Claudia bei einer Begehung des Gosauschmied Hammer (c) Walter Laserer
25 August 2021

Iron Lady Claudia Schmid (1964 – 2021)

Ein Nachruf auf die Grande Dame der Eisenwege, die mit ihrer einzigartigen Begeisterung die Klettersteigwelt prägte und viele zu diesem schönen Sport brachte.

Die Klettersteigwelt kennt die Tirolerin Claudia Schmid von ihren vielen, vielen Klettersteigrouten, die sie auch mit vielen von uns persönlich – oft sehr spontan – unternommen hat und dann insbesondere auf Facebook oder in ihren vielen Tourenbeschreibungen auf bergsteigen.com mit uns teilte.

Claudias sportliche Karriere begann aber woanders. Bereits 1980 holte sie ihren ersten Tiroler Meistertitel in der allgemeinen Leichtathletik-Klasse über die 100m Hürden. Die letzten Titel erkämpfte sie 2005 im Hochsprung (Freiluft und Halle). Die letzten Wettkämpfe bestritt sie 2010 in den Wurfdisziplinen. Insgesamt gewann Claudia 62 Tiroler Meistertitel in der allgemeinen Klasse und war damit dritterfolgreichste Leichtathletin in Tirol. Ihr Multitalent zeigte sie in 30x Hochsprung (incl. Halle); 8x 100m Hürden/60m Hürden; 7x Kugel, 7x Mehrkampf, 3x Diskus, 2x 4x200m i; 2x 4x100m, je 1x: 400m, Weit- und Dreisprung. Claudia war eine der Pionierinnen des Hammerwerfens in Tirol und hält in dieser Disziplin immer noch einige Rekorde. (Quelle: tlv.at)

Ein Schicksalsschlag leitete Claudias gesamte Energie in die Berge, da sie aufgrund zweier Hüft-OPs die Leichtathletik an den Nagel hängen musste. Sie verliebte sich dort sofort in die Klettersteige. Unermüdlich begann sie alle Steige in Österreich abzuklettern, wobei es ihr insbesondere die schwersten unter den Eisenwegen angetan hatten. Als sie von der Errichtung des Gosauschmied Hammers (F), dem derzeit schwersten Klettersteig Kontinentaleuropas, am Gosauschmied Stausee erfuhr, nahm sie sofort Kontakt mit dem Erbauer, Walter Laserer, auf und holte sich wenige Tage später eine der ersten Begehungen.

Kein Klettersteig war ihr zu weit weg, oft war sie auch im Winter tagelang alleine in Frankreich, Italien, Tschechien unterwegs – immer auf der Suche nach neuen, noch schwierigeren Steigen. Auf den Klettersteigen schloss sie auch viele ihrer Freundschaften und teilte mit ihnen ihre Begeisterung. Claudia war sich nie zu schade, auch mit schwächeren KS-Gehern Touren zu unternehmen, diese zu unterstützen und zu motivieren. Sie half schon öfter mal fremden Leuten über schwierige Stellen hinweg, die alleine nicht weitergekommen wären. Auf alle Fälle war Claudia als „wandelndes Klettersteigbuch“ Ansprechpartner für Klettersteigler aus aller Welt, alle KS-Fragen wurden immer schnell und zügig von ihr beantwortet.

Claudia auf der Via Ferrata Redovan 2
Claudia bei einer Begehung des Gosauschmied Hammer (c) Walter Laserer
Claudia auf der Via Ferrata Los Penarruscos
Claudia auf der Via Ferrata Les Prises de la Bastille in Grenoble
Eine von Claudias vielen Topovorlagen mit dem Ergebnis
Claudia auf der Via Ferrata di Pont Canavese
Claudia im Bergführerweg - Eisenzeit an der Zugspitze Nordwand

Wir lernten Claudia über ihre unzähligen genauen Tourenbeschreibungen kennen und schätzen, zeichneten gemeinsam viele Topos und machten auch die ein oder andere Bergtour mit ihr, bei der sie stets trotz der Schwierigkeit eines z.B. Bergführerweges-Eisenzeit an der Zugspitze im Stundentakt ein Foto auf Facebook stellte, wo sie viele, viele Fans, aber auch vereinzelt Neider hatte. Letzteres nahm Claudia durchaus auch sehr persönlich. Auch verschwand sie gesundheitsbedingt mal für Monate von der virtuellen Bildfläche.

Claudia setzte sich immer für „ihre“ Klettersteige ein. Sie kämpfte z.B. für die Wiedereröffnung der Steige in Ladis oder für den Erhalt der F-Steige (z.B.Gosauschmied Hammer).

Ihre geliebten Steige behielt sie immer in ihrem Herzen und war bis zu ihrem letzten Tag ständig in der vertikalen Welt unterwegs. Claudia, wir vermissen dich, deine Begeisterung für den Klettersteigsport, deine Unterstützung und Motivation für so viele KlettersteiggeherInnen.


Anfang August verließ uns Claudia völlig unerwartet. Der Familie unser herzliches Beileid.


Text: Andreas Jentzsch und Dany Korczak.

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