Der US Geological Survey summit marker am Gipfel des Denali (c) Dominik Müller/AMICAL alpin
08 Juni 2017

True Summit

War Andy Holzer wirklich auf allen Seven Summits?

War Andy Holzer wirklich auf allen Seven Summits?

Der von Geburt an blinde 50-jährige Lienzer lebt für die Berge und hat sich bereits durch schwierige Bergtouren und Klettereien einen Namen als Blind Climber gemacht. 2005 bestieg er den Kilimandscharo, 2006 den Elbrus und ein Jahr später auch den Aconcagua (6962 m) mit einem klaren Ziel:

Seven Summits!

„Ich möchte die höchsten Berge jedes Kontinents erklimmen.“ lautete sein großes Projekt, das Andy konsequent verfolgte und das auch medial große Beachtung fand. Andy hält Vorträge und füllt mittlerweile große Säle. Seit 2010 ist Andy Holzer nur noch Profibergsteiger, Testimonial und Vortragender, der besonders stolz auf die Seven Summits ist. Er schrieb auch ein Buch, welches mittlerweile in der 9. Auflage erschienen ist und auf Amazon auch mit den Seven Summits beworben wird. Andy ist gern gesehener Gast in TV Shows (u.a. bei Markus Lanz, Barbara Stöckl), spielt in Filmen mit, istTop-Referent und macht Karriere. Er verdient, lt. eigenen Anaben in einem Zeitungsinterview, sehr gut und legt sein Geld in Mietwohnungen an.

Riesengroß war dann auch vor einigen Tagen die Freude, auf dem Gipfel des Everest zu stehen, und großartig natürlich auch die Leistung von Andy Holzer. „Mt. Everest 8.848 m erreicht“, hieß es nach 49 Tagen am 21. Mai. 2017 und „Es war ein Zittern bis zuletzt. Wird Andy Holzer es schaffen oder nicht. Er hat. Der „Blind Climber“ aus Osttirol stand um 7.10 Uhr auf dem Gipfel des Mount Everest – bei -26 Grad und Windstille. Er ist damit der erst zweite Blinde weltweit, der auf den höchsten Bergen aller Kontinente der Welt stand.“

Auch wir hatten keine Zweifel, nachdem die Jubelbotschaft bereits tagelang durch Radio und Fernsehen ging.

Denali 2008

Nein, es geht nicht um den Everest. Bei dieser Expedition war die Öffentlichkeit zu nahe mit am Berg dabei. Das "Problem" liegt viel weiter nördlich - am Denali. Den höchsten Punkt Nordamerikas hat Andy Holzer, seinen Angaben nach, am 18. Expeditionstag erreicht: „Hallo, Freitag, den 30.Mai 2008 um 15 Uhr 15 haben wir alle fünf den Gipfel des Denali 6194 m erreichtEs war ein wahnsinnig harter Kampf, so habe ich mich schon lange nicht mehr geplagt.“ meldete er sich tags darauf via Satellitentelefon aus Camp IV (siehe https://andyholzer.com/mckinley/tagebuch.html), und es gibt später natürlich auch ein Gipfelfoto mit der Bildunterschrift "Mein Team erreicht mit mir den höchsten Punkt von Nordamerika."  (siehe:https://andyholzer.com/de/fotos/expedition-mt-mckinley-fruehjahr-2008/#undefined). Am Erreichen des Hauptgipfels hatte dadurch bis dato keiner gezweifelt, denn auf dem Bild befinden sich Andy Holzer und noch drei weitere namentlich genannte Bergsteiger, und Vertrauen spielt in Andys Leben eine große Rolle. 

Auch wir vertrauten auf die Meldungen auf Andys Facebook-, Webseite und in den Medien, bis uns am 28. Mai 2017 ein E-Mail erreichte in welchem stand, dass Andy auf dem Foto nicht am höchsten Punkt Nordamerikas gewesen sein soll, sondern nur auf dem „Kahiltna Horn“, einem Vorgipfel des Denali mit ca. 6130 m Höhe. Wir riefen daraufhin einen der namentlich genannten Bergsteiger auf dem Gipfelfoto, den Fotographen und den im Mail angeführten Südtiroler Bergführer und Kameramann Wolfgang Tomaseth an und leiteten das Mail mit den Vorwürfen auch an Andy Holzer weiter.

Bald stellte sich heraus, dass tatsächlich auf dem auch als Schlechtwettergipfel bezeichneten Kahiltna Horn für Andy Holzer Schluss gewesen war. Der Blind Climber beendete den Aufstieg zum 6194 m hohen Gipfel des Denali im Bereich des Kahiltna Horns auf ca. 6130 m bei Sturm, aber sonst gutem Wetter. „Ja, es war eine Teamentscheidung und ein Wunsch von Andy, das Team nicht zu gefährden.“ bestätigt uns einer seiner Begleiter. „Andy hat den Rückweg langsam aber anstandslos angetreten, wir mussten ihn nicht tragen, stützen etc. und schliefen eine Nacht auf 5.300 m und am nächsten Tag gings in einem Rutsch auf 2.200m runter.“

Die Gruppe wurde auch vom Südtiroler Bergführer und Kameramann Wolfgang Tomaseth und seinem Seilpartner beim Auf- und Abstieg überholt. Und auch Bergführer Wolfgang Tomaseth bestätigt uns per E-Mail, dass er die Gruppe um Andy Holzer nicht auf dem Hauptgipfel gesehen hat. Wolfgang war hingegen am Hauptgipfel und meint auch, dass man bei dem Sturm an diesem Tag vom Kahiltna Horn noch eine gute halbe Stunde auf dem exponierten Grat zum Gipfel gebraucht hat.

Bildergalerie: Aufstiegsroute und Gipfel des Denali, 6194 m 

Die ungefähre West Buttress Route am Denali (c / Foto) Walter Laserer/Laserer alpin
 Der US Geological Survey summit marker am Gipfel des Denali (c) Dominik Müller/AMICAL alpin
Der überwächtete Gipfelgrat mit Gipfel vom Kahiltna Horn aus gesehen (c) Dominik Müller/AMICAL alpin
Distanz Kahiltna Horn - Denali Gipfel vom Footballfield aus gesehen (c) Dominik Müller/AMICAL alpin
Der Denali von Westen (c) Walter Laserer/Laserer alpin

Summit Letter

Einen Tag später, am 30. Mai 2017 schreibt uns auch Andy Holzer in einem ausführlichen "Denali Statement" zu den im Mail geäußerten Vorwürfen:

„ Wir erreichten am Nachmittag des 30. Mai (...) jenen Punkt am Kahiltna Horn der laut meinen Informationen auch schon von vorgehenden geführten Expeditionen offiziell als Ersteigung gewertet wurde.

Das Wetter war zwar von der Bewölkung her OK aber sobald wir oben am Grat waren, standen wir in einem fürchterlichen Sturm der das aufrechte Stehen schwierig machte.

Die Temperatur war weit unter 40 Grad minus und für mich war damals wie heute bekannt, dass dieser Punkt als "Schlechtwettergipfel" Gültigkeit hat und hatte. Felix machte ein Foto worauf auch ich zu sehen bin.“ [….]

"Wir haben (Anm: nach dem Abstieg) mit den dort zuständigen Rangern unseren Aufstieg mit all den Details erörtert und ich und auch meine Kameraden haben von der offiziellen Stelle dort das Zertifikat einer gültigen Besteigung des Denali erhalten. Auf dieser offiziellen Grundlage habe ich damals folglich wie jeder anderer Bergsteiger kommuniziert, dass wir als Team am Denali Erfolg hatten" [….]

Andy mailt uns auch das Denali-Zertifikat, in dem „according to the members“ am 2.Juni 2008 bestätigt wird, dass "die gesamte Gruppe den 21,320-foot summit (Hauptgipfel) des McKinley (heute heißt er Denali) erreicht hat."

