kg. Achtet allerdings beim Kauf genau auf die Produktbeschreibung, denn manchmal sind in der Gewichtsangabe nicht alle benötigten Zusatzmaterialien inbegriffen. Als Testsieger haben sich Leichtzelte der Marke Vaude bewährt, die geringe Last mit hoher Funktionalität vereinen. Entsprechende Modelle findet ihr im Movera Camping-Shop.

Ein Zelt kann auch im Winter ein Zuhause sein (c) shutterstock
Der Natur am nächsten, das geht nur mit dem Zelt (c) Shutterstock
Sehr leichtes Zelt für Bergsteiger und Trekker von Vaude
Aufbau eine Kuppelzeltes (c) Shutterstock
Immer im Rucksack mit dabei, die Leichtzelte (c) Shutterstock

Wetter

Bei Bergtouren müsst ihr vor allem auf extreme Klimabedingungen und Wetterumschwünge gefasst sein. Für heiße Tage ist eine gute Belüftung entscheidend. Damit hochwertige Zelte Feuchtigkeit standhalten, bestehen sie aus beschichtetem Material, das nur bedingt atmungsaktiv ist. Durch diese Abdichtung sammelt sich jedoch schnell Kondenswasser im Inneren. Deshalb müssen zusätzliche Öffnungen für genügend Durchzug in schwülen Nächten sorgen. Allerdings reicht es hierfür nicht, einfach die Reißverschlüsse nicht vollständig zuzuziehen. Je höher die Temperaturen, desto aufdringlicher die Stechmücken. Achtet also im Sommer darauf, dass euer Zelt mit einem großflächigen Moskitonetz ausgestattet ist. Abgesehen von Hitze müsst ihr vor allem gegen starken und dauerhaften Regen geschützt bleiben. Hierfür ist das Maß der Wassersäule entscheidend. Diese Einheit gibt an, wieviel Druck auf ein bestimmtes Material ausgeübt werden kann, ohne dass es durchlässig wird. 1.000 Millimeter Wassersäule entsprechen etwa einem Druck von 0,1bar. En wasserdichtes Zelt sollte folgende Werte aufweisen:

       Wassersäule    Druck in bar    Maximal mögliche Belastung  
  Zeltboden    5.000    0,5    0,5 kg pro cm²  
  Außenzelt    3.000    0,3    0,3 kg pro cm²  

Für Zelte, die einer hohen Feuchtigkeit ausgesetzt sind, eignen sich am besten Außenwände aus imprägniertem Nylon. Bei starkem Niederschlag wird eine zusätzliche Abdeckung mit Polyurethane- oder Silikonbeschichtung über das Innenzelt gezogen. Auch wenn Polyurethane (PU) für die meisten Standardzelte verwendet wird, kann dieses Material bei dauerhafter Nutzung an Reißfestigkeit verlieren. Dagegen garantiert Silikon eine längere Lebensdauer für hochwertige Produkte. Das Überzelt bietet nicht nur Schutz gegen Wasser, sondern auch gegen Wind. Da es mit zusätzlichen Heringen fixiert wird, läuft das freistehende Innenzelt nicht Gefahr, von Sturmböen umgerissen zu werden.

Für Exkursionen in höheren Lagen müssen Bergsteiger auch gegen kalte Nächte gewappnet sein. Bei winterlichen Verhältnissen dürfen Innenzelte auf keinen Fall aus Moskitonetzstoff bestehen, denn nur die Außenwände allein können den Schlafraum nicht genügend isolieren. Darüber hinaus benötigt ihr vor allem eine solide Unterlage. Die Leistung einer Isomatte wird durch ihren Wärmedurchgangswiderstand bemessen. Dieser sogenannte „R-Wert“ bewegt sich auf einer Skala von 1 bis 6. Je höher die Zahl, desto besser die Isolation gegen Bodenkälte. Ab einem Wert von 4 ist eine Matte resistent gegen Temperaturen bis zu -10° Celsius und gilt als wintertauglich. Bei der Schlafsackwahl solltet ihr ebenfalls darauf achten, dass das Modell einen Temperaturbereich bis -10° abdeckt.

Komfort

Natürlich müsst ihr Bergtouren auf einigen Luxus verzichten. In diesem Sinne bedeutet „Komfort“ nicht, es sich im voll ausgestatteten Großraumzelt gemütlich zu machen. Für Bergsteiger entscheiden vor allem zwei Faktoren darüber, wie angenehm die Tour verläuft:

  • Vorbereitung auf alle Eventualitäten und
  • Vermeidung von unnötigem Kraftaufwand.

Demnach sollte euer Zelt möglichst schnell und einfach aufgebaut sein. Zu diesem Zweck bestehen Kuppelzelte aus einem einzigen Aluminiumgestänge, das weiter zerlegt werden kann. Dadurch müssen sie nicht mit Heringen abgespannt werden. Unter stürmischen Verhältnissen sorgt dann das Überzelt für zusätzlichen Halt. Bei sogenannten „Kombi-Zelten“ sind Innenzelt und Überdach bereits zusammengehängt, was den Aufbau erheblich beschleunigt. Allerdings sind auch diese Varianten ohne eine weitere Abspannung eher instabil. Für Exkursionen auf besonders unwegsamem Gelände stellen Geodätzelte eine zuverlässige Alternative dar. Herkömmliche Kuppelzelte bestehen meist aus Gestängen mit nur einem Kreuzungspunkt. Im Gegensatz dazu kreuzen sich in Geodätgerüsten mehrere Gestängebögen. So werden die Außenwände in mehrere Teilflächen unterteilt. Dadurch benötigt das Zelt wenig oder sogar keine Abspannleinen und hält wechselhaftem Wetter genauso wie unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten stand. Diese Vorteile haben allerdings ihren Preis. Geodätmodelle schlagen mit einem höheren Gewicht zu Buche und lassen sich zudem weniger leicht zusammenbauen. Deshalb werden sie hauptsächlich für wissenschaftliche Expeditionen unter Extrembedingungen verwendet.

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