Benni Purner/Seacliff Kaldakinn (c) Elias Holzknecht, www.woodslave.com
19 Dezember 2016

Island – Erstbegungen auf der Vulkaninsel

Neues Spiel neues Glück! Albert Leichtfried und Benedikt Purner wagten das Roulettespiel Eisklettern in Island.

Neues Spiel neues Glück! Albert Leichtfried und Benedikt Purner wagten das Roulettespiel Eisklettern in Island. Dieses Mal hatten sie Glück – Island war tiefgefroren und die beiden konnten einiges an Neuland im Eis entdecken. Neben einigen Erstbegehungen gelang ihnen die Erstbegehung des ersten Eisfalles in Island im siebten Schwierigkeitsgrad – ‘Tröll leikhus’ in Austurárdalur.

Bereitet man eine Eiskletterreise nach Island vor, so kommt es einen wirklich wie ein Roulettespiel vor. Die knapp unter dem Polarkreis liegende Vulkaninsel lässt auf kalte Temperaturen im Winter schließen. Doch durch den ständig präsenten Golfstrom aus Südwesten werden nahezu konstant warme Luftmassen mit der warmen Meeresströmung nach Island gebracht. Immer wieder gibt es auch während der Wintersaison extreme Wärmeperioden, welche meist die gesamte Eislandschaft binnen weniger Tagen abschmelzen lässt. Beim dritten Anlauf nach Island warteten wir deshalb so lange es ging mit der Buchung der Flüge. Auch dieses Mal war es Mitte Jänner wieder soweit. Der bisher optimal verlaufende Eiswinter schien bereits frühzeitig zu Ende zu gehen. Die Wärmeperiode von nur vier Tagen mit Temperaturen bis zu 9 Plusgraden verhieß nichts Gutes. Ich kontaktierte einige meiner Freunde in Island um einen Schadensbericht zu erhalten. Zum Glück waren wir mit einem blauen Auge davon gekommen – das Eis war zwar schwer beschädigt, jedoch noch komplett vorhanden. Eine Kälteperiode bahnte sich bis Mitte Februar an. Wir buchten unsere Flüge und hofften, dass wir damit auf die richtige Farbe gesetzt hatten.

Der Start wurde durch das Eiskletterfestival in Kaldakinn, bei dem wir herzlich eingeladen waren, bestimmt. Dazu mussten wir erst einmal rund 600 km von Reykjavik in den Norden fahren, zu einem der spektakulärsten Plätze zum Eisklettern die ich kenne. Direkt am Meer liegt die Farm von Peter Bjorg (http://www.bjorgum.is/icebjorg/), etwa 40 km von der Zivilisation entfernt. Zusammen mit etwa 40 isländischen Eiskletterern und der Familie Bjorg verbrachten wir eine geniale Zeit in Kaldakinn. Uns gelang gleich am ersten Tag eine Erstbegehung zwischen den unzähligen Eislinien in Kaldakinn. Am nächsten Tag erwischten wir das Seacliff mit einem annehmbaren Wasserstand bei Ebbe und überlegten nicht lange – zwischen den immer näher kommenden Wellen kletterten wir direkt vom Strand eine neue Linie und nannten sie den Eindrücken nach „Sex on the beach“.

Es ist schwierig, diesen unglaublich gastfreundlichen und vom Ambiente atemberaubenden Platz Kaldakinn zu verlassen. Doch unsere Reise geht weiter in den Osten, wo wir uns beim „King oft he eastfjords“ Sævar direkt an seinen Strandhütten in Eskifjördur einquartierten. Doch der Golfstrom war bereits wieder aktiv – eine extrem starke Regenfront zerstörte das komplette Eis an den Seacliffs im Osten. Nach einer 1000 Meter alpinen Eiskletterei am Holmartindur verließen wir den Osten um im Süden nach Neuland zu suchen. Auch dort ließ der durchgezogene Regen unsere Hoffnungen auf Eis sinken. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt – in Hof wartete eine unglaublich steile Eisstruktur auf uns – Palli’s pillar.

Bildergalerie: Island – Erstbegungen auf der Vulkaninsel

Benni Purner/Seacliff Kaldakinn (c) Elias Holzknecht, www.woodslave.com
Seacliff Kaldakinn (c) Elias Holzknecht, www.woodslave.com
Hot tub Island 2016 (c) Elias Holzknecht, www.woodslave.com
Albert Leichtfried/Troll Leikhus (c) Elias Holzknecht, www.woodslave.com
Beni Purner und Albert Leichtfried (c) Elias Holzknecht, www.woodslave.com
Nordllicht Holmartindur (c) Elias Holzknecht, www.woodslave.com

Nach etwa 3000 gefahrenen Kilometern waren wir wieder in Reykjavik angekommen, um den Rest unserer Reise zu verbringen. Auch der Abschluss hielt mit dem Beginn mit – nach einem Abenteuer in der 200 Meter tiefen Schlucht des Glymur konnten wir noch zwei anspruchsvolle Routen klettern. Zum einen waren wir in Austurárdalur genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein über 10 Jahre langes Eisprojekt der Isländer hatte sich gerade jetzt zum Klettern geformt. Motiviert durch die Locals schauten wir hin und kletterten „Töll leikhús“ WI7-, ein sich ständig im Wandel befindlicher Eisfall mit extremen Wasserdruck. Sorgfältig sollte der Zeitpunkt für die Begehung gewählt sein und die Kletterei verlangt auch eine sanfte Klettertechnik in der Schlüsselstelle, dem Übergang von den frei fallenden Säulen über ein Eisdach. Zum anderen legten wir mit der Erstbegehung von „Hard five“, einer Sportkletter-Mixedroute im neuen Modegebiet Bolakletur den Schlussstein einer intensiven und eindrücklichen Reise nach Island.

Island 2016 Hitlist

NameGradDatumGebietErstbegehung
StekkjastaurWI5/613.2.16Kaldakinn 
X-filesWI6, M613.2.16KaldakinnX
Sex on the beachWI5+14.2.16KaldakinnX
ShooterWI4+15.2.16Kaldakinn?
Have no fear, have a skyrWI6+, M715.2.16KaldakinnX
HouselineWI517.2.16Eskifjördur?
Palli‘s pillarWI520.2.16Hof/Bæjargil 
GlymurWI522.2.16Glymsdal 
Tröll leikhúsWI7-23.2.16AusturárdalurX
Hard fiveWI6+, M824.2.16BolakleturX

Eine gute Übersicht der verschiedenen Gebiete und Routen (leider noch wenig in Englisch) findet sich auf der Seite des Isländischen Alpenvereines: www.isalp.is/en/category/crag

Text: Albert Leichtfried 
pics: Elias Holzknecht, www.woodslave.com



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