Noch am gleichen Tag befragen wir auch per Mail/Web die Talkeetna Ranger Station zu ihren Zertifikaten und erfahren tags darauf von Mike von der Talkeetna Ranger Station, dass die Summit Letters nur auf Wunsch von Bergsteigern ausgestellt werden, und sie keinen Summit Letter ausstellen, wenn man nur auf dem Kahiltna Horn war. Diesen gibt es nur, wenn man den 6190*) m hohen South Summit (Hauptgipfel) erreicht hat. Bergsteiger sollen sich nach der Besteigung persönlich bei den Rangern in Talkeetna zurückmelden, und es gibt ein sogenanntes check-back-interview. “One of several questions of the 'check back interview' is to ask if the climber made it to the summit, or what is the highest elevation reached. We believe climbers that tell us they made the summit, climbers are very honest about that subject”.

Auf weitere Detailfragen zur Erstellung des Zertifikats und seinem Seven Summit Projekt wollte Andy am 1.6.2017 nicht mehr eingehen. Es ist aber eigentlich auch egal, welche Höhe auf dem Summit Letter steht und auch, wie dieser zustande gekommen ist. Andy Holzer war stets bewusst, dass er nicht auf dem höchsten Punkt Nordamerikas stand.

*) Die Gipfelhöhe des Hauptgipfels wird manchmal mit 6190m und mit 6194 m angegeben.

Der höchste Punkt

Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob ein Neben- oder Schlechtwettergipfel ausreicht, um „Ich war oben“ zu sagen. Besonders, wenn man Teil einer teuren Expedition ist und/oder man den Berg vielleicht schon öfter versucht hat und wieder nicht ganz oben war - da drängt sich diese Frage fast zwangsläufig auf. Zu groß waren die Entbehrungen, die Mühen und die Qualen.

Im Bergsteigen bestimmt jeder für sich selbst, wo sein höchster Punkt ist, und ob der Weg zum Ziel wird. Sobald man seine Leistungen aber vermarktet, ist es erforderlich, die Fakten genau auf den Tisch zu legen, denn man hat Vorbildwirkung und das viel gerühmte Bergsteiger-Ehrenwort wird nicht verwässert.

Mike von der Talkeetna Ranger Station auf die Frage, ob man das Kahiltna Horn als Denali Gipfel werten kann: “Anyone can say "I have reached the summit of Denali," but I suggest that phrase is more accurate if the climber has stood at the physical location of the summit, as marked by the US Geological Survey summit marker.” (Anm: Und dieser "Summit Marker" steht auf dem Hauptgipfel des Denali, 6194 m.)

Für Walter Laserer, Inhaber von Laserer alpin, der als erster Österreicher auf den Seven Summits stand und immer einen Gast dabei hatte, steht fest, "dass die Serie der Gipfel „Seven Summits“ heisst und eben nicht der „Seven Ski-Summits“ oder Schlechtwettergipfel. Auf den klassischen „Seven Summits“ hat nur der gestanden, der auch die jeweiligen Gipfel exakt betreten hat. Viele Gipfelaspiranten und Sammler der „Seven Summits“ reisen aus diesem Grund manchmal sogar mehrere Male zum gleichen Ziel, weil sie aus irgendeinem Grund eben den exakten Gipfel nicht betreten konnten. Erst wenn man exakt auf dem höchsten Punkt war, war man natürlich auch auf einem der „Seven Summits“.

Auch für Dominik Müller, dem Inhaber von AMICAL alpin und Mitglied im Vorstand des VDBS, der bereits alle Seven Summits mit Kunden bestiegen hat steht fest, man ist am Gipfel des Denali, wenn man den Vermessungspunkt erreicht hat. Dieser markiert den höchsten Punkt und damit den Gipfel. Der zeitliche Aufwand vom Kahiltna Horn über den doch in einigen Bereichen deutlich überwechteten Grat bis zum gut 70m höheren Gipfel ist deutlich mehr als eine halbe Stunde und verlangt noch einmal volle Konzentration und Einsatz. Egal welcher Gipfel, man ist erst am höchsten Punkt angekommen, wenn es in alle Richtungen bergab geht. Warum sollte dies an einigen Bergen oder den Seven Summits anders sein?

