Steile Kletterei an der Außenwand von Brecher 1.
05 Juli 2017

Das Klettersteigland Deutschland entdecken

Klettersteiggehen in Deutschland (außerhalb Bayerns) - geht das überhaupt? Der soeben erschienene Klettersteigführer Deutschland gibt Aufschluss darüber und hält die ein oder andere Überraschung parat...

Klettersteiggehen in Deutschland (außerhalb Bayerns) - geht das überhaupt? Der soeben erschienene Klettersteigführer Deutschland gibt Aufschluss darüber und hält die ein oder andere Überraschung parat...

Das Klettersteigland Deutschland könnte unterschiedlicher nicht sein – im Süden befindet sich der gewaltige Alpenstock und im Gegensatz dazu sind im Norden nur sehr wenige Felsstrukturen vorhanden. So verwundert es nicht, dass sehr lange Ferratas an den Alpen gebaut wurden. Abseits der Alpen gibt es aber auch viele, recht interessante Möglichkeiten, die Karabiner in ein Seil zu hängen. Hier einige Highlights:

Sächsische Schweiz – Stiegensteigen in grandioser Landschaft

Als Kontrast zu den mächtigen Alpenwänden finden sich im Elbsandsteingebirge unzählige Felsnadeln, die aus dem dichten Wald über die Baumwipfel ragen und in einer malerischen Landschaft ein gutes Betätigungsfeld für die Klettersteiggeher bieten. Die Klettersteige heißen im Elbsandsteingebirge Stiegen, haben oft abenteuerlichen Charakter und mit dem klassischen Klettersteig wenig zu tun (Beispiel Starke Stiege).

Von den echten Klettersteigen ist vor allem die Häntzschelstiege an den Affensteinen hervorzuheben, die vom Invalidenpensionisten Rudi Häntzschel in den Sechzigerjahren ohne (Bohr-)Maschinenunterstützung illegal errichtet wurde und die auch gesunden Klettersteiggehern einiges an Armkraft abverlangt. Wer sich danach bei einem kleinen Städtetrip in Dresden die Frauenkirche und den Zwinger ansieht, sollte auch im Plauenscher Grund vorbeischauen, denn dort befindet sich einer der schwierigsten Klettersteige überhaupt – die Sachsenstiege. Danach braucht man sicher einen Rasttag

Die Nummer eins Deutschlands – Karola

Gerade einmal 60 Meter hoch, sauglatt und mit einem relativ dünnen Sicherungsseil versehen - das sind die Zutaten für Deutschlands No. 1. Benannt wurde die No. 1 der deutschen Klettersteige nach der Nummer 1 im Leben des Erbauers Wolfgang Pluschke, nach seiner Frau Karola, die auch regelmäßig das AV-Sektionsgelände an der Jakobswand in Nordrhein-Westfalen betreut. Der Klettersteig ist verdient eine glatte F und wenn man auch noch die wenigen Trittstifte, Griffe und Seilverankerungen weglässt, dann ist er vielleicht sogar noch einen Ticken schwerer.

Karola kann es, obwohl die Jakobswand nicht so stark überhängt, ganz locker mit ihren Ösi-F-Kollegen aufnehmen. Die Postalmklamm und die Adrenalin Variante auf der Bürgeralm sind zwar überhängender, aber bei weiten nicht so glatt wie die Jakobswand. Zum Glück gibt es dort noch zwei weitere Steige, falls man den Karola Steig nicht hinaufkommt.

Monte Thysso – der Klettersteig mit Krokodil

Klettersteiggehen im Ruhrpott? Wenn überhaupt, dann in einem stillgelegten Tagbau mit viel brüchigem Gestein. Doch siehe da, wir wurden eines Besseren belehrt - sage und schreibe 28 Meter über dem Meeresspiegel existiert mitten in Duisburg die Via Ferrata Monte Thysso. Auf dem größten Outdoor-Klettergelände mit über 580 Kletterrouten verläuft  die Ferrata an drei Mauern, bietet unzählige Möglichkeiten in fast allen Schwierigkeitsgraden und sogar ein Gipfelkreuz und ein Krokodil (Hochofenbauteil) sind vorhanden. Wer am Abend mit müden Armen aus dem Park geht, kann von Freitag bis Sonntag die Lichtinstallation von Jonathan Park am Nachthimmel sehen – ein echter Hit!

Bildergalerie: Klettersteige in Deutschland

Der Karola-Klettersteig an der Jakobswand.
Steile Kletterei an der Außenwand von Brecher 1.
Rund um den Brecher - der Klettersteig im Stöffelpark.
Der Ferrtata Monte Thysso in Düsseldorf.
Der Grat der Ferrata Monte Thysso.
Auf den Affensteinen bei der Häntzschelstiege.
Die Brücke beim Nonnensteig.
Die neue Ferrata an der Ochelbaude im Elbsandsteingebirge.
Eine der steilen Passagen des Churfrankensteiges.
Bei der Rast im Weingarten - Churfrankensteig.

Brecher Nr. 1

Nein, wir sind nicht beim Wellenreiten auf Hawaii, sondern im Westerwald zwischen den Ortschaften Nistertal, Enspel und Stockum-Püschen. Dort befindet sich am 28 Meter hohen Brechergebäude 1 einer der spektakulärsten und größten Klettersteige dieser Art nördlich der Alpen. Und dieser Klettersteig hat zwei Besonderheiten: 1) Man klettert an der Hausmauer an Klettergriffen und hält sich nicht, wie sonst üblich, am Seil fest. 2) Man muss Eintritt bezahlen. Bisher war uns ein Eintritt bzw. eine Benutzungsgebühr nur von französischen Klettersteigen her bekannt, doch wird auch bei manchen außeralpinen Steigen in Deutschland ein kleiner Obolus verlangt - dafür spart man sich jedoch die Lange Autofahrt in die Alpen. Wer den Brecher – eine Zerkleinerungsmaschine – im Stöffelpark umrundet hat, sollte sich noch unbedingt den Rest des Basaltbergwerks ansehen.

Erlesene Kostbarkeit vom Roten Stein

So wird der ausgezeichnete Spätburgunder von den Südwesthängen des Höhberges bezeichnet, mit dem die Winzer Weltruhm erlangten. Auch der kleine Klettersteig, der sich zwischen den Weinbergen hindurchschlängelt, wurde vom Weinbauverein errichtet. Wichtig bei diesem Steig ist, dass man auf der Route bleibt, denn bereits am Einstieg zweigt der Fränkische Rotwein Wanderweg ab. Wer den Versuchungen widersteht, erlebt ein paar kurze, aber auch recht knackige Klettersteigpassagen in Absprunghöhe. Prost!

Mehr über die kleinen und großen Abenteuer auf Deutschlands Klettersteigen findet ihr im soeben erschienenen Klettersteigführer Deutschland. Denn egal ob im wilden Höllental beim Aufstieg zu Deutschlands höchstem Berggipfel, der Zugspitze, oder an den runden Sandsteinfelsformationen des Nonnenfelsens in Sachsen - der Spaß an der Bewegung und das tolle vertikale Abenteuer bleiben überall gleich!



Kommentare

Neuer Kommentar
Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren.