Totenköpfl Unterer Nordpfeiler IV+ Neutour

15.06.2016 - 17:14

Totenköpfl Unterer Nordpfeiler IV+ Neutour

Wir haben eine neue Tour für Euch :-)

Totenköpfl, Unterer Nordpfeiler (IV+)

Klaus Birklbauer, Robert Wacha, 30.05.2016 Seilschaft modern ground up,

Der untere Nordpfeiler des Totenköpfl ist eine gut gesicherte und doch sehr alpine Klettertour bis

zum oberen vierten Schwierigkeitsgrad. Die sehr klassische Linie folgt geschickt einem System

von Rampen und Verschneidungen nach oben und führt so praktisch direkt auf den markanten

Pfeiler ohne größere klettertechnische Schwierigkeiten zu verlangen. Dennoch sind die Tiefblicke

teils enorm und das auch nicht immer perfekte Gestein verlangen ein gewisses Maß an alpiner

Erfahrung. Die Absicherung mit Bohrhaken ist gut und nimmt nach oben hin mit Höhe und

Schwierigkeit zu. Alle Stände sind doppelt gebohrt und mit Kette und Abseilkarabiner versehen.

Es gibt an jeder interessanten Kletterstelle ausreichend Zwischensicherungen, dennoch sind ein

Satz Keil und ein paar Friends vielleicht beruhigend. Auch ein Helm ist dringend anzuraten, die

Route ist noch nicht abgeklettert und oben wohnen auch Gämsen.

Landschaftlich ist die Route ein Hammer. Wer am Einstieg steht und die düstere Nordwand sieht,

wird kaum glauben können, dass es da mit einem 4er raufgeht. Auch in der Route selbst hat man

ständig ein gewisses „Nordwand-Feeling“, wie sonst nur in höher gelegenen Touren.Es ist hier

immer schattig und kühl. Eine Tour auch für den Hochsommer, wenns überall sonst zu heiß ist.

Bei Regen, Nässe, Sturm, Nebel oder Frost wird die Führe auch ganz schnell zum echten

Abenteuer. Falls wer mal ohne großen Aufwand alpine Verhältnisse trainieren will, haut sich bei

Schlechtwetter in den Totengraben.

Anfahrt, Zustieg und Allgemeines:

Von Norden (Linz) fährt man auf der A1 bis Abfahrt Regau und dann auf der Uferstraße den

Traunsee entlang bis nach Ebensee. Dort ist bei der Kreuzung nach rechts der Langbath-See

bereits angeschrieben und auf einer Bergstraße ist man auch kurz danach dort angekommen. Es

gibt zumindest morgens noch genügend Parkplätze. Der Platz dort ist mit ausgiebiger Infrastruktur

versehen. Neben einer öffentlichen WC Anlage gibt es auch ein Restaurant und natürlich den

Langbath-See selbst. Ich empfehle Badehose und Schwimmbrille mitzunehmen. Der Langbathsee

ist einer der besten Spots fürs Freiwasser-Schwimmen. Eine Runde ist ca. 4km lang und ist zum

Abkühlen und Lockern der Beinmuskulatur nach einer Bergtour genau das richtige. Auch

Freitauchen lässt sich dort super, es zahlt sich also aus auch die Wasserausrüstung ins Auto zu

packen. Allerdings ist der gute Ausbau im Sommer genau das Problem. Ab Juni stürmen die

Massen den See, aber da seid ihr in 40min weg davon. Im Totengrabenkessel ist dann praktisch

keiner mehr.

By fair means schnappt ihr Euch am besten einen Regionalzug von Linz weg. Um 0721 Uhr fährt

z.Bsp der REX4422 direkt hin, früher müsst ihr nur einmal in Attnang Puchheim umsteigen. Das

Fahrrad könnt ihr dabei mitnehmen, damit seid ihr von Ebensee in ca 45min am Langbathsee.

(zurück geht’s bergab). Am Abend fährt der letzte Zug am Samstag um 2000 Uhr. Aufpassen ! Am

Sonntag der letzte schon um 1711 Uhr !!

Vom Parkplatz geht ihr erst mal wieder ein kurzes Stück die Straße zurück (über die Brücke und

dann ca. 100m weiter), bis rechts eine Forststraße abzweigt . Dort ist ein Gatter an dem ihr

vorbeigeht. Gleich danach teilt sich die Straße ein paar mal , ihr geht immer nach Süden bzw.

leicht nach Osten. Prinzipiell führen alle beiden Forststraßen (Blick in die Karte) in den Kessel, mir

persönlich ist die östliche sympathischer. Wenn ihr einmal eine Schleife gemacht habt und dann

auf die Wände zwischen den Bäumen seht, seid ihr richtig. Aber wie gesagt, grundsätzlich immer

nach Süden , irgendwie landet ihr dann sicher im Kessel.