Webtipps: 


Andy Holzer


Laserer Alpin

Amical

Update vom 14.6.2017

Andy Holzer sagt dem ORF das, was er „immer schon“ gesagt hätte, verzettelt sich bei den Angaben über die erreichte Höhe und schreibt seinen treuen Fans.

Dem Gipfel so nah, oder wie hoch ist Andy Holzer wirklich gekommen?

Am 30.5. schreibt uns Andy Holzer, dass der am Kahiltna Horn,6130 mumgekehrt sei. Das wurde uns auch von Thomas Nothdurfter bestätigt.

Am 7.6. schreibt er: . „Nach heutiger Recherche waren wir auf einen Punkt auf rund 6160m.“

Dem ORF gegenüber gibt er Tage später 6160 m oder 6165 m an (ohne einen Höhnmesser mitgehabt zu haben??).

In seinem Statement an treue Fans und Freunde schreibt er am 13.6.:“ …daher beschlossen wir, es auf rund 6.150 m gut sein zu lassen.

Und gemäß Andy Holzers neuersten Recherchen bei offiziellen Stellen soll der Denali auch heute bei offiziellen Stellen zwischen 6.168 m bis 6194 m hoch sein. D.h. es hätten ihm bei einer angeblich erreichten höchsten Höhe von 6165 m nur 3 Höhenmeter bis zum Gipfel gefehlt.

Sollte Andy wirklich die Höhe von 6150 oder 6165 m erreicht haben, so müsste dies ca. am halben ausgesetzten und bei Sturm sehr gefährlichen Gipfelgrat gewesen sein.

Wir haben deshalb nochmal den Südtiroler Bergführer und Kameramann Wolfgang Tomaseth befragt, ob Andy Holzer und sein Team auf 6160 wesen sein könnte. Wolfgang Thomaseth bestreitet dies vehement:völliger Blödsinn. Da oben ist alles absolut übersichtlich, wir hätten die große Gruppe sicher nicht übersehen können und noch einmal- wir haben sie an diesem Tag nicht mehr gesehen!!

Also, Karl und ich waren wirklich sehr schnell unterwegs und wir hätten sie eigentlich beim Abstieg ins Hochlager wieder treffen müssen.

Wo das Gipfelfoto entstanden sein soll ist uns Beiden ein großes Rätsel. Dass Holzer unser Tempo im Abstieg zu übertreffen im Stande wäre, ist ausgeschlossen. Bleibt die Frage: wie weit sind sie gekommen!!“

Der Denali ist lt. „United States Geological Survey” offiziell 20,310 feet (6190,49 Meter) hoch.

Es gibt nichts zu verstecken

Dem ORF Tirol sagte Andy Holzer vor einigen Tagen „Ich sag das gleiche, was ich immer sag…wir waren vor neun Jahren….oberhalb des Kahiltna Horns ….." (nachzuhören hier

"Es gibt da nichts zu verstecken. Für mich persönlich habe ich die Seven Summits bestiegen...."  sagt Andy der Neuen Vorarberger Tageszeitung

Warum hat Andy Holzer, der mit seinem wichtigen Seven Summit Projekt seither groß in der Presse ist, den Umstand, dass er nicht auf dem Gipfel des Denali, 6194 m stand, fast 10 Jahre lang verschwiegen?

Alle Seven Summits dennoch erreicht! 

Seinen Freunden und treuen Fans schreibt Andy Holzer gestern auf seiner Hompage und FB: …„Wenn man von den Seven Summits spricht, so sind das Berge mit einer Gesamthöhe von insgesamt 43.314 Metern. Alle diese Gipfel wurden von mir erreicht, abzüglich 30 Höhenmeter. …..(Anm.: Andy Holzer meint das offensichtlich ernst). 

Text: Andreas Jentzsch



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