Man wandert wie bei 20.1 durch die Schiffau in den Totengrabenkessel und steigt den

Schuttkegel wie zum „Großen Totengraben“ hoch . Der Einstieg liegt ca. 150m links davon und ist

mit einem Felsnagel und tibetischen Gebetsfahnen markiert. (Zustieg 40 min, Kletterzeit 1,5 h und

abseilen 35min 65), (GPS : 47.8149, 13.6879 , 1100 hm)

Durchstieg:

Erste Seillänge (I) :

Zum Aufwärmen geht’s entweder seilfrei oder bereits aufmagaziniert eine paar nette Felsstufen in

einem trockenen Wasserlauf nach oben. Hier stecken noch keine Sicherungen, erst beim Stand

vor einem Aufschwung stecken Schlaghaken und hängt eine Topo.

Zweite Seillänge (IV+):

Es beginnt bei einem ersten Aufschwung die Kletterei. Hier gibt’s auch die ersten Sicherungen,

danach bitte einfach dem Bachbett folgen bis man vor der ersten Schlüsselstelle (IV+) steht. Eine

Steilstufe genau in Schluchtmitte muss jetzt überwunden werden. Dank des Bohrhakens rechts

oben gelingt das Hochziehen auch angstfrei. Schöne Kletterstelle. Dann weiter gerade nach oben

bis zum Stand unter einem wilden schwarzem Überhang mit Höhle links.

Dritte Seillänge (III+):

Vom Stand weg geht es querend nach rechts in eine Verschneidung. Diese eher an der linken

Seite nach oben, bis diese wieder mit einem netten Spreizschritt nach rechts zum Stand

überstiegen wird. Nun steht man eigentlich sehr gemütlich am Fuß des „Weißen Pfeilers“.

Vierte Seillänge (IV+ / IV-A0):

Es geht den weißen Pfeiler gerade nach oben (III) bis man auf ein schönes Verschneidungsband

stößt. Dieses in netter Kletterei (III+ bis IV) nach oben bis zum berüchtigten „brüchigen Eck“, das

war früher wirklich zum Fürchten, zwischenzeitlich ist der Bruch größtenteils nach unten gefallen

und es bleibt eine etwas heikle Steilstufe (IV+) als Schlüsselstelle der Tour. Damit es auch bei

nassem Fels kletterbar bleibt hängt dort auch eine Reepschnur für A0, damit kommt man in jedem

Fall hoch und drüber. Der Stand befindet sich noch ca. 8m darüber leicht rechts.

Fünfte Seillänge (III+):

Jetzt geht es rechts der schwarzen und meist nassen Verschneidung über stufiges Gelände (III+)

beinahe gerade nach oben. Der Fels ist etwas durchsetzt aber leicht zu klettern, trotzdem

ergeben sich beeindruckende Tiefblicke, bis man schließlich aus dem dunklen Kessel auf dem

sonnigen Spitz des unteren Totenköpfel-Pfeilers ankommt . Hier könnte man jetzt gleich wieder

abseilen oder (sehr mühsam) über Steilgras nach rechts zum Totengraben queren. Wir empfehlen

daher noch eine Seillänge dranzuhängen.

Weitere Verbindungsseillängen :

Nach rechts führt steiles grasiges Gelände mit einigen kleinen Kletterstellen (I+), (3 BH) zu einem

Baum mit Schlinge, und von dort erst nach links querend, dann aufwärts zum Kessel des „kleinen

Totengrabens“ und von dort nach rechts zurück zum „großen Totengraben“. Wird nicht

empfohlen, da mühsam und bei Nässe gefährlich.

Nach links führt eine weitere Seillänge (III+) über einen Quergang und einem extrem

ausgesetzten Aufschwung ebenfalls auf das obere Plateau und weiter zum oberen Totenköpfel .

Dies ist bereits Teil der Nordwandroute. (noch nicht fertiggestellt, Projekt Stand 2016)

Abstieg:

Der Abstieg erfolgt am besten durch Abseilen an den Ständen. Man benötigt 60m Halbseile ,

dann geht sich das jeweils wunderbar aus. Man kann sogar vom weißen Pfeiler direkt bis ins

Gehgelände (I) nach unten abfahren. Das Abziehen ist problemlos, man sollte nur auf Geröll und

Steinschlag aufpassen. Es gibt Ketten und Abseil-Karabiner an jedem Stand.

Man kann oben aber auch nach dem Ausstieg über Wiesen und Steilgras zum „Großen

Totengraben“ queren und dort entweder zum Langbathsee absteigen (II+) oder zur Riederhütte

aufsteigen (III-) und um im Gastgarten seine eben überstandenen Abenteuer zum Besten zu

geben. Der Weg ist aber mühsamer und erfordert alpine Erfahrung

27.06.2016 - 11:38

AW: Totenköpfl Unterer Nordpfeiler IV+ Neutour

Eine wirklich gelungene Route die echtes Genussklettern vermittelt. Kompliment an die Schrauber!

Hoffe auf eine Weiterfürung der Route denn der Fels ist in einem genialen Zustand und ist ähnlich dem am Dachstein. Eine Tour zum weiter empfehlen!

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